Narzissmus und die narzisstische Persönlichkeitsstörung
Geprüft von der Redaktion · 10. Juli 2026

Das Wichtigste in Kürze
- Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist eine im DSM-5 anerkannte Diagnose mit neun Kriterien, von denen mindestens fünf über Jahre und in mehreren Lebensbereichen zutreffen müssen.
- Die ICD-11 führt Narzissmus nicht mehr als eigene Kategorie, sondern misst ihn über allgemeine Persönlichkeitsmerkmale und einen Schweregrad.
- Fachleute schätzen die Häufigkeit im Mittel auf etwa 1,6 Prozent der Bevölkerung, Männer erhalten die Diagnose häufiger als Frauen.
- Ein Online-Fragebogen ersetzt keine fachliche Diagnose, weil die Kriterien ein festes Muster über Jahre verlangen und nicht eine einzelne Situation.
- Depressionen, Suchterkrankungen und weitere Persönlichkeitsstörungen treten bei einer NPS überdurchschnittlich häufig zusätzlich auf.
- Psychotherapie gilt als wirksamste Behandlung, für Medikamente gegen die Störung selbst fehlt bislang der Wirksamkeitsnachweis.
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist eine anerkannte psychische Erkrankung
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung, kurz NPS, ist eine im DSM-5 und in der ICD-11 anerkannte psychische Erkrankung. Betroffene zeigen über Jahre ein starres Muster aus übersteigertem Selbstwertgefühl, ständigem Bedürfnis nach Bewunderung und wenig Einfühlungsvermögen. Das Muster zieht sich durch Arbeit, Freundschaft und Partnerschaft, nicht nur durch einzelne schwierige Momente.
Der Unterschied zwischen einem narzisstischen Charakterzug und der Störung liegt im Ausmaß und in der Starrheit. Ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein, Ehrgeiz und dem Wunsch nach Anerkennung gehört zu den meisten Persönlichkeiten und schadet niemandem. Die Störung beginnt dort, wo dieses Muster so unbeweglich wird, dass es Beziehungen, Beruf und das eigene Leiden dauerhaft prägt. Fachleute sprechen deshalb von einem Spektrum: von gesundem Selbstwert über auffällige, aber alltagstaugliche Züge bis zur diagnostizierbaren Störung.
Pathologischer Narzissmus zeigt sich am stärksten bei jungen Erwachsenen, meist in der späten zweiten und in der dritten Lebensdekade. Mit festen Beziehungen und Familie nimmt die Ausprägung bei vielen Betroffenen ab, ohne dass die zugrunde liegende Struktur verschwindet. Eine Studie zur Entwicklung von Narzissmus-Werten über mehrere Jahrzehnte fand sogar einen leichten Rückgang zwischen 1982 und 2023, entgegen der verbreiteten Annahme einer wachsenden "Narzissmus-Epidemie".
Die vier Formen des Narzissmus
Narzissmus zeigt sich nicht bei allen Menschen gleich. Die Forschung unterscheidet vier Hauptformen, die denselben brüchigen Selbstwert teilen, aber sehr unterschiedlich auftreten. Am besten belegt ist die Unterscheidung zwischen dem grandiosen und dem vulnerablen Typ.
| Form | Auftreten | Typische Anzeichen |
|---|---|---|
| Grandios | offen, dominant, selbstsicher | Prahlen, Anspruchsdenken, sichtbarer Bewunderungsbedarf |
| Vulnerabel | still, überempfindlich, unsicher | Kränkbarkeit, Neid, Rückzug, Gefühl, verkannt zu sein |
| Verdeckt | getarnt hinter Bescheidenheit | Opferrolle, Schuldumkehr, passiv-aggressive Kontrolle |
| Malign | aggressiv und misstrauisch | Sadismus, fehlendes Gewissen, bewusstes Ausnutzen |
Narzissmus entsteht aus Anlage und früher Bindung
Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Narzissmus entsteht aus dem Zusammenspiel von genetischer Veranlagung, dem Temperament und prägenden Kindheitserfahrungen. Zwillingsstudien legen einen deutlichen erblichen Anteil nahe. Zwei klassische Modelle prägen das Verständnis: Heinz Kohut sah Narzissmus als Folge fehlender einfühlsamer Spiegelung in der Kindheit, Otto Kernberg betonte die Abwehr früher Kränkungen. Sowohl übermäßige Verwöhnung als auch Kälte oder an Leistung geknüpfte Zuwendung können ein instabiles Selbstwertgefühl anlegen.
Die neun Kriterien der DSM-5
Das DSM-5, das amerikanische Diagnosehandbuch für psychische Störungen, listet neun Merkmale für die narzisstische Persönlichkeitsstörung. Für eine Diagnose müssen mindestens fünf davon zutreffen, und zwar dauerhaft, nicht nur in einer angespannten Lebensphase. Die Symptome müssen zudem spätestens im frühen Erwachsenenalter begonnen haben.
| Kriterium | Was damit gemeint ist |
|---|---|
| Grandioses Selbstwertgefühl | Übertreibt eigene Leistungen und Talente, erwartet Anerkennung ohne entsprechende Erfolge |
| Fantasien von Erfolg und Macht | Ist stark mit Vorstellungen von grenzenlosem Erfolg, Macht, Glanz, Schönheit oder idealer Liebe beschäftigt |
| Glaube an die eigene Einzigartigkeit | Hält sich für so besonders, dass nur andere hochstehende Menschen oder Institutionen einen verstehen können |
| Bedürfnis nach übermäßiger Bewunderung | Benötigt fortwährend Bestätigung von außen, um das eigene Selbstbild zu stützen |
| Anspruchsdenken | Erwartet ohne sachlichen Grund eine besonders günstige Behandlung oder automatisches Erfüllen der eigenen Erwartungen |
| Ausnutzen anderer | Nutzt zwischenmenschliche Beziehungen gezielt aus, um eigene Ziele zu erreichen |
| Mangel an Empathie | Ist nicht bereit oder nicht in der Lage, Gefühle und Bedürfnisse anderer zu erkennen |
| Neid | Beneidet andere häufig oder glaubt umgekehrt, andere würden ihn oder sie beneiden |
| Arrogantes, überhebliches Verhalten | Zeigt hochmütige Haltungen und Verhaltensweisen im Umgang mit anderen Menschen |
Wichtig ist die Kombination: Ein einzelnes Kriterium, etwa gelegentlicher Neid oder eine Phase übertriebenen Ehrgeizes, sagt über eine Störung nichts aus. Erst das gleichzeitige, andauernde Auftreten von mindestens fünf der neun Merkmale, quer über Beruf, Familie und Freundeskreis, erfüllt die diagnostische Schwelle.
Der dimensionale Ansatz der ICD-11
Die ICD-11, die aktuelle internationale Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation, stuft eine narzisstische Persönlichkeitsstörung nicht mehr als eigene Kategorie ein. Stattdessen prüft sie zunächst, ob überhaupt eine Persönlichkeitsstörung vorliegt, legt danach deren Schweregrad fest und beschreibt sie über allgemeine Merkmalsbereiche wie Dissozialität.
Der Wechsel hat einen fachlichen Grund. Die alte Einteilung in feste Kategorien wie narzisstisch, histrionisch oder zwanghaft überschnitt sich in der Praxis stark: Viele Patientinnen und Patienten erfüllten Kriterien mehrerer Kategorien gleichzeitig, ohne dass eine einzelne Bezeichnung ihr Bild richtig traf. Die ICD-11 prüft deshalb zuerst die allgemeinen Kriterien einer Persönlichkeitsstörung: anhaltende Probleme im Verhältnis zu sich selbst oder zu anderen Menschen, die sich in Denken, Fühlen und Verhalten zeigen und seit mindestens zwei Jahren bestehen.
Danach ordnet sie den Fall einem von drei Schweregraden zu. Eine leichte Persönlichkeitsstörung betrifft ein bis zwei Merkmalsbereiche mit geringen Folgen für Beruf und Beziehungen. Eine mittelgradige Störung umfasst zwei bis drei Bereiche mit spürbar beeinträchtigten sozialen Rollen und häufigen Konflikten. Eine schwere Störung wirkt sich auf fast alle Lebensbereiche aus und geht oft mit Gefährdung der eigenen Person oder anderer einher. Für die Beschreibung narzisstischer Züge ist vor allem der Merkmalsbereich Dissozialität zentral: die Missachtung der Rechte und Gefühle anderer, die sich in Selbstbezogenheit, fehlender Empathie und ausbeuterischem Verhalten zeigt.
| Merkmal | DSM-5 | ICD-11 |
|---|---|---|
| Grundprinzip | Feste Kategorie mit eigenem Namen | Schweregrad plus allgemeine Merkmalsbereiche |
| Schwelle | Mindestens 5 von 9 Kriterien | Allgemeine Kriterien einer Persönlichkeitsstörung plus Ausprägung der Merkmalsbereiche |
| Verlaufsdauer | Beginn im frühen Erwachsenenalter | Mindestens zwei Jahre andauernd |
| Zentrales Merkmal bei Narzissmus | Grandiosität und Bewunderungsbedürfnis | Ausgeprägte Dissozialität |
Wie Fachleute die Diagnose stellen
Eine Diagnose entsteht in einem strukturierten klinischen Gespräch, meist über mehrere Termine verteilt, bei einer Fachärztin für Psychiatrie oder einer psychologischen Psychotherapeutin. Die Fachperson prüft Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster über einen langen Zeitraum, nicht den Eindruck eines einzelnen Treffens.
Zum Ablauf gehören ein ausführliches biografisches Gespräch, oft ergänzt durch strukturierte Interviews und Fragebögen, die eigentlich für die Forschung entwickelt wurden und im klinischen Alltag als Orientierung dienen. Weil Menschen mit ausgeprägtem Narzissmus ihr eigenes Verhalten häufig anders schildern, als es Angehörige oder Kollegen erleben, fließt wo möglich eine Fremdanamnese mit ein: Berichte von Partnerinnen, Familie oder aus früheren Behandlungen. Ebenso wichtig ist der Ausschluss anderer Erklärungen, etwa einer manischen Episode oder einer anderen Persönlichkeitsstörung mit ähnlicher Fassade.
Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung suchen selten wegen der Störung selbst eine Behandlung auf. Häufiger führen eine Scheidung, eine berufliche Krise oder eine Depression nach einer schweren Kränkung in die Praxis. Der eigentliche Befund fällt dann erst im Lauf der Behandlung auf.
Warum Selbsttests und Ferndiagnosen keine Diagnose ersetzen
Ein Online-Fragebogen kann höchstens einen Hinweis liefern, niemals eine Diagnose. Die DSM-5-Kriterien verlangen ein geschultes Urteil darüber, ob ein Verhalten situativ oder tatsächlich durchgängig ist, und dieses Urteil braucht Fachwissen und mehrere Beobachtungspunkte.
Ein zentrales Problem von Selbsttests ist die fehlende Unterscheidung zwischen einer Reaktion auf eine konkrete Situation und einem stabilen Muster. Wer nach einer schmerzhaften Trennung wütend, verletzt oder abweisend reagiert, erfüllt damit noch kein diagnostisches Kriterium. Ein zweites Problem ist die Selbstauskunft: Menschen mit stark ausgeprägtem Narzissmus neigen dazu, ihr Verhalten in einem Fragebogen günstiger darzustellen, als es tatsächlich ist, weil die Selbstwahrnehmung selbst Teil der Störung ist. Ferndiagnosen durch Angehörige, die den Begriff "narzisstisch" aus dem Internet auf eine reale Person übertragen, tragen dasselbe Risiko in die andere Richtung: Ein schwieriger, egoistischer oder verletzender Mensch ist damit noch keine Person mit einer Persönlichkeitsstörung.
Der Alltagsbegriff "narzisstisch" und der klinische Begriff "narzisstische Persönlichkeitsstörung" sind deshalb zwei verschiedene Dinge. Ersterer beschreibt einen Eindruck, Letzterer eine Diagnose mit festen Kriterien, einer Mindestdauer und einem geschulten Urteil darüber, wie stark ein Muster das gesamte Leben einer Person prägt.
Typische Anzeichen im Alltag
Im Alltag zeigen sich die diagnostischen Kriterien meist als wiederkehrende Verhaltensmuster: ein Selbstbild, das größer wirkt als die tatsächlichen Leistungen, ein spürbares Bedürfnis nach Lob, wenig Interesse an den Gefühlen anderer, die Erwartung einer bevorzugten Behandlung, empfindliche Reaktionen auf Kritik und die Bereitschaft, andere für eigene Zwecke einzuspannen.
Diese sechs Merkmale treten selten isoliert auf. Ein grandioses Selbstbild geht meist mit hoher Kritikempfindlichkeit einher, weil jede infrage gestellte Sichtweise das aufgebaute Bild bedroht. Der Bewunderungsbedarf zeigt sich oft als ständiges Bedürfnis nach Bestätigung in Gesprächen, in sozialen Netzwerken oder im Beruf. Fehlende Empathie äußert sich weniger als offene Grausamkeit, sondern häufiger als beiläufiges Übergehen der Gefühle anderer, etwa wenn Verabredungen ohne Erklärung platzen oder Erfolge anderer Menschen klein geredet werden. Anspruchsdenken zeigt sich in kleinen Alltagsmomenten, etwa der Erwartung, Regeln würden für einen selbst nicht gelten. Das Ausnutzen anderer schließlich fällt oft erst rückblickend auf, wenn eine Person merkt, wie einseitig eine Freundschaft oder Zusammenarbeit tatsächlich verlaufen ist.
Welche Erkrankungen häufig gemeinsam mit einer NPS auftreten
Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung tritt selten allein auf. Depressionen, insbesondere nach schweren Kränkungen oder beruflichem Scheitern, gehören zu den häufigsten Begleiterkrankungen, ebenso Substanzstörungen, wobei Kokain in der Fachliteratur besonders oft genannt wird.
Auch Essstörungen, insbesondere Anorexia nervosa, kommen bei Betroffenen überdurchschnittlich häufig vor, wenn Kontrolle über den eigenen Körper mit dem übersteigerten Anspruch an das eigene Erscheinungsbild zusammenfällt. Daneben überschneidet sich die narzisstische Persönlichkeitsstörung häufig mit anderen Persönlichkeitsstörungen, vor allem der histrionischen, der Borderline- und der paranoiden Persönlichkeitsstörung. Klinisch bedeutsam ist zudem ein erhöhtes Risiko für selbstdestruktives Verhalten und Suizidversuche, besonders in Phasen tiefer narzisstischer Kränkung, wenn das aufgebaute Selbstbild öffentlich zusammenbricht. Wer mit einer betroffenen Person zu tun hat, sollte solche Krisenzeichen ernst nehmen, auch wenn das übrige Verhalten der Person wenig Mitgefühl weckt.
Behandlungsansätze in der Psychotherapie
Psychotherapie gilt als das Mittel der Wahl bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, ein Wirksamkeitsnachweis für Medikamente gegen die Störung selbst liegt bislang nicht vor. Medikamente kommen allenfalls gegen Begleiterkrankungen wie Depression zum Einsatz, nicht gegen den Kern der Persönlichkeitsstörung.
In der Praxis haben sich mehrere psychodynamische Verfahren etabliert. Die übertragungsfokussierte Psychotherapie arbeitet gezielt an den Beziehungsmustern, die in der Therapiebeziehung selbst sichtbar werden, etwa an Zyklen aus Idealisierung und Entwertung, und versucht, sie zu einem realistischeren Selbstbild zusammenzuführen. Die mentalisierungsbasierte Therapie trainiert die Fähigkeit, die eigenen und fremde Gefühlszustände als das zu erkennen, was sie sind, statt sie sofort zu bewerten oder abzuwehren. Klärungsorientierte Verfahren setzen an unbewussten Grundannahmen an, etwa der Überzeugung, nur durch ständige Höchstleistung liebenswert zu sein, um daraus eine Motivation für Veränderung zu entwickeln. Verhaltenstherapeutische Ansätze kommen ergänzend zum Einsatz, gelten bei dieser Störung aber als weniger gut untersucht.
Zentrale Therapieziele sind eine realistischere Selbstwertregulation, ein besserer Umgang mit Kritik und Rückschlägen, eine stabilere Affektregulation bei Neid, Scham und Wut sowie eine Verbesserung der Empathiefähigkeit. Der Erfolg hängt stark von der Beziehung zur Therapeutin oder zum Therapeuten ab: Eine wertfreie, aber konsequente Haltung, die weder in Bewunderung noch in Abwehr verfällt, gilt als wichtige Voraussetzung, weil Betroffene beides aus früheren Beziehungen kennen und beides die eigentliche Arbeit verhindert.
Der Alltagsbegriff "narzisstisch" beschreibt einen Charakterzug, den fast jeder Mensch in unterschiedlichem Ausmaß besitzt. Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist dagegen eine seltene, klar umrissene Diagnose mit festen Kriterien. Wer im Umfeld schwierige, selbstbezogene Menschen erlebt, sollte diesen Unterschied im Kopf behalten, bevor er den klinischen Begriff verwendet.
So gehst du vor
- Schreibe konkrete Beobachtungen auf: welche Situationen, wie oft, über welchen Zeitraum, statt einen allgemeinen Eindruck festzuhalten.
- Wende dich zunächst an die Hausärztin oder den Hausarzt, um eine Überweisung an eine geeignete Fachstelle zu bekommen.
- Suche eine Fachärztin für Psychiatrie oder eine psychologische Psychotherapeutin mit Erfahrung in Persönlichkeitsstörungen auf.
- Rechne mit mehreren Terminen für die Diagnostik, eine seriöse Diagnose entsteht nie in einem einzigen Gespräch.
- Suche dir selbst professionelle Unterstützung, etwa über eine Beratungsstelle, wenn eine nahestehende Person betroffen ist und dich stark belastet.
- Nimm akute Warnzeichen wie Suizidgedanken bei der betroffenen Person immer ernst und hole sofort professionelle Hilfe.
Bei Bezug zu akuter Not: In akuter Not ist die TelefonSeelsorge rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar, im Notfall die 112.
Häufige Fragen
Ist eine narzisstische Persönlichkeitsstörung dasselbe wie Egoismus?
Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist nicht dasselbe wie Egoismus. Egoismus beschreibt eine Charaktereigenschaft, die situativ stark oder schwach ausgeprägt sein kann, während die Störung ein starres, über Jahre stabiles Muster aus Grandiosität, Bewunderungsbedürfnis und mangelnder Empathie verlangt, das mindestens fünf von neun festgelegten Kriterien erfüllt.
Sind Männer häufiger von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung betroffen als Frauen?
Männer erhalten die Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung nach bisherigen Studien häufiger als Frauen. Die mittlere Häufigkeit in der Bevölkerung liegt bei etwa 1,6 Prozent, wobei einzelne Untersuchungen je nach Stichprobe deutlich niedrigere oder höhere Werte fanden.
Ab wie vielen Kriterien spricht das DSM-5 von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung?
Das DSM-5 verlangt für die Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung mindestens fünf von neun aufgeführten Kriterien, dazu einen Beginn spätestens im frühen Erwachsenenalter und ein Muster, das über verschiedene Lebensbereiche hinweg stabil bleibt.
Verschwindet eine narzisstische Persönlichkeitsstörung mit zunehmendem Alter von selbst?
Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung verschwindet nicht einfach von selbst, auch wenn sich die sichtbaren Symptome mit dem Alter oft abschwächen. Forschung zeigt, dass pathologischer Narzissmus bei jungen Erwachsenen am stärksten ausgeprägt ist und nach dem Aufbau fester Beziehungen häufig zurückgeht, die zugrunde liegende Persönlichkeitsstruktur bleibt davon aber meist unberührt.
Kann man eine narzisstische Persönlichkeitsstörung mit einem Online-Test feststellen?
Ein Online-Test kann eine narzisstische Persönlichkeitsstörung nicht feststellen, weil die Diagnose ein geschultes klinisches Urteil über ein Muster verlangt, das über Jahre und über mehrere Lebensbereiche hinweg besteht. Ein Fragebogen liefert höchstens einen groben Hinweis, keine verlässliche Einschätzung.
Welche Fachleute dürfen eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostizieren?
Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung dürfen in Deutschland Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten diagnostizieren, in der Regel über mehrere Termine hinweg und ergänzt um strukturierte Interviews und, wo möglich, Berichte aus dem Umfeld der betroffenen Person.
Quellen
- MSD Manual, Profi-Ausgabe: Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) msdmanuals.com
- Deutsches Ärzteblatt: Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Erkrankung mit vielen Facetten aerzteblatt.de
- Deutsches Ärzteblatt: Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Spektrum der Behandlungszugänge erweitern aerzteblatt.de
- Psychiatrie & Neurologie, Rosenfluh: Persönlichkeitsstörungen in der ICD-11 rosenfluh.ch
Verwandte Ratgeber aus Beziehungen
Weitere Artikel zum selben Themenbereich, die dir hier weiterhelfen können.
- Anspruchsdenken als Merkmal des Narzissmus
- Arroganz und Überheblichkeit bei Narzissten
- Der Glaube, einzigartig zu sein
- Der übermäßige Bewunderungsbedarf von Narzissten
- Der Zyklus aus Idealisierung und Entwertung
- Die Graue-Stein-Methode gegen Manipulation
- Die narzisstische Kränkung und ihre Folgen
- Fehlende Empathie als Kernmerkmal des Narzissmus
- Flying Monkeys und wie Narzissten andere einspannen
- Gaslighting
- Grandioser Narzissmus
- Grandioses Selbstwertgefühl als Merkmal des Narzissmus
- Größenfantasien von Erfolg und Macht
- Hoovering
- Kann ein Narzisst lieben?
- Love Bombing
- Maligner Narzissmus
- Narzisstische Manipulation und wie du sie abwehrst
- Narzisstische Wut und wie du dich schützt
- Narzisstischer Missbrauch, seine Folgen und der Weg heraus
- Neid als Merkmal des Narzissmus
- Silent Treatment
- Trauma-Bonding und warum die Bindung so stark ist
- Triangulation als Manipulationstechnik