Helfer in der Krise

Familientherapie und Beratung finden

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Familientherapie und Beratung finden
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Familien gibt es drei anerkannte Wege der Hilfe: Erziehungs- und Familienberatung, systemische Familientherapie und Mediation.
  • Erziehungsberatung ist kostenlos, braucht keine Diagnose und ist ohne Umweg über das Jugendamt zugänglich.
  • Eine systemische Familientherapie behandelt eine diagnostizierte psychische Erkrankung und wird dafür von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
  • Mediation klärt einen konkreten Konflikt, etwa bei Trennung oder Erbstreit, und wird privat bezahlt.
  • Die passende Anlaufstelle findet sich über die bke-Beratungssuche, das Familienportal des Bundes oder den zuständigen Fachverband.

Welche drei Wege der Hilfe es für Familien gibt

Für Familien in einer schwierigen Phase gibt es in Deutschland drei etablierte Formen der Unterstützung: die Erziehungs- und Familienberatung, die systemische Familientherapie und die Mediation. Alle drei setzen an unterschiedlichen Punkten an, deshalb lohnt sich vor der Suche ein kurzer Blick darauf, welches Anliegen tatsächlich vorliegt.

Erziehungsberatung richtet sich an Eltern mit Fragen zum Familienalltag, Familientherapie an Familien, in denen eine psychische Belastung diagnostiziert wurde, und Mediation an Menschen, die eine konkrete Entscheidung gemeinsam treffen müssen. Wer die falsche Tür zuerst öffnet, verliert damit nichts, weil jede der drei Stellen bei Bedarf weitervermittelt.

Wann eine kostenlose Erziehungs- und Familienberatung reicht

Eine Erziehungs- und Familienberatung reicht, wenn Eltern mit einer konkreten Alltagsfrage nicht mehr weiterkommen, ohne dass eine psychische Erkrankung im Raum steht. Sie ist als Leistung nach dem Achten Buch Sozialgesetzbuch für alle Eltern kostenlos und lässt sich ohne Antrag beim Jugendamt direkt in Anspruch nehmen.

In Deutschland gibt es mehr als 1.000 Erziehungs- und Familienberatungsstellen in kommunaler oder freier Trägerschaft. Für ein Erstgespräch genügt meist ein Anruf oder eine E-Mail, teils mit kurzer Wartezeit. Wer den Weg vor Ort scheut, findet bei der bke-Onlineberatung dieselbe fachliche Hilfe anonym und kostenlos per Mail, Chat oder Forum. Behandelt werden dort Themen wie Streit in der Familie, Sorgen um ein Kind, Belastungen nach einer Trennung oder die Frage, wie sich Grenzen und Nähe im Alltag verbinden lassen.

Wann eine systemische Familientherapie der richtige Weg ist

Eine systemische Familientherapie ist der richtige Weg, wenn bei einem Familienmitglied eine psychische Erkrankung diagnostiziert wurde und die Behandlung im Zusammenhang mit der Familie sinnvoll erscheint. Systemische Therapie ist seit Juli 2020 eine reguläre Kassenleistung für Erwachsene und darf auch im sogenannten Mehrpersonensetting stattfinden, also mit mehreren Familienmitgliedern gemeinsam im Raum.

Wichtig für die Erwartung: Paarprobleme, Erziehungsschwierigkeiten oder eine akute Familienkrise allein gelten nicht als Erkrankung. Ohne eine solche Diagnose zahlt die gesetzliche Krankenkasse nicht, dann liegt eher eine Frage für die Erziehungsberatung oder eine privat finanzierte systemische Beratung vor. Ein Therapieplatz wird über niedergelassene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit entsprechender Zusatzausbildung vermittelt, die Suche läuft über die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung oder direkt über die Praxen.

Typische Anlässe für eine systemische Familientherapie sind eine diagnostizierte Depression, eine Angst- oder Zwangsstörung, eine Essstörung oder eine Suchterkrankung, bei denen sich die Familie als Teil der Lösung erweist. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist die Einbindung der Eltern oft entscheidend, weil sich ein Verhalten selten allein bei der einzelnen Person verändern lässt. Auch eine reine Paartherapie ist übrigens keine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse, solange keine Diagnose vorliegt, sie wird dann privat bezahlt.

Wann Mediation die bessere Wahl ist

Mediation ist die bessere Wahl, wenn es um eine konkrete Entscheidung geht, die mehrere Beteiligte gemeinsam treffen müssen, etwa die Aufteilung von Betreuungszeiten nach einer Trennung oder die Verteilung eines Erbes. Anders als Beratung oder Therapie behandelt Mediation keine seelische Belastung, sondern moderiert einen Interessenausgleich zwischen Menschen, die sich in der Sache uneinig sind.

Eine Mediatorin oder ein Mediator ergreift dabei keine Partei und trifft keine Entscheidung, sondern begleitet die Beteiligten dazu, selbst eine Lösung zu finden. Mediation wird in aller Regel privat bezahlt, üblich sind Stundensätze zwischen 100 und 300 Euro, verteilt auf beide Seiten. Das klingt zunächst nach viel, liegt aber häufig deutlich unter den Kosten eines gerichtlichen Verfahrens. Bei Trennung und Sorgerechtsfragen bieten außerdem viele Jugendämter und Beratungsstellen eine kostenlose Trennungs- und Scheidungsberatung an, die einen ähnlichen Zweck erfüllt.

Wie eine systemische Familientherapie in der Praxis abläuft

In einer systemischen Familientherapie wird auffälliges Verhalten nicht als Eigenschaft einer einzelnen Person verstanden, sondern als eine Reaktion, die im Zusammenhang mit der Familienstruktur einen Sinn ergibt. Die Therapeutin oder der Therapeut arbeitet deshalb meist mit mehreren Familienmitgliedern zugleich, holt bei Bedarf aber auch Einzelne allein dazu.

Zu den Methoden gehören zirkuläre Fragen, die Zusammenhänge aus verschiedenen Blickwinkeln sichtbar machen, und die sogenannte Familienskulptur, bei der sich die Familie im Raum so aufstellt, wie sie ihre Beziehungen zueinander erlebt. Dauer und Form der Therapie legen Therapeutin oder Therapeut und Familie gemeinsam fest, eine Kurzzeittherapie umfasst in der Regel zwei Blöcke zu je zwölf Sitzungen.

Zirkuläre Fragen klingen zunächst ungewohnt. Statt jemanden direkt nach seinen Gefühlen zu fragen, lautet die Frage etwa: Was glaubst du, wie es deiner Schwester geht, wenn Vater und Mutter streiten? Solche Fragen zeigen, wie eng die Familienmitglieder miteinander verbunden sind und wie ein Verhalten das andere beeinflusst. Ein weiteres Werkzeug ist das Genogramm, eine Art Familienstammbaum, der über mehrere Generationen sichtbar macht, welche Muster sich wiederholen. Beim Reframing schließlich wird ein Verhalten in einen neuen Rahmen gestellt: Aus dem "sturen" Kind wird eines, das für seine Meinung einsteht. Ziel ist nicht, einen Schuldigen zu finden, sondern festgefahrene Muster zu lockern.

Erziehungs- undFamilienberatungFamilientherapieMediation
Wege der Hilfe für Familien. Bild: KI generiert.

Die drei Wege der Familienhilfe im Vergleich

Die folgende Übersicht fasst zusammen, für wen sich welches Angebot eignet, was es kostet und wo es zu finden ist.

AngebotFür wen geeignetKostenWo zu finden
Erziehungs- und FamilienberatungAlltagsfragen ohne psychische ErkrankungKostenlosErziehungsberatungsstelle vor Ort, bke-Onlineberatung
Systemische FamilientherapieDiagnostizierte psychische Erkrankung im FamilienkontextKassenleistung bei Diagnose, sonst privatNiedergelassene Psychotherapiepraxis, Terminservicestelle
MediationKonkrete Entscheidung zwischen mehreren BeteiligtenPrivat, üblich 100 bis 300 Euro pro StundeFreiberufliche Mediatorinnen und Mediatoren, teils Notariate

Was du vom ersten Gespräch erwarten kannst

Das erste Gespräch dient bei allen drei Wegen vor allem der Klärung, worum es eigentlich geht und wer beteiligt sein sollte. Niemand muss dafür perfekt vorbereitet sein oder die eigene Lage druckreif erklären können. Es hilft aber, sich vorab kurz zu überlegen, was das Hauptanliegen ist, seit wann es besteht und was bisher schon versucht wurde.

In einer Familientherapie oder Beratung sind oft nicht alle Familienmitglieder von Anfang an dabei, und das ist in Ordnung. Manchmal beginnt die Arbeit mit einer Person und weitet sich später aus. Wichtig ist die Offenheit, die eigene Rolle im Konflikt anzuschauen, statt nur auf die anderen zu zeigen. Genau darin liegt die Stärke des systemischen Blicks: Er sucht keinen Schuldigen, sondern fragt, wie das Zusammenspiel aller Beteiligten das Problem am Leben hält und wie es sich verändern lässt.

Die ersten Schritte auf dem Weg zur passenden Hilfe

  1. Das eigentliche Anliegen benennen: Alltagsfrage, psychische Belastung oder eine zu treffende Entscheidung.
  2. Bei Alltagsfragen die nächste Erziehungsberatungsstelle kontaktieren oder die bke-Onlineberatung nutzen.
  3. Bei Verdacht auf eine psychische Erkrankung zunächst die Hausärztin, den Hausarzt oder direkt eine Psychotherapiepraxis ansprechen.
  4. Bei einer zu treffenden Entscheidung eine Mediatorin oder einen Mediator mit passendem Schwerpunkt suchen.
  5. Im Erstgespräch offen sagen, was bisher versucht wurde, damit die Fachstelle richtig einordnen kann, wo Hilfe ansetzen sollte.

Familienkrisen können schwer belasten. Wenn dich die Lage überfordert oder du Gedanken hast, nicht mehr leben zu wollen, hol dir Hilfe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar. Bei Gewalt in der Familie hilft das Hilfetelefon unter 116 016, im Notfall die 112.

Häufige Fragen

Was kostet eine Erziehungs- und Familienberatung?

Eine Erziehungs- und Familienberatung bei einer anerkannten Beratungsstelle kostet nichts, sie ist eine gesetzliche Leistung nach dem Achten Buch Sozialgesetzbuch und steht allen Eltern offen, unabhängig vom Einkommen.

Übernimmt die Krankenkasse eine Familientherapie?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt eine systemische Familientherapie, wenn bei einem Familienmitglied eine psychische Erkrankung diagnostiziert wurde und die Behandlung im Mehrpersonensetting stattfindet. Ohne Diagnose, etwa bei reinen Erziehungsfragen, zahlt die Kasse nicht.

Zahlt die Krankenkasse auch eine Paartherapie?

Eine reine Paartherapie ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse, solange keine psychische Erkrankung diagnostiziert ist. Sie wird dann privat bezahlt. Kostenlose Trennungs- und Scheidungsberatung bieten dagegen viele Jugendämter und Beratungsstellen an.

Was ist der Unterschied zwischen Familienberatung und Familientherapie?

Familienberatung setzt bei Alltagsfragen an und braucht keine Diagnose, während eine Familientherapie eine anerkannte Behandlungsform für eine diagnostizierte psychische Erkrankung ist. Beide Wege können ineinander übergehen, wenn sich im Beratungsgespräch ein weitergehender Bedarf zeigt.

Müssen bei einer Familientherapie immer alle dabei sein?

Bei einer Familientherapie müssen nicht immer alle Familienmitglieder von Anfang an dabei sein. Oft beginnt die Arbeit mit einzelnen Personen und weitet sich später aus. Die Therapeutin oder der Therapeut entscheidet gemeinsam mit der Familie, wer wann teilnimmt.

Wann eignet sich Mediation statt einer Therapie?

Mediation eignet sich, wenn mehrere Menschen eine konkrete Entscheidung treffen müssen, etwa zur Betreuung der Kinder nach einer Trennung oder zur Aufteilung eines Erbes, und keine psychische Erkrankung im Vordergrund steht. Eine Mediatorin oder ein Mediator entscheidet dabei nicht selbst, sondern moderiert die Einigung.

Wie finde ich eine passende Beratungsstelle oder Therapiepraxis in meiner Nähe?

Eine passende Erziehungsberatungsstelle findet sich über die Beratungssuche der bke oder das Familienportal des Bundes, eine systemische Therapiepraxis über die Therapeutensuche des zuständigen Fachverbands oder die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung.

Quellen

  1. bke-Onlineberatung: Willkommen bei der bke-Elternberatung. bke-beratung.de
  2. Familienportal des Bundes: Hilfe und Beratung für Familien. familienportal.de
  3. Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie: Familientherapie, systemische Therapie. dgsf.org

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