Erste Hilfe in Notlagen leisten
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Bei jedem Notfall gilt zuerst die eigene Sicherheit, danach prüfen Sie Ansprechbarkeit und Atmung der betroffenen Person.
- Der Notruf 112 ist in Deutschland und der gesamten EU kostenfrei erreichbar, auch ohne Guthaben oder PIN auf dem Handy.
- Atmet eine Person nicht mehr normal, zählt jede Sekunde: Beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage.
- Eine stark blutende Wunde versorgen Sie mit festem Druck auf die Wunde und einem Druckverband.
- Auch ohne aktuellen Kurs gilt: Helfen ist in Deutschland Pflicht, und jede Hilfe ist besser als keine.
Die Rettungskette entscheidet über die ersten Minuten
Die Rettungskette ist die Abfolge von Handlungen zwischen dem Erkennen eines Notfalls und der Behandlung im Krankenhaus, und ihre ersten Glieder liegen fast immer in der Hand von Laien vor Ort. Wer zuerst an einer Unfallstelle ankommt, sichert die Gefahrenstelle ab, setzt den Notruf 112 ab, leistet Erste Hilfe und betreut die Person, bis der Rettungsdienst eintrifft. Diese vier Schritte entscheiden häufig über den Ausgang eines Notfalls, weil bis zum Eintreffen professioneller Hilfe oft mehrere Minuten vergehen. Genau diese Minuten füllt die Erste Hilfe.
Die eigene Sicherheit steht dabei vor jeder anderen Überlegung. Wer sich selbst in Gefahr bringt, etwa auf einer Fahrbahn ohne Warnkleidung, kann am Ende niemandem mehr helfen und wird selbst zum zweiten Notfall.
So setzen Sie den Notruf 112 richtig ab
Der Notruf 112 erreicht in Deutschland und in der gesamten EU kostenfrei Feuerwehr und Rettungsdienst, auch von Mobiltelefonen ohne Guthaben oder PIN. Die Leitstelle braucht schnell die richtigen Angaben, damit sie die passenden Kräfte losschickt.
Folgende Angaben nennen Sie der Leitstelle, in dieser Reihenfolge:
- Wo befindet sich der Notfallort, möglichst mit Straße, Hausnummer und Ort?
- Was ist passiert, zum Beispiel Sturz, Verkehrsunfall oder plötzliche Bewusstlosigkeit?
- Wie viele Personen sind betroffen oder verletzt?
- Welche Art von Verletzung oder Erkrankung liegt vor, soweit erkennbar?
- Warten Sie anschließend auf Rückfragen der Leitstelle und legen Sie nicht von sich aus auf.
Bei einem Verkehrsunfall gilt eine Ausnahme: Zuerst sichern Sie die Unfallstelle mit Warnblinker und Warndreieck, bringen Verletzte von der Fahrbahn, und erst danach wählen Sie die 112. Wer nicht sprechen kann, weil er selbst betroffen ist oder eine Hörbehinderung hat, erreicht den Rettungsdienst auch über die bundesweite Notruf-App oder das Notruf-Fax. Und wichtig für die eigene Ruhe: Die Leitstelle führt Sie durch die Maßnahmen und bleibt am Telefon, wenn Sie es brauchen.
Was tun Sie bei einer bewusstlosen Person, die noch atmet?
Eine bewusstlose Person, die normal atmet, bringen Sie in die stabile Seitenlage, damit die Atemwege frei bleiben und Erbrochenes oder Blut aus dem Mund ablaufen kann, statt in die Luftröhre zu gelangen. Vorher prüfen Sie Ansprechbarkeit durch lautes Ansprechen und vorsichtiges Rütteln an den Schultern, und Sie prüfen die Atmung, indem Sie den Kopf vorsichtig überstrecken und Atemgeräusche sowie Heben und Senken des Brustkorbs kontrollieren.
Für die stabile Seitenlage knien Sie seitlich neben der Person, strecken deren nahen Arm nach oben aus und legen die Handfläche nach oben. Dann greifen Sie den fernen Arm am Handgelenk, kreuzen ihn vor der Brust und legen den Handrücken an die Wange, ohne die Hand loszulassen. Anschließend greifen Sie den fernen Oberschenkel, beugen das Bein an und ziehen die Person vorsichtig zu sich herüber, sodass sie stabil auf der Seite liegt. Danach wählen Sie den Notruf 112 und kontrollieren die Atmung weiter, bis Hilfe eintrifft.
Reanimation folgt dem Schema Prüfen, Rufen, Drücken
Reanimation, also die Wiederbelebung eines Menschen nach einem Kreislaufstillstand, folgt der Formel Prüfen, Rufen, Drücken: Bewusstsein und Atmung prüfen, den Notruf 112 auslösen lassen und ohne Unterbrechung die Brust drücken. Nach Angaben des Deutschen Rats für Wiederbelebung müssen in Deutschland täglich rund 200 Menschen reanimiert werden, meist zu Hause, im Beisein von Angehörigen oder Nachbarn. Bis der Rettungsdienst eintrifft, ist es für das Gehirn oft schon zu spät, wenn niemand vorher gehandelt hat.
Reagiert die Person nicht und atmet sie nicht normal, liegt ein Kreislaufstillstand vor. Rufen Sie laut nach Hilfe, lassen Sie die 112 wählen oder tun Sie es selbst, und beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage: beide Handballen übereinander in der Mitte des Brustkorbs, Arme durchgestreckt, senkrecht von oben drücken. Die Drücktiefe liegt bei 5 bis 6 Zentimetern, die Frequenz bei 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Das entspricht ungefähr dem Takt eines flotten Liedes, weshalb viele Kurse einen Song als Gedächtnisstütze nutzen. Drücken Sie ohne Pause weiter, bis der Rettungsdienst übernimmt, auch wenn das anstrengend ist.
Ob Sie zusätzlich beatmen, ist bei Erwachsenen zweitrangig. Wer in Beatmung geübt ist, gibt nach je 30 Kompressionen zwei Atemspenden, das Verhältnis lautet 30 zu 2. Wer sich das nicht zutraut, drückt einfach durchgehend weiter, denn diese reine Herzdruckmassage rettet Leben und ist deutlich besser als Nichtstun. Ist ein automatisierter externer Defibrillator, kurz AED, in der Nähe, etwa an einer öffentlichen Wandhalterung, holen Sie ihn und folgen den gesprochenen Anweisungen. Nach Angaben des Deutschen Rats für Wiederbelebung könnte etwa ein Viertel der Menschen mit einem Kreislaufstillstand außerhalb der Klinik von einem AED profitieren. Ein Fehlbedienen ist praktisch ausgeschlossen.
Was tun, wenn sich jemand verschluckt und keine Luft bekommt?
Bekommt eine Person durch einen verschluckten Fremdkörper keine Luft mehr, kann sie nicht mehr sprechen, husten oder atmen und greift sich oft an den Hals. Kann die Person noch kräftig husten, fordern Sie sie auf, weiter zu husten, denn Husten ist der wirksamste eigene Reflex. Hört das Husten auf oder bleibt es aus, handeln Sie sofort.
Bei Erwachsenen und Kindern über einem Jahr wechseln Sie zwei Maßnahmen ab. Zuerst beugen Sie die Person nach vorn und geben mit dem Handballen bis zu fünf kräftige Schläge zwischen die Schulterblätter. Bringt das nichts, folgt der Heimlich-Handgriff: Sie stellen sich hinter die Person, legen eine Faust zwischen Bauchnabel und Brustkorb, umfassen sie mit der anderen Hand und ziehen bis zu fünfmal ruckartig nach innen und oben. Danach wieder fünf Rückenschläge, im Wechsel, bis der Fremdkörper heraus ist. Setzen Sie parallel den Notruf 112 ab. Wird die Person bewusstlos, beginnen Sie mit der Herzdruckmassage. Bei Säuglingen unter einem Jahr wird der Heimlich-Handgriff nicht angewendet, weil er innere Verletzungen verursachen kann.
Schlaganfall und Herzinfarkt schnell erkennen
Bei einem Schlaganfall und einem Herzinfarkt entscheidet die Zeit über bleibende Schäden, deshalb zählt jede Minute bis zum Notruf. Einen Schlaganfall erkennen Sie am schnellsten mit dem sogenannten FAST-Test, benannt nach vier englischen Wörtern: Gesicht (Face), Arme (Arms), Sprache (Speech) und Zeit (Time). Bitten Sie die Person zu lächeln, beide Arme zu heben und einen einfachen Satz nachzusprechen. Hängt ein Mundwinkel herab, sinkt ein Arm ab oder ist die Sprache verwaschen, besteht dringender Verdacht auf einen Schlaganfall. Dann gilt: sofort die 112 wählen und den Verdacht klar aussprechen.
Ein Herzinfarkt zeigt sich häufig durch länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen oder ein starkes Druckgefühl in der Brust, oft ausstrahlend in Arm, Schulter, Rücken, Hals oder Oberbauch, dazu Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit und Angst. Bei Frauen fallen die Beschwerden manchmal unauffälliger aus, etwa als Übelkeit und Kurzatmigkeit ohne den typischen Brustschmerz. Bei Verdacht wählen Sie sofort die 112, lagern die Person mit erhöhtem Oberkörper und lassen sie nicht allein. Warten Sie nicht ab, ob es von selbst besser wird, denn bei beiden Notfällen kann schnelles Handeln Leben und Gehirn retten.
Erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen
Eine kleine Verbrennung oder Verbrühung, nicht größer als die Handfläche der betroffenen Person, kühlen Sie mit lauwarmem, nicht eiskaltem Leitungswasser, am besten fließend und für etwa zehn bis zwanzig Minuten oder so lange, wie es den Schmerz lindert. Eiswasser und Eis gehören nicht auf die Wunde, weil sie das Gewebe zusätzlich schädigen. Brandblasen bleiben geschlossen, sie werden nicht geöffnet. Hausmittel wie Mehl, Öl oder Zahnpasta haben auf einer Brandwunde nichts zu suchen.
Bei großflächigen Verbrennungen und bei Säuglingen und kleinen Kindern kühlen Sie nur kurz oder gar nicht, weil eine ausgedehnte Kühlung schnell zu einer gefährlichen Unterkühlung führt. Hier zählt der schnelle Notruf 112 mehr als das Kühlen. Decken Sie die Wunde locker und keimarm ab, entfernen Sie festklebende Kleidung nicht, und halten Sie die Person warm. Chemische Verbrennungen durch Säuren oder Laugen spülen Sie dagegen ausgiebig mit Wasser.
Jeder Zustand verlangt eine andere Sofortmaßnahme
Welche Maßnahme richtig ist, hängt davon ab, ob die Person ansprechbar ist, ob sie normal atmet und ob eine sichtbare Blutung vorliegt. Die folgende Tabelle ordnet die vier häufigsten Zustände den passenden Sofortmaßnahmen zu.
| Zustand der Person | Sofortmaßnahme |
|---|---|
| Ansprechbar, atmet normal, hat eine sichtbare Wunde | Wunde versorgen, Person beruhigen, bei starker Blutung Druckverband anlegen |
| Nicht ansprechbar, atmet normal | Stabile Seitenlage, Atmung weiter kontrollieren, Notruf 112 absetzen |
| Nicht ansprechbar, atmet nicht normal | Sofort Herzdruckmassage beginnen, Notruf 112, bis der Rettungsdienst übernimmt weiterdrücken |
| Starke, nicht von selbst stillende Blutung | Direkten Druck auf die Wunde ausüben, Druckverband anlegen, Notruf 112 |
Für eine starke Blutung gilt zusätzlich: Drücken Sie mit möglichst keimarmem Material, etwa einem sauberen Tuch, direkt auf die Wunde. Für einen Druckverband legen Sie eine Wundauflage auf, fixieren sie mit zwei bis drei Bindengängen, legen ein Druckpolster darauf und wickeln weitere Bindengänge darüber, straff genug, dass die Blutung sichtbar nachlässt.
Die ersten Schritte bei einem medizinischen Notfall
- Eigene Sicherheit prüfen und die Gefahrenstelle absichern, etwa mit Warnblinker und Warndreieck bei einem Verkehrsunfall.
- Ansprechbarkeit und Atmung der betroffenen Person prüfen: ansprechen, an den Schultern rütteln, Atmung kontrollieren.
- Notruf 112 wählen oder wählen lassen und die Angaben zu Ort, Ereignis, Zahl der Betroffenen und Art der Verletzung machen.
- Je nach Zustand handeln: stabile Seitenlage bei normaler Atmung, sofort Herzdruckmassage bei fehlender normaler Atmung, Druckverband bei starker Blutung.
- Bei der Person bleiben, sie ansprechen und beruhigen, bis der Rettungsdienst eintrifft und die Versorgung übernimmt.
Bei akuter Gefahr für Leben und Gesundheit gilt immer der Notruf: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei. Amtliche Warnungen kommen über die Warn-App NINA und über Cell Broadcast direkt auf das Handy.
Häufige Fragen
Was mache ich zuerst, wenn ich eine bewusstlose Person finde?
Prüfen Sie zuerst die eigene Sicherheit und danach die Ansprechbarkeit der Person durch lautes Ansprechen und Rütteln an den Schultern. Reagiert sie nicht, prüfen Sie die Atmung. Atmet die Person normal, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage, atmet sie nicht normal, beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage.
Wie schnell und wie tief muss ich bei der Herzdruckmassage drücken?
Bei der Herzdruckmassage drücken Sie mit 100 bis 120 Kompressionen pro Minute etwa 5 bis 6 Zentimeter tief in die Mitte des Brustkorbs. Beide Handballen liegen übereinander, die Arme bleiben durchgestreckt. Gedrückt wird ohne Pause, bis der Rettungsdienst die Versorgung übernimmt.
Muss ich bei der Wiederbelebung auch beatmen?
Nein, die Beatmung ist bei Erwachsenen zweitrangig. Wer darin geübt ist, gibt nach je 30 Kompressionen zwei Atemspenden im Verhältnis 30 zu 2. Wer sich das nicht zutraut, drückt einfach durchgehend weiter, denn die reine Herzdruckmassage rettet Leben und ist deutlich besser als Nichtstun.
Was tue ich, wenn sich jemand verschluckt und keine Luft mehr bekommt?
Wenn jemand keine Luft mehr bekommt und nicht mehr husten kann, geben Sie bis zu fünf Schläge zwischen die Schulterblätter der nach vorn gebeugten Person und danach bis zu fünf Heimlich-Handgriffe im Wechsel, bis der Fremdkörper heraus ist. Setzen Sie parallel den Notruf 112 ab. Bei Säuglingen unter einem Jahr wird der Heimlich-Handgriff nicht angewendet.
Woran erkenne ich einen Schlaganfall?
Einen Schlaganfall erkennen Sie mit dem FAST-Test: Bitten Sie die Person zu lächeln, beide Arme zu heben und einen Satz nachzusprechen. Hängt ein Mundwinkel herab, sinkt ein Arm ab oder ist die Sprache verwaschen, besteht dringender Verdacht. Wählen Sie sofort die 112, weil bei einem Schlaganfall jede Minute zählt.
Wie kühle ich eine Verbrennung richtig?
Eine kleine Verbrennung, nicht größer als die Handfläche, kühlen Sie mit lauwarmem, nicht eiskaltem Leitungswasser für etwa zehn bis zwanzig Minuten. Brandblasen bleiben geschlossen, Hausmittel gehören nicht auf die Wunde. Große Verbrennungen und Verbrennungen bei kleinen Kindern kühlen Sie nur kurz, um keine Unterkühlung auszulösen, und wählen sofort die 112.
Muss ich einen aktuellen Erste-Hilfe-Kurs haben, um helfen zu dürfen?
Nein, ein aktueller Kurs ist keine Voraussetzung dafür, dass Sie helfen dürfen oder sollen. Hilfeleistung im Rahmen des Zumutbaren ist in Deutschland sogar gesetzlich verpflichtend, und jede Hilfe ist besser als keine. Ein Erste-Hilfe-Kurs alle paar Jahre hilft trotzdem, die Handgriffe sicher anzuwenden.
Was ist ein Defibrillator, und wann hilft er bei einem Kreislaufstillstand?
Ein automatisierter externer Defibrillator, kurz AED, misst den Herzrhythmus und gibt bei Bedarf über Elektroden einen Stromstoß ab, um das Herz wieder in einen geordneten Rhythmus zu bringen. Nach Angaben des Deutschen Rats für Wiederbelebung könnte etwa ein Viertel der Menschen mit einem Kreislaufstillstand außerhalb der Klinik davon profitieren. Die Bedienung erfolgt über gesprochene Anweisungen, Vorkenntnis ist nicht nötig.
Quellen
- Erste Hilfe und Notruf, mit Hinweisen zum richtigen Absetzen des Notrufs 112. bbk.bund.de
- Erste-Hilfe-Maßnahmen zur Wiederbelebung nach dem Schema Prüfen, Rufen, Drücken. drk.de
- Deutsches Rotes Kreuz zu Erster Hilfe bei Verbrennungen und Brandwunden. drk.de
- Wie funktioniert eine Reanimation, mit Zahlen zu täglichen Wiederbelebungen und zum Nutzen automatisierter Defibrillatoren. grc-org.de
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