Das Notgepäck richtig packen
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Notgepäck brauchen Sie, wenn Sie die Wohnung sofort verlassen müssen, etwa bei einem Brand, Hochwasser oder Gasaustritt.
- Es deckt nach Empfehlung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die ersten zwei Tage außerhalb der eigenen Wohnung ab.
- Dokumente, Bargeld, Wasser, ein Erste-Hilfe-Set, wetterfeste Kleidung sowie Taschenlampe und Radio gehören laut BBK hinein.
- Für jedes Familienmitglied passt der Inhalt in einen eigenen Rucksack, damit beide Hände frei bleiben.
- Selbst gepackt kostet ein vollständiges Notgepäck laut einer Marktuntersuchung der Verbraucherzentrale Sachsen rund 120 Euro.
Diese Notfälle machen ein sofort griffbereites Notgepäck nötig
Ein Notgepäck brauchen Sie immer dann, wenn Sie die Wohnung innerhalb weniger Minuten verlassen müssen, etwa bei einem Wohnungsbrand, einem Hochwasser, einem Gasaustritt oder einer behördlichen Evakuierung. In solchen Momenten fehlt die Zeit, in Ruhe zu überlegen, was mitkommen soll. Das BBK empfiehlt deshalb einen fertig gepackten Rucksack, den jedes Haushaltsmitglied im Ernstfall einfach greifen kann, ohne erst nachzudenken.
Der Unterschied zum klassischen Notvorrat ist wichtig für die Planung: Der Notvorrat versorgt einen Haushalt zu Hause, wenn Geschäfte oder Lieferketten tagelang ausfallen. Das Notgepäck dagegen ist für den Weg nach draußen gedacht, für die ersten Stunden und Tage in einer Notunterkunft, bei Verwandten oder in einem Hotel. Beide Formen der Vorsorge ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht gegenseitig.
Was laut BBK ins Notgepäck gehört
Das BBK teilt den Inhalt in sechs Bereiche ein: Dokumente und Bargeld, Wasser und Proviant für zwei Tage, ein Erste-Hilfe-Set samt persönlicher Medikamente, wetterfeste Kleidung, eine Taschenlampe mit einem batteriebetriebenen Radio sowie Hygieneartikel. Jeder Bereich deckt eine andere Notlage ab, von der Schürfwunde am Fuß bis zur kalten Nacht im Freien.
Zu den Dokumenten zählen Personalausweis oder Reisepass, die Krankenversicherungskarte, der Impfpass sowie am besten eine Kopie der eigenen Dokumentenmappe. Bargeld gehört dazu, weil Kartenterminals und Geldautomaten bei einem Stromausfall ausfallen können. Bei der Verpflegung reichen zwei Tage: haltbares Brot, Nüsse, Trockenfrüchte und Konserven mit Dosenöffner, dazu Taschenmesser, Geschirr und Besteck. Nützlich sind außerdem eine Ersatzbrille, Müllbeutel, eine Trillerpfeife, um im Notfall auf sich aufmerksam zu machen, und ein Ladekabel samt geladener Powerbank. Für Kinder empfiehlt das BBK zusätzlich eine SOS-Kapsel mit den wichtigsten persönlichen Daten am Körper.
Beim Packen hilft ein wenig Ordnung, damit im Ernstfall nichts gesucht werden muss. Bewährt haben sich durchsichtige oder beschriftete Beutel je Bereich, etwa einer für Dokumente, einer für die Verpflegung und einer für die Erste Hilfe. Wasserdichte Packbeutel schützen Kleidung und Papiere zugleich vor Nässe. Wer mehrere Rucksäcke packt, beschriftet jeden mit dem Namen der Person, für die er gedacht ist, damit im Gedränge klar ist, wer welchen greift.
Ein Rucksack pro Person reicht nach BBK-Empfehlung aus
Das BBK rät, für jedes Familienmitglied nicht mehr einzupacken, als in einen Rucksack passt. Ein Rucksack ist einem Koffer oder einer Tasche vorzuziehen, weil beide Hände frei bleiben, um etwa ein Kind zu tragen oder eine Tür aufzuhalten. Kinder ab dem Grundschulalter können bereits einen eigenen, kleineren Rucksack mit leichteren Gegenständen übernehmen.
Ein zu schwer gepacktes Notgepäck wird im Ernstfall zur Last. Als grobe Orientierung gilt ein Zehntel des eigenen Körpergewichts. Wer diese Grenze im Blick behält, packt zuerst das Notwendigste ein: Medikamente, Dokumente und Wasser. Kleidung zum Wechseln und alles, was nur dem Komfort dient, kommt erst danach an die Reihe, und im Zweifel bleibt es draußen. Beim Einräumen kommt Schweres nah an den Rücken und in Hüfthöhe, damit der Rucksack sich leichter tragen lässt und nicht nach hinten zieht.
Was ein selbst gepacktes Notgepäck kostet und enthält
Ein vollständig nach BBK-Vorgaben gepacktes Notgepäck kostet laut einer Marktuntersuchung der Verbraucherzentrale Sachsen rund 120 Euro pro Person. Fertige Notfallrucksäcke aus dem Handel lagen im selben Test häufig deutlich darüber und deckten trotzdem nicht die komplette empfohlene Ausstattung ab. Selbst packen lohnt sich damit doppelt: günstiger, und passgenau auf den eigenen Haushalt zugeschnitten.
Die folgende Übersicht zeigt, welcher Bereich welche Aufgabe übernimmt und worauf beim Packen zu achten ist.
| Bereich | Beispielinhalt | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Dokumente und Bargeld | Ausweis, Impfpass, Kopie der Dokumentenmappe, Bargeld in kleiner Stückelung | Wasserdichte Hülle, ganz oben im Rucksack |
| Wasser und Proviant | Wasserflasche, Konserven, Nüsse, Trockenfrüchte, Dosenöffner | Für zwei Tage, staubdicht verpackt |
| Erste-Hilfe-Set | Verbandmaterial, Schmerzmittel, Desinfektionsmittel, persönliche Medikamente | Verfallsdaten einmal jährlich prüfen |
| Wetterfeste Kleidung | Regenjacke, feste Schuhe, Kopfbedeckung, Wechselkleidung | Der Jahreszeit angepasst, halbjährlich wechseln |
| Taschenlampe und Radio | Taschenlampe, batteriebetriebenes Radio, Ersatzbatterien, Powerbank | Batterien getrennt lagern, damit sie nicht auslaufen |
| Hygiene und Sonstiges | Zahnbürste, Seife, Taschenmesser, Schlafsack oder Decke | Kompakt und leicht, kein Doppelpacken mit dem Notvorrat |
Notgepäck an Jahreszeit und Lebenslage anpassen
Ein Notgepäck ist kein Gegenstand, den man einmal packt und dann vergisst. Die wetterfeste Kleidung im Winter unterscheidet sich deutlich von der im Sommer, deshalb empfiehlt sich ein halbjährlicher Wechsel, am besten gekoppelt an die Zeitumstellung. Bei dieser Gelegenheit lassen sich zugleich Batterien, Wasser und Verfallsdaten der Lebensmittel prüfen.
Auch die Lebenslage entscheidet über den Inhalt. Ein Baby braucht Windeln, Feuchttücher, Fläschchen und Muttermilchersatz oder Gläschennahrung für zwei Tage, dazu ein vertrautes Kuscheltier. Wer auf Sehhilfe, Hörgerät oder ein bestimmtes Medikament angewiesen ist, legt Ersatz oder einen kleinen Vorrat dazu. Für Haustiere gehören Leine, etwas Futter und der Impfnachweis in ein zusätzliches kleines Paket, das sich schnell mitnehmen lässt.
Ein kleines Notgepäck gehört auch ins Auto
Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, ergänzt das Notgepäck zu Hause sinnvoll durch eine kleine Ausstattung im Fahrzeug. Ein Wintereinbruch, ein Stau über Stunden oder eine Panne fernab der nächsten Ortschaft lassen sich mit einer warmen Decke, etwas Wasser und haltbarem Proviant, einer Taschenlampe und einem geladenen Ladekabel deutlich besser überstehen. Der ohnehin vorgeschriebene Verbandkasten und das Warndreieck gehören dazu, ergänzt um eine Warnweste für jede Person im Fahrzeug.
Für die kalte Jahreszeit lohnen sich zusätzlich ein Eiskratzer, kleine Schneeketten oder Anfahrhilfen und feste, warme Kleidung, die nicht am Körper getragen wird. Diese Fahrzeugausstattung ersetzt weder das Notgepäck für zu Hause noch den Notvorrat, deckt aber die Lücke ab, wenn eine Notlage unterwegs eintritt und die eigene Wohnung gerade weit entfernt ist.
Wo das Notgepäck stehen sollte, damit es im Ernstfall hilft
Der beste Platz für das Notgepäck ist in der Nähe der Wohnungstür, in einem Schrank im Flur oder direkt neben dem Ausgang. Jedes Haushaltsmitglied sollte den Standort kennen, auch Kinder und Gäste, die länger im Haus wohnen. Ein Notgepäck im Keller oder auf dem Dachboden verliert seinen Zweck, weil genau die Zeit fehlt, es im Ernstfall dort noch zu holen.
Sinnvoll ist außerdem, das Notgepäck einmal im Jahr durchzugehen: Medikamente und Lebensmittel auf das Verfallsdatum prüfen, Kleidung an die Jahreszeit anpassen und Batterien testen. Familien mit kleinen Kindern ergänzen Windeln, Fläschchen und ein vertrautes Kuscheltier, weil das in einer belastenden Situation beruhigt.
Die ersten Schritte für ein eigenes Notgepäck
- Einen Rucksack pro Haushaltsmitglied bereitlegen, der sich bequem tragen lässt.
- Dokumente und eine Kopie der Dokumentenmappe in einer wasserdichten Hülle einpacken.
- Wasser, haltbare Lebensmittel und ein Erste-Hilfe-Set für zwei Tage ergänzen.
- Wetterfeste Kleidung, Taschenlampe, Radio und Ersatzbatterien hinzufügen.
- Den Rucksack griffbereit an der Wohnungstür verstauen und allen im Haushalt den Standort zeigen.
Bei akuter Gefahr für Leben und Gesundheit gilt immer der Notruf: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei. Amtliche Warnungen kommen über die Warn-App NINA und über Cell Broadcast direkt auf das Handy.
Häufige Fragen
Für wie viele Tage sollte das Notgepäck ausgelegt sein?
Das Notgepäck sollte nach BBK-Empfehlung die ersten zwei Tage außerhalb der eigenen Wohnung abdecken. Es überbrückt die Zeit bis zur Notunterkunft oder bis zum Ankommen bei Verwandten und ersetzt nicht den Notvorrat für zu Hause.
Wie oft sollte ich das Notgepäck kontrollieren?
Kontrollieren Sie das Notgepäck mindestens einmal im Jahr: Medikamente und Lebensmittel auf das Verfallsdatum prüfen, Batterien testen und Kleidung an die Jahreszeit anpassen. Bei Babys im Haushalt lohnt sich ein Blick alle paar Monate, weil Kleidergrößen schneller wechseln.
Reicht ein gemeinsames Notgepäck für die ganze Familie?
Ein gemeinsames Notgepäck reicht nicht aus, weil im Ernstfall unklar bleibt, wer welchen Teil trägt. Besser ist ein eigener, kleinerer Rucksack für jedes Familienmitglied, abgestimmt auf Alter und Kräfte, mit persönlichen Gegenständen wie Medikamenten oder einer Ersatzbrille.
Was gehört zusätzlich ins Notgepäck, wenn ein Baby im Haushalt lebt?
Für ein Baby gehören zusätzlich Windeln, Feuchttücher, Fläschchen, Muttermilchersatz oder Gläschennahrung für zwei Tage sowie Wechselkleidung ins Notgepäck. Ein vertrautes Kuscheltier oder eine Decke hilft zusätzlich, das Kind in der ungewohnten Situation zu beruhigen.
Lohnt sich ein fertig gekauftes Notfallset aus dem Handel?
Ein fertig gekauftes Notfallset lohnt sich meist nicht: Laut einer Marktuntersuchung der Verbraucherzentrale Sachsen ist es häufig teurer als ein selbst gepacktes Notgepäck und enthält trotzdem nicht die vollständige, vom BBK empfohlene Ausstattung. Selbst packen kostet mit rund 120 Euro pro Person weniger und lässt sich genau auf den eigenen Haushalt zuschneiden.
Wie schwer darf ein Notgepäck höchstens sein?
Als Faustregel sollte ein Notgepäck nicht mehr als ein Zehntel des eigenen Körpergewichts wiegen, damit es sich auch über längere Strecken und unebenes Gelände tragen lässt. Zuerst kommen Medikamente, Dokumente und Wasser hinein, Kleidung und Komfortgegenstände erst danach und im Zweifel gar nicht.
Quellen
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Notgepäck, Empfehlungen zu Inhalt, Größe und Zusammenstellung. bbk.bund.de
- Deutsches Rotes Kreuz, Kreisverband Ravensburg: Persönliche Krisenvorsorge und Notgepäck. drk-rv.de
- Verbraucherzentrale Sachsen: Marktcheck zum Notfallvorrat, Kostenvergleich selbst gepackter und fertiger Notfallrucksäcke. verbraucherzentrale-sachsen.de
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