Trinkwasser im Notfall sichern
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Das BBK empfiehlt zwei Liter Wasser pro Person und Tag, das macht 20 Liter für die empfohlenen zehn Tage Vorrat.
- 1,5 Liter davon sind zum Trinken gedacht, 0,5 Liter zum Kochen und für die Zubereitung von Speisen.
- Deutsches Leitungswasser gehört zu den am strengsten kontrollierten weltweit, ein Wasserfilter ist im Alltag nicht nötig.
- Bei einem amtlichen Abkochgebot muss das Wasser einmal sprudelnd aufkochen und danach mindestens zehn Minuten langsam abkühlen, bevor es genutzt wird.
- Fällt die öffentliche Versorgung länger aus, richten Technisches Hilfswerk, Feuerwehr oder Hilfsorganisationen mancherorts Notbrunnen und Verteilstellen für Trinkwasser ein.
Wie viel Trinkwasser pro Person und Tag nötig ist
Pro Person und Tag plant das BBK zwei Liter Wasser ein: 1,5 Liter zum Trinken und 0,5 Liter für die Zubereitung von Speisen. Für den empfohlenen Vorratszeitraum von zehn Tagen ergibt das 20 Liter pro Person, ohne Wasser für Körperpflege, Geschirrspülen oder Hausarbeit.
Wie viel ein Haushalt konkret einlagern sollte, ergibt sich einfach aus der Personenzahl. Eine vierköpfige Familie kommt so schon auf 80 Liter für zehn Tage, was in der Praxis mehrere Kästen oder Kanister bedeutet:
| Haushaltsgröße | Wasser für 3 Tage | Wasser für 10 Tage |
|---|---|---|
| 1 Person | 6 Liter | 20 Liter |
| 2 Personen | 12 Liter | 40 Liter |
| 4 Personen | 24 Liter | 80 Liter |
Wer wenig Platz hat, kann zunächst das Drei-Tage-Minimum einlagern und den Bestand danach in Ruhe auf zehn Tage aufstocken. Haustiere brauchen zusätzliches Wasser, das in der Tabelle nicht enthalten ist, ebenso Personen mit erhöhtem Flüssigkeitsbedarf durch Hitze, Krankheit oder Schwangerschaft. Für sie lohnt sich von vornherein ein etwas großzügigerer Aufschlag auf die Grundmenge.
Warum ausgerechnet Wasser an erster Stelle steht, zeigt ein Blick auf den Körper. Ohne feste Nahrung hält ein gesunder Mensch mehrere Wochen durch, ohne Flüssigkeit dagegen nur wenige Tage. Als grobe medizinische Orientierung gelten drei bis vier Tage, unter großer Hitze kann es deutlich schneller kritisch werden, in kühler Umgebung und bei Ruhe etwas länger. Diese Spanne ist der Grund, warum jede Vorsorgeliste mit dem Wasser beginnt und erst danach zu Lebensmitteln, Medikamenten und Licht übergeht.
Wie Trinkwasser zu Hause richtig gelagert wird
Trinkwasser wird am besten in verschlossenen Kanistern oder Flaschen kühl und dunkel gelagert, geschützt vor direktem Sonnenlicht. 5-Liter-Kanister aus Kunststoff lassen sich platzsparend stapeln, ebenso gut eignen sich handelsübliche Mineralwasserkästen, wenn im Keller oder in der Speisekammer Platz dafür ist.
Original verschlossenes Flaschenwasser bleibt über das aufgedruckte Datum hinaus meist noch lange genießbar, solange die Flasche geschlossen bleibt. Wer Leitungswasser selbst in Kanister abfüllt, kontrolliert es von Zeit zu Zeit auf Geruch und Trübung und tauscht es im Zweifel gegen frisches Wasser aus. Trinkwasserkanister gehören zudem nicht neben Reinigungsmittel, Kraftstoff oder Farben, weil Kunststoff Gerüche aus der Umgebung aufnehmen kann und das Wasser dadurch ungenießbar wird, auch wenn es hygienisch unbedenklich bliebe.
Eine Beschriftung mit dem Abfülldatum erleichtert die Kontrolle erheblich, gerade wenn mehrere Kanister im Umlauf sind. So lässt sich der ältere Bestand zuerst verbrauchen und durch frisches Wasser ersetzen, ganz ähnlich wie beim Rollprinzip für Lebensmittel.
Braucht Leitungswasser im Alltag einen Wasserfilter?
Nein, ein Wasserfilter ist für deutsches Leitungswasser aus hygienischer Sicht nicht nötig. Die Verbraucherzentrale hält fest, dass der Einsatz von Filtern für Leitungswasser in der Regel überflüssig ist, weil die Wasserversorger engmaschig kontrolliert werden und die gemessenen Schadstoffwerte meist weit unter den zulässigen Grenzwerten liegen.
Tischwasserfilter bergen sogar ein eigenes Risiko: Werden Kartuschen nicht regelmäßig gewechselt und der Filter nicht sauber gehalten, kann sich das Wasser darin verkeimen, statt sicherer zu werden. Sinnvoll ist laut Verbraucherzentrale allein ein mechanischer Partikelfilter direkt hinter dem Wasserzähler nach DIN 1988, der Rost- und Sandpartikel aus der Leitung fernhält, aber keine Hygienefunktion übernimmt.
Anders sieht die Lage aus, wenn Wasser nicht aus der geprüften Leitung stammt, etwa unterwegs aus einem Fluss, einem Brunnen oder nach einer Flutlage aus stehendem Wasser. Für solche Fälle bieten Outdoor-Fachhändler spezielle Aufbereitungsfilter mit sehr feinen Poren an, die Bakterien und teils auch Parasiten zurückhalten. Sie sind für einen Rucksack mit Notfallausrüstung sinnvoll, ersetzen bei stark belastetem Wasser aber nicht das zusätzliche Abkochen.
Wie Wasser im Notfall keimfrei gemacht wird
Ist die Qualität des Leitungswassers unsicher oder ordnet das Gesundheitsamt ein Abkochgebot an, macht Abkochen das Wasser wieder sicher zum Trinken. Dabei muss es einmal sprudelnd aufkochen und anschließend mindestens zehn Minuten lang langsam abkühlen, bevor es getrunken, zum Kochen oder zur Zahnpflege verwendet wird. Die Hitze zerstört dabei die Zellstruktur von Bakterien und Viren, die für die meisten Erkrankungen durch verunreinigtes Wasser verantwortlich sind.
Ist das Wasser vor dem Kochen sehr trüb, etwa aus einem Notbrunnen oder einer Regentonne, wird es zuerst durch ein sauberes Tuch oder einen behelfsmäßigen Filter aus Sand und Kohle vorgefiltert. Das entfernt grobe Trübstoffe, ersetzt aber nicht das anschließende Abkochen. Abkochen tötet Mikroorganismen wie Bakterien und Viren ab, hilft aber nicht gegen chemische Schadstoffe. Ist eine chemische Verunreinigung der Grund für eine Warnung, raten die Behörden in der Regel komplett vom Gebrauch des Wassers ab.
Steht kein Herd und keine andere Wärmequelle zur Verfügung, sind Entkeimungstabletten aus dem Outdoor- oder Notfallhandel eine sinnvolle Ergänzung im Vorrat. Präparate auf Basis von Silberionen und Chlor, etwa vom Typ Micropur Forte, wirken gegen Bakterien und Viren meist innerhalb einer halben Stunde, gegen widerstandsfähigere Parasiten wie Giardien braucht es länger. Übliche Dosierung ist eine Tablette je Liter, die genaue Angabe steht immer auf der Packung und wird eingehalten. Die Silberkomponente hält das behandelte Wasser zusätzlich mehrere Monate keimfrei. Wichtig zu wissen: Auch diese Tabletten helfen nur gegen Keime, nicht gegen chemische Belastungen.
Nach dem Abkochen gehört das Wasser in ein sauberes, geschlossenes Gefäß und wird am besten gekühlt aufbewahrt. Beim Umgang mit großen Mengen kochenden Wassers lohnt sich zusätzliche Vorsicht, wenn Kinder im Haushalt leben, damit niemand sich am heißen Topf verbrennt.
Welche Wasserquellen im Haus noch nutzbar sind
Bleibt der Hahn trocken und ist der eingelagerte Vorrat aufgebraucht, gibt es im eigenen Haushalt oft noch stille Reserven. Drei Quellen sind im Ernstfall am ehesten brauchbar: der Warmwasserspeicher, der Spülkasten der Toilette und, wenn du eine Warnung früh genug bekommst, die vorsorglich gefüllte Badewanne.
Ein Warmwasserspeicher ist unter Leitungsdruck mit Trinkwasser gefüllt und fasst je nach Größe viele Liter. Vor der Entnahme wird der Strom oder das Gas zum Gerät abgestellt, dann lässt sich das Wasser über das Ablassventil entnehmen. Es sollte vor dem Trinken abkühlen und sicherheitshalber abgekocht werden. Wichtig ist der Unterschied zwischen einem Warmwasserspeicher, der sauberes Trinkwasser enthält, und einem reinen Heizungs-Pufferspeicher, dessen Wasser nicht zum Trinken geeignet ist.
Der Spülkasten einer Toilette fasst je nach Modell etwa sechs bis neun Liter. Nutzbar ist ausschließlich das Wasser im Kasten selbst, niemals das aus der Toilettenschüssel. Voraussetzung ist, dass kein blauer oder gefärbter Reinigerstein im Kasten liegt, denn solche Zusätze machen das Wasser untrinkbar. Auch dieses Wasser wird vor dem Gebrauch aufbereitet. Zeichnet sich ab, dass die Versorgung länger ausfällt, ist das Füllen von Badewanne, Eimern und großen Töpfen die einfachste Sofortmaßnahme, solange noch Druck auf der Leitung ist.
Was bei einem längeren Ausfall der Wasserversorgung passiert
Fällt die öffentliche Wasserversorgung über längere Zeit aus, bleibt der Hahn irgendwann trocken, weil die meisten Wasserwerke mit elektrischen Pumpen arbeiten. Für diesen Fall halten Technisches Hilfswerk, örtliche Feuerwehren und Hilfsorganisationen wie das DRK eigene Kapazitäten für Förderung, Transport und Verteilung von Trinkwasser bereit, ergänzt durch mobile Aufbereitungsanlagen und ein bundesweites Netz an Notbrunnen.
Dieses Netz ist keine Idee für die Zukunft, sondern seit Jahrzehnten Realität. Auf Grundlage des Wassersicherstellungsgesetzes von 1965 unterhält der Bund rund 5.200 Trinkwassernotbrunnen im ganzen Bundesgebiet, ein großer Teil davon als öffentliche Straßenbrunnen etwa in Berlin. Für die reine Notversorgung rechnet das BBK dabei mit 15 Litern pro Person und Tag, weniger als die 20 Liter für den heimischen Zehn-Tage-Vorrat, aber genug, um Trinken, Kochen und die wichtigste Hygiene abzudecken. Diese Notmenge ersetzt den eigenen Vorrat nicht, sondern springt ein, wenn er erschöpft ist und die Leitung noch nicht wieder läuft.
Wo im eigenen Wohnort im Ernstfall Wasser ausgegeben wird, teilen die Behörden über die Warn-App NINA und über Cell Broadcast mit. Ein Radio mit Batterien oder eine Powerbank für das Handy gehören deshalb in denselben Vorrat wie die Wasserkanister, damit diese Information auch ohne Strom aus der Steckdose ankommt. Wer die App bereits jetzt installiert und Warnungen für den eigenen Wohnort einrichtet, muss das im Ernstfall nicht mehr nachholen, wenn möglicherweise ohnehin schon Mobilfunknetz oder Internetverbindung eingeschränkt sind.
Die ersten Schritte zum eigenen Trinkwasservorrat
- 20 Liter Wasser pro Haushaltsmitglied in verschlossenen Kanistern oder Flaschen beschaffen.
- Die Kanister kühl, dunkel und möglichst weit unten im Keller oder Vorratsraum aufstellen.
- Einen sauberen Topf oder Wasserkocher griffbereit halten, um Wasser im Zweifel abzukochen.
- Entkeimungstabletten und einen einfachen Vorfilter für den Fall ergänzen, dass keine Wärmequelle da ist.
- Ein batteriebetriebenes Radio bereitlegen, damit Warnungen und Hinweise auf Verteilstellen auch ohne Strom ankommen.
- Den Wasservorrat zusammen mit dem Lebensmittelvorrat alle paar Monate kontrollieren und bei Bedarf austauschen.
Bei akuter Gefahr für Leben und Gesundheit gilt immer der Notruf: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei. Amtliche Warnungen kommen über die Warn-App NINA und über Cell Broadcast direkt auf das Handy.
Häufige Fragen
Wie viel Wasser sollte pro Person und Tag bevorratet werden?
Pro Person und Tag sollten nach BBK-Empfehlung zwei Liter Wasser bevorratet werden, davon 1,5 Liter zum Trinken und 0,5 Liter zum Kochen. Für zehn Tage ergibt das 20 Liter pro Person.
Ist deutsches Leitungswasser ohne Filter sicher zu trinken?
Ja, deutsches Leitungswasser ist ohne Filter sicher zu trinken, weil es zu den am strengsten kontrollierten der Welt zählt. Ein Filter bringt laut Verbraucherzentrale keinen zusätzlichen Hygienenutzen und kann bei falscher Pflege sogar Keime begünstigen.
Wie lange muss Wasser bei einem Abkochgebot kochen?
Bei einem Abkochgebot muss das Wasser einmal sprudelnd aufkochen und danach mindestens zehn Minuten lang langsam abkühlen, bevor es getrunken oder zum Kochen verwendet wird.
Hilft Abkochen auch gegen chemisch verunreinigtes Wasser?
Nein, Abkochen tötet nur Mikroorganismen wie Bakterien und Viren ab und hilft nicht gegen chemische Schadstoffe. Ist eine chemische Verunreinigung der Grund für eine Warnung, raten die Behörden meist komplett vom Gebrauch des Wassers ab.
Kann ich Wasser aus dem Toilettenspülkasten oder dem Boiler trinken?
Im Notfall ja, aber nur nach Aufbereitung. Der Spülkasten fasst etwa sechs bis neun Liter, nutzbar ist nur der Kasten selbst und nur ohne gefärbten Reinigerstein. Ein Warmwasserspeicher enthält sauberes Trinkwasser unter Leitungsdruck. Beide Quellen werden vor dem Trinken abgekocht, das Wasser aus der Toilettenschüssel ist tabu.
Wie lange kann ein Mensch ohne Wasser auskommen?
Als grobe medizinische Orientierung übersteht ein gesunder Mensch ungefähr drei bis vier Tage ohne Flüssigkeit. Bei großer Hitze und Anstrengung kann es deutlich schneller gefährlich werden. Deshalb steht Wasser auf jeder Vorsorgeliste an erster Stelle, noch vor Lebensmitteln.
Quellen
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Essen und Trinken bevorraten. bbk.bund.de
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Wassersicherstellung und Trinkwassernotbrunnen. bbk.bund.de
- Gesundheitsamt Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim: Abkochgebot für Trinkwasser. kreis-nea.de
- Verbraucherzentrale: Wasserfilter, sind sie aus hygienischer Sicht notwendig? verbraucherzentrale.de
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