Helfer in der Krise

Trauerbegleitung und Selbsthilfe finden

Geprüft von der Redaktion

Trauerbegleitung und Selbsthilfe finden
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Trauer helfen drei Stufen der Unterstützung: Selbsthilfegruppen und Trauercafés, ausgebildete Trauerbegleitung und, bei anhaltender Belastung, Psychotherapie.
  • Selbsthilfegruppen und Trauercafés sind meist kostenlos und offen für jeden, der einen nahestehenden Menschen verloren hat.
  • Ausgebildete Trauerbegleiter und Trauerbegleiterinnen haben eine zertifizierte Qualifikation, zum Beispiel nach dem Standard des Bundesverbands Trauerbegleitung.
  • Psychotherapie ist sinnvoll, wenn die Trauer nach vielen Monaten den Alltag weiter blockiert oder in eine Depression übergeht.
  • Hospizvereine, Kirchengemeinden und das Verzeichnis des Bundesverbands Trauerbegleitung helfen dabei, ein Angebot in der eigenen Nähe zu finden.

3 Stufen der Unterstützung bei Trauer

Bei Trauer gibt es im Wesentlichen drei Stufen der Unterstützung: Selbsthilfegruppen und Trauercafés für den Austausch mit anderen Betroffenen, ausgebildete Trauerbegleitung für ein persönliches Gespräch über die eigene Trauer, und Psychotherapie, wenn die Trauer krankhafte Ausmaße annimmt. Welche Stufe passt, hängt vor allem davon ab, wie stark die Trauer den Alltag gerade bestimmt.

Die meisten Trauernden kommen mit dem Austausch in einer Gruppe oder mit ein paar Gesprächen bei einer Trauerbegleitung zurecht. Nur ein kleinerer Teil braucht zusätzlich eine psychotherapeutische Behandlung, weil die Trauer sich festgesetzt hat und alleine nicht mehr weitergeht. Keine der drei Stufen schließt die andere aus. Viele Menschen gehen zuerst in ein Trauercafé und suchen sich erst später, wenn ein bestimmtes Thema drängt, eine Einzelbegleitung dazu.

Es gibt keine Reihenfolge, die für alle stimmt. Manche brauchen zuerst die Ruhe eines Einzelgesprächs, bevor sie sich einer Gruppe öffnen können. Andere fühlen sich in einer Runde von Menschen, die Ähnliches erlebt haben, sofort verstanden und brauchen gar keine Einzelbegleitung. Beides ist richtig, wenn es der eigenen Trauer guttut.

Selbsthilfegruppen und Trauercafés als erster Schritt

Ein Trauercafé ist ein offener Treffpunkt, bei dem Betroffene bei Kaffee und Kuchen über ihren Verlust sprechen können, ohne sich anzumelden oder etwas erklären zu müssen. Die Runde wird meist von geschulten Ehrenamtlichen eines Hospizvereins begleitet, ein festes Programm gibt es dabei nicht.

Trauerbegleitung gehört seit den Anfängen der Hospizbewegung zu ihren zentralen Aufgaben, wie der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband auf seiner Website beschreibt. Genau deshalb sind Hospizvereine fast überall in Deutschland die erste Adresse für ein solches Angebot, unabhängig davon, ob der verstorbene Mensch selbst in einem Hospiz begleitet wurde. Wer lieber mit Gleichaltrigen spricht, findet häufig auch spezialisierte Gruppen, etwa für verwitwete Menschen oder für Eltern, die ein Kind verloren haben.

Für viele Trauernde ist die Gruppe deshalb so hilfreich, weil dort niemand die Trauer erklären muss. Die anderen kennen das lähmende Gefühl, die schlaflosen Nächte, die unpassenden Reaktionen des Umfelds aus eigener Erfahrung. Das nimmt vielen die Angst, mit ihrer Trauer verkehrt oder übertrieben zu sein. Wer sich vor dem ersten Besuch fürchtet, darf einfach nur dabei sitzen und zuhören. Zum Reden zwingt niemand.

Trauergruppen für besondere Verluste

Manche Verluste sind so speziell, dass eine allgemeine Trauergruppe sich nicht richtig anfühlt. Für diese Fälle gibt es eigene Angebote, weil die Fragen und Belastungen sich stark unterscheiden. Eltern, die ein Kind verloren haben, tragen oft eine Trauer, die Außenstehende kaum nachvollziehen können. Junge Erwachsene, die früh Vater oder Mutter verlieren, stehen mit ihrem Verlust im Freundeskreis häufig allein da.

Es gibt bundesweit tätige Vereine speziell für verwaiste Eltern und Geschwister, für junge Witwen und Witwer sowie für Kinder und Jugendliche, die einen Elternteil verloren haben. Der Hospizverein am Wohnort oder der Bundesverband Trauerbegleitung kann auf solche spezialisierten Angebote verweisen. Für Menschen, die einen Angehörigen durch Suizid verloren haben, gibt es ebenfalls eigene Gruppen, weil hier oft Schuldgefühle und viele unbeantwortete Fragen dazukommen.

Was eine ausgebildete Trauerbegleitung leistet

Eine ausgebildete Trauerbegleitung bietet Einzelgespräche, in denen jemand mit einer entsprechenden Qualifikation über einen längeren Zeitraum zuhört, Fragen stellt und beim Umgang mit dem Verlust unterstützt. Anders als in der offenen Gruppe steht dabei die eigene Geschichte im Mittelpunkt, nicht der Austausch mit anderen Betroffenen.

Damit diese Begleitung überall ein vergleichbares Niveau hat, hat der Bundesverband Trauerbegleitung bundesweit abgestimmte Curricula entwickelt. Die bekannteste Ausbildung ist die Große Basisqualifikation, die nach dem aktuellen Standard des Verbands rund 250 Unterrichtseinheiten umfasst und sich über etwa ein Jahr erstreckt, verteilt auf mehrere mehrtägige Module. Sie schließt mit einem Zertifikat des Verbands ab. Wer bei einer Trauerbegleitung nach dieser Qualifikation fragt, bekommt eine ehrliche Antwort und weiß, woran er ist.

Trauerbegleiter und Trauerbegleiterinnen sind dabei keine Psychotherapeuten. Sie stellen keine Diagnose und verordnen keine Behandlung. Ihre Aufgabe ist es, den normalen Trauerprozess zu begleiten, Raum für Gefühle zu geben und im Alltag zu unterstützen. Sie erkennen aber, wenn ein Fall über ihre Möglichkeiten hinausgeht, und leiten dann an eine Fachpraxis weiter. Diese klare Grenze ist ein Qualitätsmerkmal, kein Mangel.

Wie ein erstes Gespräch abläuft

Ein erstes Gespräch in der Trauerbegleitung ist ein Kennenlernen, kein Verhör. Die begleitende Person fragt, was passiert ist, wie es der trauernden Person geht und was sie sich von der Begleitung erhofft. Niemand muss vorbereitet sein oder die eigene Geschichte druckreif erzählen. Tränen, Schweigen und ungeordnete Gedanken gehören dazu.

In den folgenden Gesprächen bestimmt die trauernde Person das Tempo. Mal geht es um die letzten Tage des verstorbenen Menschen, mal um ganz praktische Fragen wie den Umgang mit Feiertagen oder mit dem Kleiderschrank, der noch voll ist. Eine feste Zahl an Terminen gibt es meist nicht. Manche brauchen drei Gespräche, andere begleitet die Trauerbegleitung über ein Jahr hinweg locker durch die schweren Momente.

Online und am Telefon: Trauerbegleitung ohne Anfahrt

Nicht jeder findet in der Nähe ein passendes Angebot oder hat die Kraft, dafür das Haus zu verlassen. Für diese Fälle gibt es Trauerbegleitung per Telefon, per Video und in moderierten Online-Foren. Gerade für Menschen auf dem Land, für Berufstätige mit wenig Zeit oder für Trauernde, die sich anfangs nicht in eine Gruppe trauen, ist das ein niedrigschwelliger Einstieg.

Online-Angebote ersetzen ein persönliches Gespräch nicht vollständig, aber sie senken die Hürde, überhaupt anzufangen. Wer unsicher ist, kann so erst einmal anonym ausprobieren, ob ihm der Austausch guttut, und später zu einem Angebot vor Ort wechseln.

Wann Psychotherapie bei Trauer sinnvoll ist

Psychotherapie wird sinnvoll, wenn Trauer nicht von selbst leiser wird oder sich zu einer Depression entwickelt. Trauer ist dabei zunächst eine gesunde Reaktion und keine Krankheit, wie das österreichische Gesundheitsportal gesundheit.gv.at betont. Sie verläuft häufig in Phasen, die sich allerdings überschneiden und wiederholen können, statt sauber nacheinander abzulaufen.

Diese Phasen reichen vom ersten Schock über eine Zeit intensiver, oft chaotischer Gefühle wie Wut, Angst und Schuld bis zu einer Phase, in der die Erinnerung an den verstorbenen Menschen erträglicher wird, und schließlich zu einer Neuorientierung im eigenen Leben. Wenn dieser Prozess über viele Monate hinweg nicht vorankommt oder sich eine Depression entwickelt, kann professionelle Hilfe nötig sein. Fachleute sprechen dann von einer anhaltenden Trauerstörung, weil die Trauer sich wie festgefahren anfühlt und den Alltag weiterhin genauso stark bestimmt wie in den ersten Wochen. Das ist keine Frage der Willensstärke, sondern ein medizinischer Befund, für den es wirksame Behandlungen gibt.

Wichtig ist die Kehrseite: Bei einer normalen Trauer ist eine Psychotherapie nicht nötig und kann sogar schaden, wenn sie einen gesunden Prozess zu einer Krankheit erklärt. Eine Therapie ist erst dann angezeigt, wenn eine anhaltende Trauerstörung oder eine andere psychische Erkrankung wie eine Depression vorliegt. Für die anhaltende Trauerstörung haben sich vor allem trauerfokussierte kognitive Verhaltenstherapien bewährt. Dabei werden schmerzhafte, bisher vermiedene Seiten des Verlusts behutsam angeschaut, belastende Gedanken und Schuldgefühle bearbeitet und tröstliche Erinnerungen an den verstorbenen Menschen gestärkt. Studien zeigen für diesen Ansatz gute Erfolge.

SelbsthilfegruppeTrauerbegleitungPsychotherapie
Wege der Unterstützung in der Trauer. Bild: KI generiert.

Angebote in der eigenen Nähe finden

Die drei genannten Stufen lassen sich über wenige feste Anlaufstellen finden: den Hospizverein am Wohnort, das Verzeichnis des Bundesverbands Trauerbegleitung und, für die psychotherapeutische Behandlung, die Hausarztpraxis oder die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung. Die folgende Übersicht zeigt, was die drei Wege jeweils kosten und wie lange sie ungefähr dauern.

AngebotWer bietet es anWas es kostetWie lange es dauert
Selbsthilfegruppe, TrauercaféHospizvereine, Kirchengemeinden, Selbsthilfekontaktstellenmeist kostenlos, manchmal eine kleine Spendeoffener Rahmen, so lange wie gebraucht
Ausgebildete Trauerbegleitungzertifizierte Trauerbegleiter und Trauerbegleiterinnen, oft über Hospizvereineüber Hospizvereine meist kostenlos, freiberuflich gegen Honorarmehrere Einzelgespräche über Wochen bis Monate
Psychotherapieapprobierte Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnenvon der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, bei entsprechender Diagnosemehrere Monate, abhängig von der Therapieform

Die ersten Schritte, um Unterstützung bei Trauer zu finden

  1. Beim Hospizverein am Wohnort nach einem Trauercafé oder einer Trauergruppe fragen, telefonisch oder über die Website des Vereins.
  2. Im Verzeichnis des Bundesverbands Trauerbegleitung nach einer zertifizierten Trauerbegleitung in der Postleitzahl-Umgebung suchen.
  3. Bei der eigenen Kirchengemeinde oder einer anderen Glaubensgemeinschaft nach einem Trauerangebot fragen, auch ohne selbst Mitglied zu sein.
  4. Wenn die Trauer nach mehreren Monaten den Alltag weiterhin genauso stark bestimmt wie am Anfang, das Gespräch mit dem Hausarzt oder der Hausärztin suchen und sich bei Bedarf zu einer Psychotherapie überweisen lassen.
  5. Bei akuter Überforderung nicht warten, sondern die TelefonSeelsorge anrufen oder sich direkt an eine Beratungsstelle in der Nähe wenden.

Wenn dich die Trauer überwältigt oder du Gedanken hast, nicht mehr leben zu wollen, hol dir Hilfe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar, im Notfall die 112.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Trauerbegleitung und Psychotherapie?

Trauerbegleitung begleitet einen normalen Trauerprozess mit Gesprächen, Zuhören und praktischer Unterstützung im Alltag. Psychotherapie behandelt Trauer dann, wenn sie krankhafte Züge annimmt, etwa wenn intensive Trauer nach vielen Monaten nicht nachlässt oder in eine Depression übergeht. Trauerbegleiter und Trauerbegleiterinnen sind meist keine Psychotherapeuten und leiten bei Bedarf an eine Fachpraxis weiter.

Was kostet eine Trauerbegleitung in Deutschland?

Eine Trauerbegleitung über einen Hospizverein kostet in der Regel nichts, weil sich die Vereine über Spenden und ehrenamtliche Arbeit finanzieren. Freiberufliche Trauerbegleiter und Trauerbegleiterinnen verlangen dagegen ein Honorar, das von Praxis zu Praxis unterschiedlich ausfällt. Psychotherapie bei einer entsprechenden Diagnose übernimmt die gesetzliche Krankenkasse.

Wie lange darf Trauer dauern, bevor professionelle Hilfe sinnvoll ist?

Eine feste Grenze gibt es nicht, weil jeder Mensch unterschiedlich trauert. Ein Hinweis auf professionelle Hilfe ist, wenn intensive Trauer nach etwa einem halben Jahr den Alltag weiterhin genauso stark bestimmt wie am Anfang oder wenn sie in eine Depression übergeht. In diesem Fall lohnt sich ein Gespräch mit dem Hausarzt oder der Hausärztin.

Wo finde ich eine Trauergruppe in meiner Nähe?

Der erste Ansprechpartner ist meist der Hospizverein am Wohnort, weil fast jeder von ihnen ein Trauercafé oder eine Trauergruppe anbietet. Daneben führt der Bundesverband Trauerbegleitung ein bundesweites Verzeichnis, in dem sich Trauerbegleiter und Trauerbegleiterinnen nach Postleitzahl finden lassen. Auch Kirchengemeinden bieten häufig Trauergruppen an, unabhängig von der eigenen Konfession.

Hilft eine Trauergruppe auch Menschen ohne religiösen Hintergrund?

Ja, die meisten Trauergruppen und Trauercafés von Hospizvereinen sind konfessionell offen und richten sich an alle Trauernden. Kirchliche Angebote nehmen in der Praxis ebenfalls Menschen ohne Kirchenbindung auf, weil der Trauerprozess im Vordergrund steht und nicht der Glaube. Wer trotzdem lieber ein neutrales Angebot sucht, findet über den Bundesverband Trauerbegleitung gezielt weltliche Anbieter.

Welche Qualifikation sollte eine gute Trauerbegleitung haben?

Eine gute Trauerbegleitung hat eine anerkannte Ausbildung, zum Beispiel die Große Basisqualifikation nach dem Standard des Bundesverbands Trauerbegleitung mit rund 250 Unterrichtseinheiten über etwa ein Jahr. Ebenso wichtig ist, dass die Person ihre Grenzen kennt und bei krankhafter Trauer an eine Psychotherapie weiterleitet. Nach der Qualifikation darf man ruhig direkt fragen.

Gibt es Trauerbegleitung auch online oder am Telefon?

Ja, Trauerbegleitung gibt es auch per Telefon, per Video und in moderierten Online-Foren. Solche Angebote sind besonders für Menschen ohne passendes Angebot in der Nähe, für Berufstätige oder für Trauernde geeignet, die sich anfangs keine Gruppe zutrauen. Sie ersetzen das persönliche Gespräch nicht ganz, senken aber die Hürde, überhaupt zu beginnen.

Quellen

  1. Bundesverband Trauerbegleitung e.V.: Verzeichnis für Trauerbegleitung in Deutschland und Informationen zur Großen Basisqualifikation. bv-trauerbegleitung.de
  2. Bundesverband Trauerbegleitung e.V.: Umfang und Aufbau der Großen Basisqualifikation Trauerbegleitung. bv-trauerbegleitung.de
  3. Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V.: Grundlagen der Trauerbegleitung in der Hospizarbeit. dhpv.de
  4. Gesundheitsportal Österreich: Phasen der Trauer und wann professionelle Hilfe nötig wird. gesundheit.gv.at

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