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Den Tod eines Elternteils verarbeiten

Geprüft von der Redaktion

Den Tod eines Elternteils verarbeiten
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Tod eines Elternteils verändert die eigene Position in der Familie, auch wenn man selbst schon lange erwachsen ist.
  • Wie sich die Trauer anfühlt, hängt stark davon ab, in welcher Lebensphase man selbst gerade steht, als junger Erwachsener oder mit eigener Familie.
  • Erwachsene Kinder rutschen nach dem Tod eines Elternteils oft unbemerkt in neue Aufgaben hinein, etwa die Sorge um den verbliebenen Elternteil.
  • Schuldgefühle, Erleichterung oder Wut neben der Trauer sind normal, besonders wenn die Beziehung zum Elternteil nicht ungetrübt war.
  • Wer merkt, dass die Trauer den Alltag über viele Monate blockiert, findet Unterstützung bei einer Trauerbegleitung oder einer Therapeutin oder einem Therapeuten.

Der Tod eines Elternteils als Wendepunkt im eigenen Leben

Der Tod eines Elternteils verändert die eigene Stellung in der Familie, weil mit Mutter oder Vater auch die Generation über einem selbst kleiner wird. Das gilt unabhängig davon, wie alt man selbst zum Zeitpunkt des Todes ist: Ein Elternteil zu verlieren bedeutet immer, ein Stück der eigenen Herkunft zu verlieren, die Person, die von Anfang an da war.

Viele Trauernde unterschätzen, wie tief dieser Verlust reicht, gerade weil der Tod eines Elternteils im Lauf des Lebens statistisch der häufigere und in gewisser Weise erwartbarere Trauerfall ist als der Verlust eines Partners oder eines Kindes. Erwartbar heißt aber nicht leicht. Wer seine Mutter oder seinen Vater verliert, verliert auch die eine Person, die einen von Geburt an kennt und mit der die eigene Geschichte am längsten verbunden war.

Diese Herkunft zeigt sich oft in kleinen Dingen: eine Redewendung, die nur die Mutter benutzt hat, ein Blick, den man vom Vater geerbt hat, ein Geruch, der sofort an das Elternhaus erinnert. Nach dem Tod eines Elternteils merken viele erst, wie viele dieser kleinen Dinge es gab und wie sehr sie zur eigenen Identität gehörten.

Trauer um Mutter oder Vater in verschiedenen Lebensphasen

Trauer um Mutter oder Vater sieht in jeder Lebensphase anders aus, weil sich mit dem eigenen Alter auch die Beziehung zu den Eltern verändert. Ein Kind trauert anders als ein Teenager, ein junger Erwachsener anders als jemand mit eigenen Kindern oder im Ruhestand.

Kinder und Jugendliche brauchen bei der Trauer um einen Elternteil besonders viel altersgerechte Begleitung, weil ihre Vorstellung vom Tod noch nicht der von Erwachsenen entspricht und ihre Reaktionen für das Umfeld oft verwirrend wirken, mal unbeschwertes Spielen, kurz darauf tiefe Verzweiflung. Junge Erwachsene erleben den Tod eines Elternteils häufig mitten in einer Phase, in der sie sich gerade erst vom Elternhaus lösen, und müssen Abschied und eigenes Erwachsenwerden gleichzeitig bewältigen. Wer selbst schon eigene Kinder hat, trauert oft zwischen zwei Aufgaben: der eigenen Trauer und der Rolle, die eigenen Kinder durch den Verlust der Großmutter oder des Großvaters zu begleiten. Für die betroffenen Enkelkinder selbst lohnt sich dabei oft ein eigenes, spezialisiertes Angebot, etwa ein Kinder- oder Jugendhospizdienst, weil sich ihre Trauer in Sprache, Ausdauer und Ausdrucksform von der Trauer Erwachsener unterscheidet.

Und wer den letzten noch lebenden Elternteil verliert, verliert damit auch die eigene Generation der Kinder in der Familie. Von nun an gibt es niemanden mehr, der einen an die eigene Kindheit erinnert, so wie es nur Eltern können.

Wer selbst schon im Ruhestand ist und einen hochbetagten Elternteil verliert, hört manchmal den gut gemeinten, aber wenig hilfreichen Satz, das sei doch ein natürlicher oder erlöster Tod gewesen. Ein hohes Alter oder ein erwarteter Tod machen den Verlust jedoch nicht automatisch leichter zu tragen.

Veränderte Rollen in der Familie

Nach dem Tod eines Elternteils verschieben sich die Rollen in der Familie oft, ohne dass jemand das ausdrücklich entscheidet. Erwachsene Kinder übernehmen häufig automatisch mehr Verantwortung für den verbliebenen Elternteil, für Geschwister oder für familiäre Zusammenkünfte, die vorher selbstverständlich bei Mutter oder Vater lagen.

Diese neue Rolle kann guttun, weil sie Aufgabe und Halt zugleich gibt. Sie kann aber auch überfordern, besonders wenn Geschwister unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wer jetzt was übernimmt, oder wenn der verbliebene Elternteil plötzlich allein zurechtkommen muss und selbst Unterstützung braucht. Aus dem Kind wird an dieser Stelle spürbar auch eine Art Fürsorgeperson, selbst wenn es die eigene Trauer noch längst nicht verarbeitet hat.

Ging dem Tod eine längere Pflegezeit voraus, beginnt die eigentliche Trauer für viele erwachsene Kinder erst nach dem Tod, weil während der Pflege kaum Raum dafür war. Wer über Monate oder Jahre Termine koordiniert, Anträge gestellt und Nächte durchwacht hat, braucht nach dem Tod oft zuerst eine Pause, bevor die Trauer überhaupt an die Oberfläche kommen kann.

Ambivalente Gefühle nach dem Tod eines Elternteils

Ambivalente Gefühle nach dem Tod eines Elternteils sind normal und bedeuten nicht, dass die Beziehung nicht echt oder nicht wichtig war. Neben der Trauer stehen oft Schuldgefühle, weil man vielleicht seltener zu Besuch war, als man wollte, oder weil ungesagte Dinge nun für immer ungesagt bleiben.

War die Beziehung zum Elternteil schwierig oder belastet, kann auch Erleichterung dazukommen, etwa wenn ein langer Konflikt oder eine anstrengende Pflegesituation endet. Diese Erleichterung neben der Trauer zu spüren, fühlt sich für viele falsch an. Sie ist es nicht. Ein Mensch kann trauern und gleichzeitig erleichtert sein, beides sagt etwas Wahres über eine komplizierte Beziehung, kein Urteil über den eigenen Charakter.

Auch eine distanzierte oder von Konflikten geprägte Beziehung darf betrauert werden. Manche Trauernde trauern dann weniger um den Menschen, der die Eltern tatsächlich waren, sondern um die Eltern, die sie sich gewünscht hätten, oder um die Chance auf Versöhnung, die es jetzt nicht mehr geben wird. Auch das ist echte Trauer und verdient denselben Raum wie die Trauer um eine enge, warme Beziehung.

Erinnerung an die Mutter oder den Vater bewahren

Erinnerung an einen verstorbenen Elternteil zu bewahren, hilft vielen Trauernden dabei, die Beziehung weiterzuführen, auch wenn der Mensch selbst nicht mehr da ist. Das kann über Erzählungen an die eigenen Kinder geschehen, über Fotos, über ein Rezept, das nur die Mutter so gekocht hat, oder über einen Ort, der mit dem Vater verbunden bleibt.

Solche Erinnerungen verändern sich mit der Zeit. Am Anfang schmerzen viele davon noch zu sehr, um sie bewusst zu suchen. Später werden aus denselben Erinnerungen oft die Momente, in denen der verstorbene Elternteil für kurze Zeit wieder ganz nah ist, ohne dass der Verlust dabei geleugnet wird.

In manchen Familien wird die Erinnerung über Generationen weitergegeben, etwa wenn ein Enkelkind nach der Großmutter benannt wird oder eine Familientradition an einem bestimmten Datum fortgeführt wird. Solche Erinnerungen verbinden mit dem verstorbenen Elternteil und zugleich die Generationen der Familie untereinander.

1Abschied nehmen2Trauer durchleben3Rolle neu finden4Erinnerung bewahren
Nach dem Tod eines Elternteils. Bild: KI generiert.

Typische Gefühle nach dem Tod eines Elternteils

Nach dem Tod eines Elternteils tauchen häufig mehrere Gefühle gleichzeitig auf, die sich zunächst zu widersprechen scheinen. Keines davon schließt ein anderes aus, und keines davon ist falsch. Die folgende Übersicht ordnet einige dieser Gefühle ein und zeigt, was häufig dahintersteckt.

GefühlWas oft dahintersteckt
SchuldgefühleDas Gefühl, zu wenig Zeit investiert oder etwas Wichtiges nicht gesagt zu haben
ErleichterungDas Ende einer schweren Pflegezeit oder eines langen Konflikts
WutDas Gefühl, verlassen worden zu sein, oder Ärger über nicht eingehaltene Versprechen
LeereDer Wegfall der Person, die am längsten im eigenen Leben da war
UngeschütztheitDas Bewusstsein, selbst zur ältesten Generation der Familie zu gehören

Die ersten Schritte nach dem Tod eines Elternteils

  1. Gib dir Zeit für den ersten Schock, statt sofort in die Organisation von Beerdigung und Nachlass zu springen.
  2. Sprich mit Geschwistern oder anderen Angehörigen früh darüber, wer welche Aufgaben übernimmt, um stille Erwartungen zu vermeiden.
  3. Erlaube dir alle Gefühle, auch widersprüchliche wie Erleichterung oder Wut, ohne sie vor dir selbst zu rechtfertigen.
  4. Achte auf den verbliebenen Elternteil, ohne die eigene Trauer dabei ganz zurückzustellen.
  5. Sucht als Familie, wenn es passt, gemeinsam nach Wegen, die Erinnerung an den verstorbenen Elternteil lebendig zu halten.

Wenn dich die Trauer überwältigt oder du Gedanken hast, nicht mehr leben zu wollen, hol dir Hilfe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar, im Notfall die 112.

Häufige Fragen

Warum trifft der Tod der Mutter oder des Vaters auch erwachsene Kinder so hart?

Der Tod der Mutter oder des Vaters trifft erwachsene Kinder hart, weil Eltern die einzigen Menschen sind, die von Geburt an im eigenen Leben da waren. Mit ihrem Tod verschwindet ein Stück der eigenen Herkunft und Geschichte, unabhängig davon, wie eng oder distanziert die Beziehung zuletzt war.

Ist es normal, nach dem Tod eines Elternteils auch Erleichterung zu empfinden?

Erleichterung nach dem Tod eines Elternteils ist eine normale Reaktion, vor allem wenn eine lange Pflegezeit oder ein schwieriges Verhältnis vorausging. Diese Erleichterung neben der Trauer zu spüren, bedeutet nicht, dass die Beziehung oder die Trauer nicht echt waren, sondern zeigt, wie beides gleichzeitig wahr sein kann.

Wie gehe ich mit Streit unter Geschwistern nach dem Tod eines Elternteils um?

Streit unter Geschwistern nach dem Tod eines Elternteils entsteht oft aus unklaren Erwartungen darüber, wer welche Aufgaben übernimmt, und aus der eigenen Trauer, die Konflikte schärfer wirken lässt. Ein offenes Gespräch über Aufgaben und Erbe, notfalls mit einer neutralen Person oder rechtlicher Beratung, entschärft die häufigsten Streitpunkte.

Wie unterstütze ich meine eigenen Kinder, wenn ihre Großmutter oder ihr Großvater stirbt?

Kinder beim Verlust der Großmutter oder des Großvaters unterstützt man am besten mit ehrlichen, altersgerechten Erklärungen statt Umschreibungen wie "eingeschlafen", und mit Raum für ihre eigenen Fragen und Gefühle. Gemeinsame Erinnerungsrituale, etwa ein Fotoalbum oder ein Besuch am Grab, helfen Kindern oft mehr als das Vermeiden des Themas.

Wann ist professionelle Hilfe nach dem Tod eines Elternteils sinnvoll?

Professionelle Hilfe nach dem Tod eines Elternteils ist sinnvoll, wenn die Trauer über viele Monate den Alltag, die Arbeit oder wichtige Beziehungen dauerhaft blockiert, oder wenn Schuldgefühle und Konflikte in der Familie sich nicht mehr allein auflösen lassen. Trauerbegleitung, Hausarztpraxis oder eine Psychotherapie sind dafür geeignete erste Anlaufstellen.

Quellen

  1. Bundesverband Trauerbegleitung e.V.: Angebote und Vermittlung von Trauerbegleitung nach dem Tod eines Elternteils. bv-trauerbegleitung.de
  2. Gesundheitsministerium Österreich, Gesundheitsportal: Trauerphasen und Umgang mit Trauer. gesundheit.gv.at
  3. Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V.: Grundverständnis von Trauer und Trauerbegleitung. dhpv.de

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