Helfer in der Krise

Pflege zu Hause organisieren

Geprüft von der Redaktion

Pflege zu Hause organisieren
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund vier von fünf Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. Das gelingt, wenn die Hilfe von Anfang an gut geplant ist.
  • Du kannst Pflegegeld für die Pflege durch Angehörige und die Sachleistung für einen Pflegedienst anteilig kombinieren.
  • Für Auszeiten der Pflegenden gibt es seit Juli 2025 einen gemeinsamen Jahresbetrag von 3.539 Euro für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege.
  • Der Entlastungsbetrag von 131 Euro im Monat bezahlt Alltagshelfer, Betreuung und haushaltsnahe Dienste.
  • Für den barrierefreien Umbau der Wohnung gibt es bis zu 4.180 Euro je Maßnahme.
  • Pflegende Angehörige können selbst abgesichert werden: durch Rentenbeiträge, Pflegekurse und die Freistellung vom Job.

Wie organisiert man Pflege zu Hause?

Pflege zu Hause organisierst du am besten in drei Schritten: erst den Bedarf klären, dann die Leistungen der Pflegeversicherung sinnvoll kombinieren und schließlich die pflegenden Angehörigen selbst absichern und entlasten. Der Fehler, den viele Familien machen, ist, alles allein stemmen zu wollen, bis nichts mehr geht. Das muss nicht sein, denn es gibt viel mehr Unterstützung, als die meisten wissen.

Der erste und wichtigste Schritt ist die kostenlose Pflegeberatung nach Paragraf 7a SGB XI. Sie steht jedem zu, der Leistungen bezieht oder beantragt hat, und sie ist neutral. Der Berater kommt auf Wunsch nach Hause, schaut sich die Lage an und stellt einen Versorgungsplan auf. Auch die Pflegestützpunkte in fast jedem Landkreis beraten trägerunabhängig. Nutze das, bevor du irgendetwas unterschreibst.

Pflegegeld, Sachleistung oder beides kombinieren?

Bei der Pflege zu Hause hast du drei Wege, und du kannst sie mischen. Pflegegeld bekommst du, wenn Angehörige oder Bekannte pflegen. Die Pflegesachleistung ist der höhere Betrag für einen ambulanten Pflegedienst. Nutzt du beides, spricht man von der Kombinationsleistung, und die Kasse rechnet anteilig ab.

PflegegradPflegegeldPflegesachleistungTagespflege zusätzlich
Pflegegrad 2347 Euro796 Euro721 Euro
Pflegegrad 3599 Euro1.497 Euro1.357 Euro
Pflegegrad 4800 Euro1.859 Euro1.685 Euro
Pflegegrad 5990 Euro2.299 Euro2.085 Euro

Ein Beispiel macht die Kombination klar. Nutzt du nur die Hälfte der Sachleistung für den Pflegedienst, bekommst du zusätzlich die Hälfte des Pflegegeldes ausgezahlt. So lässt sich die Pflege zwischen Familie und Dienst aufteilen. Die Tagespflege, also die Betreuung tagsüber in einer Einrichtung, ist ein eigener Topf und kommt oben drauf, ohne dass Pflegegeld oder Sachleistung gekürzt werden.

Wie bekommt man Auszeiten von der Pflege?

Auszeiten sichert der gemeinsame Jahresbetrag von 3.539 Euro für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, der seit Juli 2025 flexibel einsetzbar ist. Verhinderungspflege springt ein, wenn die pflegende Person krank ist, in den Urlaub fährt oder einfach eine Pause braucht. Eine Ersatzkraft übernimmt dann stundenweise oder für mehrere Tage.

Kurzzeitpflege ist die vollständige Versorgung in einer Einrichtung für eine begrenzte Zeit, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt oder wenn die Familie mehrere Wochen ausfällt. Die früheren getrennten Grenzen und die Wartezeit von sechs Monaten sind seit Juli 2025 weggefallen. Du kannst den gesamten Jahresbetrag nach Bedarf auf beide Formen verteilen, und die Erstattung ist bis zum Doppelten des monatlichen Pflegegeldes möglich. Wer diese Auszeiten nicht nutzt, verschenkt sie am Jahresende.

Welche Zuschüsse gibt es für Wohnung und Alltag?

Für den barrierefreien Umbau der Wohnung zahlt die Pflegekasse bis zu 4.180 Euro je Maßnahme. Damit lassen sich ein bodengleicher Duschplatz, Haltegriffe, ein Treppenlift oder das Verbreitern von Türen mitfinanzieren. Ändert sich der Zustand später, ist ein weiterer Zuschuss für eine neue Maßnahme möglich. Den Antrag stellst du vor dem Umbau, nicht danach.

Der Entlastungsbetrag von 131 Euro im Monat ist frei für Betreuung und Haushaltshilfe einsetzbar, etwa für eine Alltagsbegleiterin, einen Einkaufsdienst oder eine Reinigungshilfe über einen anerkannten Anbieter. Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, also Einmalhandschuhe, Betteinlagen und Desinfektionsmittel, gibt es bis zu 42 Euro im Monat, meist unkompliziert als Paket nach Hause geliefert. Für einen Hausnotruf, der auf Knopfdruck Hilfe holt, gibt es ebenfalls einen monatlichen Zuschuss.

Wer entlastet die pflegenden Angehörigen?

Pflegende Angehörige sind das Rückgrat der häuslichen Pflege, und sie werden vom Gesetz eigens abgesichert. Wer einen Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5 mindestens zehn Stunden pro Woche an mindestens zwei Tagen pflegt und daneben nicht mehr als 30 Stunden erwerbstätig ist, für den zahlt die Pflegekasse Beiträge in die Rentenversicherung. Die Pflege wird also für die eigene spätere Rente angerechnet.

Pflegekurse nach Paragraf 45 SGB XI sind kostenlos und vermitteln praktisches Wissen, vom richtigen Heben bis zum Umgang mit Demenz. Für den Beruf gibt es drei Wege: die kurzzeitige Arbeitsverhinderung von bis zu zehn Arbeitstagen mit Pflegeunterstützungsgeld in einer akuten Situation, die Pflegezeit von bis zu sechs Monaten und die Familienpflegezeit von bis zu 24 Monaten mit reduzierter Stundenzahl. Während dieser Zeiten besteht Kündigungsschutz.

Bedarfklären undberatenlassenLeistungenkombinierenAngehörigeentlastenregelmässiganpassen
Pflege zu Hause ist kein einmaliger Plan, sondern ein Kreislauf. Wenn sich der Zustand ändert, wird die Versorgung neu angepasst. Bild: KI generiert.

Wie sieht eine gute 24-Stunden-Betreuung aus?

Eine sogenannte 24-Stunden-Betreuung, meist durch eine Betreuungskraft aus Osteuropa, kann eine Lösung sein, wenn eine Rundum-Versorgung nötig ist, ein Heim aber vermieden werden soll. Wichtig ist, dass das Modell legal ist. Es gibt drei saubere Wege: die Entsendung über eine ausländische Agentur mit gültiger A1-Bescheinigung, die Beauftragung einer echten Selbstständigen oder die direkte Anstellung im eigenen Haushalt mit Anmeldung und Mindestlohn.

Der Begriff 24-Stunden-Betreuung ist irreführend, denn eine einzelne Person darf rechtlich nicht rund um die Uhr arbeiten. Arbeitszeit, Ruhezeiten und Urlaub müssen geregelt sein. Lass dir vor der Beauftragung genau zeigen, wie die Kraft versichert und bezahlt wird, und vergleiche mehrere Anbieter. Die Verbraucherzentrale hat dazu Musterchecklisten. Die Kosten liegen je nach Modell und Qualifikation deutlich höher als das Pflegegeld allein, lassen sich aber mit Pflegegeld, Verhinderungspflege und Entlastungsbetrag teilweise gegenfinanzieren.

Nimm Entlastung an, bevor du sie dringend brauchst. Pflegende Angehörige, die sich nie eine Pause gönnen, erschöpfen sich oft über Monate, ohne es zu merken. Tagespflege, Verhinderungspflege und ein fester freier Tag pro Woche sind keine Schwäche, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Pflege zu Hause auf Dauer gelingt.

Was zahlt die Krankenkasse zusätzlich zur Pflege?

Neben der Pflegekasse zahlt die Krankenkasse die häusliche Krankenpflege nach Paragraf 37 SGB V, und die wird oft mit der Pflege verwechselt. Gemeint ist die medizinische Behandlungspflege: das Wechseln von Verbänden, das Stellen und Verabreichen von Medikamenten, Injektionen, das Versorgen von Wunden oder das Anziehen von Kompressionsstrümpfen. Diese Leistungen verordnet der Hausarzt, und sie sind unabhängig vom Pflegegrad.

Auch Hilfsmittel laufen über die Krankenkasse, nicht die Pflegekasse: ein Rollator, ein Pflegebett, ein Toilettenstuhl oder ein Hausnotrufgerät werden auf ärztliche Verordnung bezuschusst oder leihweise gestellt. Wer beide Kassen richtig nutzt, entlastet die Pflege zu Hause spürbar. Frag deinen Hausarzt gezielt danach, denn vieles wird nur auf Nachfrage verordnet.

Welche technische Unterstützung gibt es im Alltag?

Für den Alltag zu Hause gibt es zunehmend technische Hilfen, die von den Kassen mitgetragen werden. Der Hausnotruf holt auf Knopfdruck rund um die Uhr Hilfe und wird von der Pflegekasse mit einem monatlichen Betrag bezuschusst. Sensoren gegen Stürze, automatische Herdabschaltungen und Medikamentenspender können den Verbleib in der eigenen Wohnung länger sicher machen.

Seit einigen Jahren gibt es zudem digitale Pflegeanwendungen, also geprüfte Apps und Programme, die pflegende Angehörige oder Pflegebedürftige unterstützen. Für eine anerkannte digitale Pflegeanwendung zusammen mit der ergänzenden Unterstützung übernimmt die Pflegekasse einen monatlichen Betrag. Die Pflegeberatung nach Paragraf 7a SGB XI zeigt dir, welche dieser Angebote in deiner Situation wirklich helfen und wie du sie beantragst.

Häufige Fragen

Kann man Pflegegeld und einen Pflegedienst gleichzeitig nutzen?

Ja, Pflegegeld und Pflegesachleistung lassen sich als Kombinationsleistung mischen. Nutzt du zum Beispiel nur die Hälfte des Sachleistungsbetrags für den Pflegedienst, bekommst du zusätzlich die Hälfte des Pflegegeldes ausgezahlt. So kannst du die Pflege zwischen Angehörigen und einem professionellen Dienst aufteilen.

Was ist der Unterschied zwischen Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege?

Verhinderungspflege ersetzt die pflegende Person zu Hause, wenn sie krank ist oder eine Pause braucht, stundenweise oder für mehrere Tage. Kurzzeitpflege ist die vollständige Versorgung in einer Einrichtung für eine begrenzte Zeit, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt. Seit Juli 2025 teilen sich beide einen gemeinsamen Jahresbetrag von 3.539 Euro, den du flexibel verteilen kannst.

Bekommen pflegende Angehörige Geld für ihre Arbeit?

Pflegende Angehörige erhalten kein eigenes Gehalt von der Pflegekasse, aber das Pflegegeld wird an den Pflegebedürftigen ausgezahlt und kann innerhalb der Familie weitergegeben werden. Zusätzlich zahlt die Pflegekasse unter bestimmten Bedingungen Rentenbeiträge für die pflegende Person, sodass die Pflege für die eigene Rente zählt.

Wie viel zahlt die Pflegekasse für den Umbau der Wohnung?

Die Pflegekasse zahlt für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen bis zu 4.180 Euro je Maßnahme, etwa für eine bodengleiche Dusche, Haltegriffe oder einen Treppenlift. Wichtig ist, den Antrag vor Beginn des Umbaus zu stellen. Ändert sich der Pflegezustand später, ist ein weiterer Zuschuss für eine neue Maßnahme möglich.

Kann man wegen der Pflege eines Angehörigen im Job freigestellt werden?

Ja, es gibt drei Möglichkeiten. In einer akuten Situation kannst du bis zu zehn Arbeitstage fernbleiben und dafür Pflegeunterstützungsgeld beziehen. Die Pflegezeit erlaubt bis zu sechs Monate Freistellung, die Familienpflegezeit bis zu 24 Monate mit reduzierter Stundenzahl. Während dieser Zeiten gilt ein besonderer Kündigungsschutz.

Ist eine 24-Stunden-Betreuung aus dem Ausland legal?

Eine Betreuung im eigenen Haushalt ist legal, wenn eines von drei Modellen sauber umgesetzt ist: die Entsendung über eine ausländische Agentur mit A1-Bescheinigung, eine echte Selbstständigkeit der Betreuungskraft oder die direkte Anstellung mit Anmeldung und Mindestlohn. Eine einzelne Person darf nicht wirklich rund um die Uhr arbeiten, Ruhezeiten und Urlaub müssen geregelt sein.

Quellen

  1. GKV-Spitzenverband, Pflegeversicherung und häusliche Pflege gkv-spitzenverband.de
  2. Bundesministerium für Gesundheit, Leistungen der Pflegeversicherung bundesgesundheitsministerium.de
  3. Verbraucherzentrale, Pflege zu Hause organisieren verbraucherzentrale.de

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