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Wenn die Rente nicht reicht

Geprüft von der Redaktion

Wenn die Rente nicht reicht
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn deine Rente nicht zum Leben reicht, hast du meist mehr Ansprüche, als du denkst. Die drei wichtigsten heißen Grundsicherung im Alter, Wohngeld und Grundrentenzuschlag.
  • Grundsicherung im Alter gibt es beim Sozialamt. Sie füllt die Lücke zwischen deinem Einkommen und deinem Bedarf auf. Der Regelbedarf für Alleinstehende liegt 2025 und 2026 bei 563 Euro im Monat, dazu kommen deine Wohnkosten.
  • Wohngeld ist ein Mietzuschuss und kein Almosen. Seit 2025 bekommen ihn deutlich mehr Rentnerhaushalte, oft auch bei einer Rente von 1.000 bis 1.500 Euro.
  • Wer 33 Jahre lang Beiträge gezahlt, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat, darf einen Teil der Rente behalten, ohne dass er auf die Grundsicherung angerechnet wird. Das sind bis zu 281,50 Euro im Monat.
  • Ein Antrag lohnt sich fast immer. Rund jeder zweite Berechtigte holt sich die Grundsicherung nicht ab, meist aus Scham oder weil er sie nicht kennt.

Was kannst du tun, wenn die Rente nicht reicht?

Wenn die Rente nicht reicht, stehen dir mehrere staatliche Leistungen zu, die deine Rente aufstocken, ohne dass du dafür etwas zurückzahlen musst. Die wichtigste ist die Grundsicherung im Alter beim Sozialamt. Sie deckt die Lücke zwischen dem, was du zum Leben brauchst, und dem, was du an Rente und sonstigem Einkommen hast. Daneben gibt es Wohngeld als Zuschuss zur Miete und den Grundrentenzuschlag für lange Versicherte. Diese drei Leistungen schließen sich teils aus, teils ergänzen sie sich. Welche für dich passt, hängt von deiner Rente, deiner Miete und deinem Ersparten ab.

Das Wichtigste zuerst: Diese Leistungen sind dein Recht. Du hast dein Leben lang gearbeitet, Kinder großgezogen oder Angehörige gepflegt. Wenn die Rente am Ende trotzdem nicht reicht, ist das kein persönliches Versagen, sondern eine Folge niedriger Löhne, langer Teilzeit oder von Zeiten ohne Beiträge. Der Staat hat für genau diesen Fall Leistungen eingerichtet. Sie abzuholen ist kein Betteln.

Grundsicherung im Alter, der wichtigste Anspruch

Die Grundsicherung im Alter ist eine Sozialleistung für Menschen ab der Regelaltersgrenze, deren Einkommen nicht für den Lebensunterhalt ausreicht. Sie funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Das Amt rechnet aus, was dir zusteht, zieht dein Einkommen ab und zahlt die Differenz. Anders als die frühere Sozialhilfe gibt es dabei keinen Unterhaltsrückgriff auf deine Kinder, solange diese weniger als 100.000 Euro im Jahr verdienen.

Dein Bedarf setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Der Regelbedarf deckt Essen, Kleidung, Strom und die Dinge des täglichen Lebens ab. Für Alleinstehende liegt er 2025 und 2026 bei 563 Euro im Monat. Dazu kommen die angemessenen Kosten für deine Wohnung, also Miete und Heizung in voller Höhe, solange die Wohnung nicht zu groß oder zu teuer ist. Auch deine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung übernimmt das Amt. Bei besonderem Bedarf, etwa bei einer Gehbehinderung oder einer kostspieligen Diät, gibt es Mehrbedarfe obendrauf.

Gegen deinen Bedarf rechnet das Amt dein Einkommen. Dazu zählen die gesetzliche Rente, Betriebsrenten, Mieteinnahmen und Zinsen. Vermögen musst du zuerst aufbrauchen, allerdings bleibt ein Schonvermögen von 10.000 Euro pro Person unangetastet. Ein selbst bewohntes, angemessen großes Haus oder eine Eigentumswohnung zählen nicht als verwertbares Vermögen. Du musst also nicht dein Zuhause verkaufen, um Grundsicherung zu bekommen.

Wie viel bleibt dir von der Rente, wenn du lange eingezahlt hast?

Wer viele Jahre Beiträge gezahlt hat, darf seit 2021 einen Teil seiner gesetzlichen Rente behalten, ohne dass er auf die Grundsicherung angerechnet wird. Der Grund dahinter: Wer 40 Jahre gearbeitet hat, soll am Ende mehr haben als jemand, der nie eingezahlt hat. Voraussetzung sind 33 Jahre sogenannte Grundrentenzeiten. Dazu zählen nicht nur Beitragsjahre aus Arbeit, sondern auch Kindererziehungszeiten und Zeiten der Pflege von Angehörigen.

Der Freibetrag wird in zwei Schritten berechnet. Zuerst bleiben 100 Euro deiner Rente frei. Vom Rest bleiben weitere 30 Prozent anrechnungsfrei. Nach oben ist der Betrag gedeckelt, und zwar bei der Hälfte des Regelbedarfs. Weil der Regelbedarf 2025 und 2026 bei 563 Euro liegt, kannst du höchstens 281,50 Euro im Monat zusätzlich behalten. Für viele bedeutet das mehrere Tausend Euro mehr im Jahr, die sonst mit der Grundsicherung verrechnet worden wären.

1Bedarf ausrechnen2Einkommen und Vermögen gegenrechnen3Antrag beim Sozialamt stellen
So kommst du in drei Schritten zur Grundsicherung im Alter Bild: KI generiert.

Wohngeld, der Zuschuss, den viele Rentner übersehen

Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss zur Miete für Menschen mit kleinem Einkommen, die keine Grundsicherung beziehen. Für Rentner ist es oft die bessere Wahl, weil kein Vermögen aufgebraucht werden muss und niemand vom Sozialamt die Kontoauszüge prüft. Seit der Wohngeldreform 2023 und der Anpassung 2025 ist der Kreis der Berechtigten stark gewachsen. Viele Rentnerhaushalte mit 1.000 bis 1.500 Euro Rente haben Anspruch, ohne es zu ahnen.

Ob dir Wohngeld zusteht, hängt von drei Dingen ab: deinem Einkommen, deiner Miete und der Mietstufe deines Wohnorts. Große Städte haben höhere Mietstufen und damit höhere Grenzen. Für einen Einpersonenhaushalt liegen die Einkommensgrenzen 2025 je nach Region grob zwischen 857 und 1.619 Euro netto im Monat. Wer 33 Jahre Beiträge vorweisen kann, bekommt beim Wohngeld einen zusätzlichen Freibetrag von 1.200 Euro im Jahr, sodass die Grenze noch etwas höher liegt. Ein Rechenbeispiel spart dir viel Grübeln: Nutze den Wohngeldrechner deines Bundeslandes, gib Rente und Miete ein, und du siehst in wenigen Minuten, ob sich ein Antrag lohnt.

Grundsicherung oder Wohngeld, was ist besser?

Grundsicherung und Wohngeld schließen sich gegenseitig aus, du kannst also nicht beides gleichzeitig bekommen. Als Faustregel gilt: Wer nur wenig Rente hat und kaum Vermögen, fährt mit der Grundsicherung meist besser, weil sie den gesamten Bedarf deckt. Wer etwas mehr Rente hat, aber unter dem Strich trotzdem knapp ist, ist mit Wohngeld oft besser dran, weil es die Rente unangetastet lässt und die Wohnkosten spürbar senkt.

MerkmalGrundsicherung im AlterWohngeld
Zuständige StelleSozialamtWohngeldstelle der Kommune
Deckt abRegelbedarf plus Wohnkosten plus Versicherungnur einen Teil der Miete
Vermögen wird geprüftja, Schonvermögen 10.000 Euro pro Personnur grob, kein Aufbrauchen nötig
Rückgriff auf Kindererst ab 100.000 Euro Jahreseinkommennie
Passt fürsehr kleine Renten, kaum Erspartesknappe Renten mit eigener Wohnung

Welche weiteren Hilfen gibt es neben der Rente?

Neben den drei großen Leistungen gibt es viele kleinere Entlastungen, die zusammen einen spürbaren Unterschied machen. Vom Rundfunkbeitrag kannst du dich befreien lassen, wenn du Grundsicherung beziehst. Das spart 18,36 Euro im Monat. Viele Stadtwerke, Verkehrsbetriebe und Schwimmbäder bieten Sozialtarife oder ermäßigte Karten für Menschen mit kleinem Einkommen an. Frag bei deiner Kommune nach einem Ermäßigungsausweis oder einer Sozialcard.

Wenn Schulden dich erdrücken, ist eine Schuldnerberatung die richtige Adresse. Sie ist bei Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas, der Diakonie oder dem Paritätischen kostenlos. Wer akut nicht genug zum Essen hat, findet bei den Tafeln günstige Lebensmittel. Und wenn eine große Anschaffung ansteht, etwa eine neue Waschmaschine, kann das Sozialamt für Grundsicherungsbezieher ein einmaliges Darlehen oder einen Zuschuss gewähren. Ein kleiner Nebenverdienst ist im Alter ebenfalls erlaubt. Bei der Grundsicherung bleibt davon allerdings nur ein Teil anrechnungsfrei, hier lohnt sich vorher eine Beratung.

Scheue dich nicht, Hilfe bei einer Beratungsstelle zu holen. Die Sozialverbände VdK und SoVD, die Wohlfahrtsverbände und die Deutsche Rentenversicherung beraten kostenlos und füllen mit dir zusammen die Anträge aus. Ein einziger Termin kann dir hunderte Euro im Monat sichern, die dir zustehen.

Wie stellst du den Antrag auf Grundsicherung?

Der Weg zur Grundsicherung ist unkomplizierter, als viele fürchten. Du brauchst keinen Anwalt und keine Vorkenntnisse, nur ein paar Unterlagen und etwas Geduld. Wichtig: Die Leistung wird ab dem Monat gezahlt, in dem dein Antrag eingeht, nicht rückwirkend. Warte also nicht zu lange.

  1. Unterlagen sammeln: Rentenbescheid, Mietvertrag, letzte Nebenkostenabrechnung, Kontoauszüge der letzten Monate und den Nachweis über dein Vermögen.
  2. Antragsformular besorgen, entweder beim Sozialamt deiner Stadt oder online auf deren Webseite. Viele Kommunen haben es zum Herunterladen.
  3. Beratung nutzen: Lass dir beim VdK, SoVD oder bei einem Wohlfahrtsverband beim Ausfüllen helfen. Das ist kostenlos und verhindert Fehler.
  4. Antrag einreichen und Eingang bestätigen lassen. Notiere dir das Datum, denn ab diesem Tag läuft der Anspruch.
  5. Bescheid prüfen. Wenn etwas nicht stimmt, kannst du innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Auch dabei helfen die Beratungsstellen.

Häufige Fragen

Müssen meine Kinder für meine Grundsicherung im Alter zahlen?

Nein, deine Kinder müssen für deine Grundsicherung im Alter in aller Regel nicht zahlen. Seit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz von 2020 greift das Sozialamt nur dann auf ein Kind zu, wenn dieses mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr verdient. Das Amt fragt das Einkommen deiner Kinder auch nicht mehr routinemäßig ab.

Ab welcher Rente habe ich Anspruch auf Grundsicherung im Alter?

Eine feste Rentengrenze für die Grundsicherung im Alter gibt es nicht. Entscheidend ist, ob dein gesamtes Einkommen unter deinem Bedarf liegt. Der Bedarf besteht aus dem Regelbedarf von 563 Euro plus deinen Wohnkosten. Bei einer Miete von 500 Euro liegt der Bedarf also schon bei rund 1.063 Euro, und eine Rente darunter kann Anspruch begründen.

Wird mein Erspartes bei der Grundsicherung angerechnet?

Bei der Grundsicherung bleibt ein Schonvermögen von 10.000 Euro pro Person unangetastet. Alles darüber musst du zuerst aufbrauchen. Dein selbst bewohntes Haus oder deine Eigentumswohnung zählen nicht dazu, solange sie angemessen groß sind. Ein Auto in üblichem Wert bleibt ebenfalls geschützt.

Lohnt sich Wohngeld auch bei 1.400 Euro Rente?

Wohngeld kann sich auch bei 1.400 Euro Rente lohnen, vor allem in Städten mit hohen Mieten. Seit 2025 sind die Einkommensgrenzen deutlich gestiegen. Ob es für dich reicht, hängt von deiner Miete und der Mietstufe deines Ortes ab. Ein kostenloser Wohngeldrechner deines Bundeslandes gibt dir in wenigen Minuten eine erste Antwort.

Was ist der Unterschied zwischen Grundrente und Grundsicherung?

Die Grundrente ist ein Zuschlag auf deine eigene gesetzliche Rente für lange Versicherte und wird automatisch von der Rentenversicherung geprüft. Die Grundsicherung dagegen ist eine bedarfsgeprüfte Sozialleistung des Sozialamts, die du selbst beantragen musst. Wer die Grundrente bekommt, aber trotzdem zu wenig hat, kann zusätzlich Grundsicherung beantragen.

Bekomme ich die Grundsicherung rückwirkend?

Die Grundsicherung im Alter wird ab dem Ersten des Monats gezahlt, in dem dein Antrag beim Sozialamt eingeht. Eine Zahlung für die Vergangenheit gibt es nicht. Deshalb solltest du den Antrag stellen, sobald du merkst, dass die Rente nicht reicht, und nicht erst am Monatsende.

Quellen

  1. Deutsche Rentenversicherung, Grundsicherung und Grundrente deutsche-rentenversicherung.de
  2. Verbraucherzentrale, Wohngeld und Grundsicherung im Alter verbraucherzentrale.de
  3. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung bmas.de

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