Helfer in der Krise

Einen persönlichen Notfallplan für Krisen erstellen

Geprüft von der Redaktion

Einen persönlichen Notfallplan für Krisen erstellen
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Sicherheitsplan ist eine schriftliche, persönliche Anleitung für den Moment einer Krise, erstellt zu einem Zeitpunkt, an dem es einem noch vergleichsweise gut geht.
  • Er besteht aus sechs Bausteinen: eigene Warnzeichen, eigene Bewältigungsstrategien, ablenkende Menschen und Orte, Kontakte zum Um-Hilfe-Bitten, professionelle Anlaufstellen und ein sicherer Umgang mit gefährlichen Mitteln.
  • Am wirksamsten wird der Plan, wenn er gemeinsam mit einer vertrauten Person oder einer Fachkraft entsteht, nicht allein am Küchentisch.
  • Griffbereit heißt: im Portemonnaie, als Foto auf dem Smartphone oder an einem festen Ort, den man auch in einer Krise noch findet.
  • Bei akuter Gefahr oder Suizidgedanken ist sofort Hilfe erreichbar: TelefonSeelsorge 116 123, im Notfall 112.

Was ein Sicherheitsplan ist und wofür er gilt

Ein Sicherheitsplan ist ein kurzes, persönliches Schriftstück, das festhält, was in einer beginnenden Krise zu tun ist, bevor die Krise selbst das klare Denken erschwert. Er gilt für Situationen, in denen sich innerer Druck, Verzweiflung oder Suizidgedanken aufbauen, und ersetzt in diesem Moment die Überlegung, die dann sonst schwerfällt.

Der Plan wirkt wie eine Landkarte für einen Weg, den man vorher schon einmal gedacht hat. In der Krise selbst ist die Fähigkeit, neue Lösungen zu finden, oft stark eingeschränkt, weil sich die Aufmerksamkeit auf den akuten Schmerz verengt. Ein Sicherheitsplan verlagert die schwierigste Denkarbeit in eine ruhigere Phase und macht sie damit in der Krise überflüssig: Man muss nur noch die eigene Liste abarbeiten, nicht mehr unter Druck neu erfinden, was jetzt helfen könnte.

Warum ein Sicherheitsplan in ruhigen Zeiten entsteht

Ein Sicherheitsplan entsteht in ruhigen Zeiten, weil sich mitten in einer akuten Krise weder Warnzeichen zuverlässig erkennen noch Bewältigungsstrategien frei erfinden lassen. Die Vorbereitung braucht einen Kopf, der noch abwägen und formulieren kann.

Das unterscheidet den Sicherheitsplan von einem spontanen Vorsatz wie "Ich rufe dann schon jemanden an." Solche Vorsätze klingen in ruhigen Momenten einleuchtend und verschwinden in der Krise meist als Erstes, weil genau die Fähigkeit fehlt, die sie voraussetzen: sich an eine gute Idee zu erinnern und sie umzusetzen. Ein aufgeschriebener Plan braucht diese Fähigkeit nicht in gleichem Maß, weil er nur noch gelesen und befolgt werden muss. Wer schon einmal eine schwere Krise durchgemacht hat, kennt zudem die eigenen Muster besser als jede allgemeine Empfehlung, und genau dieses Wissen fließt in den eigenen Plan ein.

Die sechs Bausteine eines Sicherheitsplans

Ein vollständiger Sicherheitsplan besteht aus sechs Bausteinen: persönliche Warnzeichen, eigene Bewältigungsstrategien, ablenkende Menschen und Orte, Kontakte zum Um-Hilfe-Bitten, professionelle Anlaufstellen und Maßnahmen, die den Zugang zu gefährlichen Mitteln erschweren. Jeder Baustein baut auf dem vorherigen auf und wird erst genutzt, wenn die einfacheren Schritte nicht ausreichen.

Die Reihenfolge ist bewusst gewählt: Wer die eigenen Warnzeichen früh erkennt, kann oft schon mit einer eigenen Strategie gegensteuern, bevor überhaupt jemand anderes eingeschaltet werden muss. Reicht das nicht, folgen Ablenkung und soziale Nähe, dann der gezielte Griff zum Telefon, sei es zu einer Vertrauensperson oder zu einer professionellen Stelle. Der letzte Baustein, der sichere Umgang mit der Umgebung, greift unabhängig von der Reihenfolge immer dann, wenn eine akute Gefahr besteht.

1Warnzeichen erkennen2Bewältigung notieren3Kontakte festhalten4Umgebung sichern
Einen persönlichen Notfallplan erstellen. Bild: KI generiert.

Was in jeden Baustein konkret hineingehört

Jeder der sechs Bausteine wird mit eigenen, möglichst konkreten Einträgen gefüllt, keine allgemeinen Floskeln, sondern das, was für die eigene Situation tatsächlich zutrifft. Die folgende Übersicht zeigt zu jedem Baustein, welche Art von Eintrag hineingehört und ein Beispiel dafür.

BausteinWas er festhältBeispielhafter Eintrag
Persönliche WarnzeichenGedanken, Gefühle oder Verhalten, die eine Krise ankündigenRückzug von Freunden, Schlaflosigkeit, kreisende Gedanken
Eigene BewältigungWas ohne andere Menschen hilftMusik hören, Spaziergang, Tagebuch schreiben
Ablenkende Menschen und OrteKontakte oder Umgebungen, die guttun, ohne über die Krise zu sprechenCafé mit Bekannten, ein bestimmter Park, ein Familientreffen
Kontakte zum Um-Hilfe-BittenPersonen, die über die Krise selbst Bescheid wissen dürfenName und Telefonnummer von zwei bis drei Vertrauenspersonen
Professionelle AnlaufstellenFachliche Hilfe, die rund um die Uhr oder tagsüber erreichbar istBehandelnde Praxis, TelefonSeelsorge, zuständige Klinik
Umgang mit der UmgebungWas den Zugang zu gefährlichen Mitteln erschwertMedikamente bei einer anderen Person hinterlegen

Wie und mit wem der Plan entsteht

Ein Sicherheitsplan entsteht am wirksamsten im Gespräch, gemeinsam mit einer Vertrauensperson, einer Therapeutin oder einer Beratungsstelle, statt allein am Schreibtisch. Ein Gegenüber stellt Fragen, die man sich selbst oft nicht stellt, und hilft dabei, allgemeine Sätze durch konkrete Einträge zu ersetzen.

Wer keine Therapeutin oder keinen Therapeuten hat, kann den Plan trotzdem beginnen, etwa mit einer Vertrauensperson aus der Familie oder dem Freundeskreis, und ihn später mit einer Fachkraft ergänzen. Wichtig ist, ehrlich zu bleiben: Ein Plan, der nur das aufschreibt, was gut klingt, hilft in der echten Krise wenig. Bewältigungsstrategien, die schon einmal tatsächlich funktioniert haben, gehören hinein, auch wenn sie ungewöhnlich klingen, und Kontakte, die wirklich erreichbar sind, nicht nur solche, die theoretisch infrage kämen.

Wo der Plan griffbereit bleibt

Ein Sicherheitsplan nützt nur, wenn er im entscheidenden Moment tatsächlich zur Hand ist, deshalb gehört er an einen Ort, der auch in einer Krise noch erreichbar ist. Das Portemonnaie, ein Foto auf dem Smartphone oder eine feste Stelle zu Hause sind bewährte Orte dafür.

Manche legen den Plan zusätzlich bei einer Vertrauensperson ab, damit auch diese weiß, was im Ernstfall zu tun ist. Der Plan darf und sollte überarbeitet werden, sobald sich Warnzeichen, Kontakte oder Strategien ändern, etwa nach einem Umzug oder einem Wechsel der behandelnden Praxis. Ein veralteter Plan mit falschen Telefonnummern verliert in der Krise genau den Wert, den er eigentlich haben soll.

Verbreitete Irrtümer über Sicherheitspläne

Einige Annahmen halten Menschen davon ab, überhaupt einen Sicherheitsplan zu erstellen, obwohl er in leichteren wie in schweren Situationen gleichermaßen hilft.

  • "Das ist nur für sehr schwere Fälle." Ein Sicherheitsplan hilft bereits bei wiederkehrender starker Belastung, nicht erst, wenn eine Krise lebensbedrohlich wird. Je früher er existiert, desto eher lässt sich eine Zuspitzung abfangen.
  • "Wer einen Plan braucht, ist schwach." Ein Sicherheitsplan ist eine Vorbereitung, keine Schwäche, vergleichbar mit einem Erste-Hilfe-Set, das hoffentlich nie gebraucht wird. Vorsorge und Verletzlichkeit sind zwei unterschiedliche Dinge.
  • "Einmal erstellt, gilt der Plan für immer." Warnzeichen, Kontakte und wirksame Strategien verändern sich mit der Zeit. Ein Plan, der nicht aktualisiert wird, verliert genau in dem Moment an Wert, in dem er gebraucht wird.
  • "Ein Plan im Kopf reicht genauso gut." In einer akuten Krise ist das Erinnerungsvermögen eingeschränkt. Ein aufgeschriebener Plan übernimmt dann die Denkarbeit, die im Kopf allein nicht mehr zuverlässig funktioniert.

Die ersten Schritte beim Erstellen deines Sicherheitsplans

  1. Schreib in Ruhe auf, an welchen Gedanken, Gefühlen oder Verhaltensweisen du merkst, dass eine Krise beginnt.
  2. Notiere zwei bis drei eigene Strategien, die dir schon einmal geholfen haben, ohne dass jemand anderes eingebunden war.
  3. Trag Menschen und Orte ein, die dich ablenken, auch ohne über die Krise zu sprechen.
  4. Sammle Namen und Telefonnummern von Vertrauenspersonen und professionellen Anlaufstellen, einschließlich der TelefonSeelsorge.
  5. Überlege, was den Zugang zu gefährlichen Mitteln in einer akuten Krise erschweren kann, und leg den fertigen Plan an einem griffbereiten Ort ab.

Wenn du in akuter Gefahr bist oder daran denkst, dir das Leben zu nehmen, hol dir jetzt Hilfe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar, auch per Chat und Mail. In akuter Lebensgefahr wähle sofort die 112. Du musst das nicht allein durchstehen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem Sicherheitsplan und einem Krisenplan?

Sicherheitsplan und Krisenplan werden häufig als Synonyme verwendet und meinen beide ein schriftliches Vorgehen für eine beginnende Krise. Manche Fachstellen nutzen "Krisenplan" eher für Rückfälle bei einer bekannten Erkrankung wie Depression und "Sicherheitsplan" eher für akute Suizidgedanken, eine einheitliche Abgrenzung gibt es aber nicht.

Muss ich einen Sicherheitsplan mit einer Fachperson erstellen?

Ein Sicherheitsplan wirkt am besten, wenn er gemeinsam mit einer Therapeutin, einem Arzt oder einer Beratungsstelle entsteht, lässt sich aber auch zunächst mit einer Vertrauensperson beginnen. Wichtig ist, ihn später bei Gelegenheit fachlich zu ergänzen.

Wie oft sollte ich meinen Sicherheitsplan überarbeiten?

Ein Sicherheitsplan sollte überarbeitet werden, sobald sich Warnzeichen, Kontakte oder wirksame Strategien ändern, zum Beispiel nach einem Umzug oder einem Wechsel der behandelnden Praxis. Veraltete Telefonnummern oder Namen mindern den Nutzen des Plans erheblich.

Was gehört in den Baustein der eigenen Bewältigungsstrategien?

In diesen Baustein gehören Tätigkeiten, die ohne andere Menschen bereits einmal geholfen haben, etwa Musik hören, ein Spaziergang oder Schreiben. Entscheidend ist, dass die Strategie tatsächlich schon funktioniert hat, nicht nur theoretisch sinnvoll klingt.

Warum ist der Zugang zu gefährlichen Mitteln ein eigener Baustein?

Der Zugang zu gefährlichen Mitteln ist ein eigener Baustein, weil eine akute Krise oft nur kurz andauert und weniger gefährlich verläuft, wenn in dieser Zeit kein schneller Zugriff auf ein Mittel besteht. Das kann bedeuten, Medikamente vorübergehend bei einer anderen Person zu hinterlegen.

Kann ich einen Sicherheitsplan auch für eine andere Person mitgestalten?

Ja, Angehörige können beim Erstellen unterstützen, indem sie zuhören, Fragen stellen und beim Sammeln von Kontakten helfen, die eigentlichen Einträge sollten aber von der betroffenen Person selbst kommen. Der Plan gehört ihr, nicht der unterstützenden Person.

Was mache ich, wenn ich in der Krise meinen Plan nicht finde?

Wenn der Plan nicht griffbereit ist, gilt derselbe erste Schritt wie immer: die TelefonSeelsorge unter 116 123 anrufen oder eine Vertrauensperson kontaktieren. Genau für diesen Fall lohnt es sich, den Plan zusätzlich als Foto auf dem Smartphone zu speichern.

Ersetzt ein Sicherheitsplan eine Therapie?

Nein, ein Sicherheitsplan ersetzt keine Therapie, sondern überbrückt den akuten Moment einer Krise. Er wird häufig als Baustein innerhalb einer laufenden Behandlung erstellt und ergänzt sie, ohne sie zu ersetzen.

Quellen

  1. Informationen zu Frühwarnzeichen und Krisenplan bei Depression. deutsche-depressionshilfe.de
  2. Informationen zu akuten psychischen Krisen und Notfallplänen. neurologen-und-psychiater-im-netz.org
  3. TelefonSeelsorge Deutschland, Informationen zu Krisen und Kontaktwegen rund um die Uhr. telefonseelsorge.de

Verwandte Ratgeber aus Soforthilfe

Weitere Artikel zum selben Themenbereich, die dir hier weiterhelfen können.