Helfer in der Krise

Was in einer akuten seelischen Krise hilft

Geprüft von der Redaktion

Was in einer akuten seelischen Krise hilft
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • In einer akuten seelischen Krise hat deine Sicherheit Vorrang vor allem anderen. Bei akuter Lebensgefahr wählst du sofort die 112.
  • Bleib nicht allein. Ruf eine Person deines Vertrauens an oder die TelefonSeelsorge unter 116 123, kostenlos, anonym und rund um die Uhr erreichbar.
  • Senke Reize, wo es geht: weniger Licht, weniger Geräusch und ein ruhiger Raum helfen deinem Körper, sich zu beruhigen.
  • Plane nur den nächsten kleinen Schritt, nicht den ganzen Tag und nicht die ganze Woche.
  • Eine akute Krise erreicht meist innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen ihren Höhepunkt und klingt danach ab. Sie ist ein vorübergehender Zustand, kein Dauerzustand.

Was eine akute seelische Krise ist

Eine akute seelische Krise ist der plötzliche Verlust des inneren Gleichgewichts, wenn eine Situation die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten gerade übersteigt. Neurologen und Psychiater im Netz beschreiben sie als den Moment, in dem Menschen "das innere Gleichgewicht" verlieren, weil sie mit Umständen konfrontiert sind, "die sie momentan nicht bewältigen können". Auslöser sind vielfältig: ein Verlust, eine Trennung, eine plötzliche Überforderung, ein belastendes Erlebnis oder eine bestehende psychische Erkrankung, die sich gerade zuspitzt.

In dieser Phase geraten Denken und Fühlen aus der gewohnten Bahn. Gedanken kreisen oder lassen sich nicht mehr zu Ende denken. Gefühle wie Angst, Wut, Verzweiflung oder Einsamkeit können übermächtig werden, während andere Empfindungen kaum noch spürbar sind. Das ist kein Zeichen von Schwäche und keine seltene Ausnahme. Fast jeder Mensch erlebt irgendwann eine Phase, in der die eigenen Mittel für den Moment nicht mehr ausreichen, egal wie stabil das Leben sonst wirkt.

Sicherheit hat in der akuten Krise Vorrang

Die erste Frage in jeder akuten Krise lautet, ob du oder eine andere Person in diesem Moment in Gefahr ist. Erst wenn diese Frage geklärt ist, wird alles Weitere wichtig, das Reden, das Beruhigen, das Planen. Wenn du daran denkst, dir selbst etwas anzutun, oder wenn jemand anderes akut gefährdet ist, ruf sofort die TelefonSeelsorge unter 116 123 an oder wähle bei unmittelbarer Lebensgefahr die 112.

Sicherheit heißt konkret: gefährliche Gegenstände, Medikamente in größerer Menge oder Alkohol außer Reichweite bringen, wenn möglich gemeinsam mit einer anderen Person. Es kann auch heißen, den Ort zu wechseln, wenn genau dieser Ort die Krise verschärft, etwa von einer Brücke, einem Bahnsteig oder einer Autobahnbrücke wegzugehen. Sicherheit ist keine Nebensache. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass jeder weitere Schritt überhaupt wirken kann.

Warum du in der Krise nicht allein bleiben solltest

Allein bleiben verstärkt eine akute Krise fast immer, weil kreisende Gedanken ohne ein Gegenüber noch schneller kreisen. Ruf eine Person an, der du vertraust, aus der Familie, aus dem Freundeskreis oder aus der Nachbarschaft. Wenn niemand aus deinem Umfeld erreichbar ist oder du lieber mit einer fremden, geschulten Person sprichst, ist genau dafür die TelefonSeelsorge da. Sie ist unter 116 123 sowie unter 0800/1110111 und 0800/1110222 rund um die Uhr, kostenlos und anonym erreichbar, zusätzlich per Chat und Mail über online.telefonseelsorge.de. Mehr als 7.700 Ehrenamtliche tragen dieses Angebot bundesweit.

Am Telefon musst du nichts vorbereiten und nichts richtig sagen. Es reicht, den Hörer abzunehmen und zu sagen, dass es dir gerade schlecht geht. Die TelefonSeelsorge klärt gemeinsam mit dir die Situation, ohne dich zu bewerten, und zeigt bei Bedarf weitere Anlaufstellen auf. Für ein solches Gespräch brauchst du keinen Namen, keine Diagnose und keine fertige Erklärung, warum es dir so geht, wie es dir geht.

Wie du Reizüberflutung in der akuten Krise senkst

Reizüberflutung senkst du, indem du Licht, Geräusche und Anforderungen so weit wie möglich reduzierst, bis dein Nervensystem sich beruhigen kann. Ein akut belastetes Nervensystem verarbeitet weniger als sonst, nicht mehr. Ein heller, lauter oder voller Raum kostet in diesem Zustand zusätzliche Kraft, die dir gerade fehlt.

Was in der Praxis hilft: das Licht dimmen oder in einen ruhigeren Raum wechseln, das Handy für alles außer dem einen wichtigen Anruf stumm schalten, Bildschirme für den Moment weglassen. Manchen Menschen hilft eine feste Decke oder ein warmes Getränk als körperlicher Ankerpunkt, anderen ein vertrautes Geräusch oder ein bestimmter Geruch. Bewusst und langsam ausatmen, deutlich länger als einatmen, wirkt unmittelbar auf das vegetative Nervensystem und kann Anspannung innerhalb weniger Minuten senken. Keine dieser Maßnahmen löst die Ursache der Krise. Sie schaffen aber den Raum, in dem der nächste Schritt überhaupt möglich wird.

1Sicherheit zuerst2Reizüberflutung senken3Mit jemandem sprechen4Nächsten Schritt planen
Was in einer akuten seelischen Krise hilft. Bild: KI generiert.

Wohin du dich in der akuten Krise sofort wenden kannst

Welche Anlaufstelle in der akuten Krise richtig ist, hängt davon ab, ob akute Gefahr besteht, ob du in erster Linie reden möchtest oder ob etwas medizinisch geklärt werden muss. Die folgende Übersicht nennt die wichtigsten Stellen mit Nummer und Zuständigkeit auf einen Blick.

AnlaufstelleNummerWann geeignet
Notruf112Akute Lebensgefahr, akute Selbst- oder Fremdgefährdung
TelefonSeelsorge116 123Reden, akut oder über längere Zeit, kostenlos und anonym
Ärztlicher Bereitschaftsdienst116 117Dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten
Sozialpsychiatrischer Dienst, Krisendienstje nach RegionPersönliche Beratung, mobile Hilfe vor Ort, Vermittlung in Behandlung
Psychiatrische Notaufnahmevor OrtDirekte fachärztliche Einschätzung, auch ohne Termin

Wann aus einer seelischen Krise ein Notfall wird

Aus einer seelischen Krise wird ein Notfall, sobald akute Selbst- oder Fremdgefährdung, ein Verlust des Realitätsbezugs oder eine körperliche Erregung dazukommen, die du nicht mehr kontrollieren kannst. In diesem Moment reicht ein Gespräch allein nicht mehr aus, und du brauchst sofort professionelle Hilfe, keine Warteschleife und keinen Termin in ein paar Tagen.

Typische Anzeichen dafür sind konkrete Gedanken oder Pläne, sich selbst etwas anzutun, das Gefühl, die Kontrolle vollständig zu verlieren, Stimmen zu hören oder Dinge wahrzunehmen, die andere nicht wahrnehmen, oder eine Verwirrtheit, die sich einfach nicht mehr auflöst. In all diesen Fällen zählt nicht das Abwarten. Ruf sofort die 112, oder wenn noch Zeit für ein Gespräch bleibt, die TelefonSeelsorge, die dich bei Bedarf direkt weitervermittelt.

Warum eine Krise kein Dauerzustand ist

Eine akute seelische Krise ist ein zeitlich begrenzter Ausnahmezustand, kein Beweis dafür, wie dein Leben von nun an aussieht. Die meisten akuten Krisen erreichen innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen ihren Höhepunkt und flauen danach ab, besonders wenn in dieser Zeit Unterstützung da ist. Das ändert nichts daran, wie schwer der Moment gerade wiegt. Es ist aber ein Grund, jetzt durchzuhalten und Hilfe anzunehmen, statt eine endgültige Entscheidung zu treffen, während der Kopf am wenigsten klar ist.

Nach der akuten Phase folgt in der Regel eine Phase, in der sich klären lässt, was als Nächstes trägt: ein Gespräch beim Hausarzt oder bei einer Psychotherapeutin, eine längerfristige Begleitung durch den Sozialpsychiatrischen Dienst, oder schlicht mehr Ruhe und Zeit. Der akute Moment und die nächsten Wochen sind zwei verschiedene Aufgaben. In der akuten Phase zählt nur die erste, alles andere kann warten.

Die ersten Schritte in einer akuten seelischen Krise

  1. Prüfe deine Sicherheit. Bring gefährliche Gegenstände außer Reichweite und wechsle den Ort, wenn er die Krise verschärft.
  2. Ruf eine Person an, der du vertraust, oder die TelefonSeelsorge unter 116 123.
  3. Senke Reize: dimm das Licht, schalte das Handy stumm, such einen ruhigen Raum auf.
  4. Atme bewusst und langsam aus, deutlich länger als du einatmest, bis die körperliche Anspannung sinkt.
  5. Leg den nächsten kleinen Schritt fest, zum Beispiel einen Termin beim Hausarzt oder ein weiteres Telefonat am nächsten Morgen.

Wenn du in akuter Gefahr bist oder daran denkst, dir das Leben zu nehmen, hol dir jetzt Hilfe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar, auch per Chat und Mail. In akuter Lebensgefahr wähle sofort die 112. Du musst das nicht allein durchstehen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einer akuten seelischen Krise und einem psychiatrischen Notfall?

Eine akute seelische Krise ist ein vorübergehender Verlust des inneren Gleichgewichts, den ein Gespräch oder etwas Ruhe oft schon lindert. Ein psychiatrischer Notfall liegt vor, sobald akute Selbst- oder Fremdgefährdung, ein Realitätsverlust oder eine starke Erregung dazukommen, die sofortige fachärztliche Hilfe erfordern.

Wie erreiche ich die TelefonSeelsorge?

Die TelefonSeelsorge ist unter 116 123 sowie unter 0800/1110111 und 0800/1110222 rund um die Uhr kostenlos erreichbar, dazu per Chat und Mail über online.telefonseelsorge.de. Der Anruf ist anonym und erscheint nicht auf deiner Telefonrechnung.

Was tue ich, wenn eine andere Person gerade in akuter Gefahr ist?

Bleib bei der Person, sprich ruhig mit ihr und bring gefährliche Gegenstände außer Reichweite, wenn das ohne Risiko für dich möglich ist. Ruf parallel die 112 oder gemeinsam mit der Person die TelefonSeelsorge an. Lass die Person nicht allein, bis Hilfe eingetroffen ist.

Wie lange dauert eine akute seelische Krise normalerweise?

Eine akute seelische Krise erreicht meist innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen ihren Höhepunkt und klingt danach ab, vor allem mit Unterstützung. Das ist ein grober Richtwert. Manche Krisen sind kürzer, andere ziehen sich länger hin, besonders wenn eine unbehandelte psychische Erkrankung dahintersteht.

Muss ich für die TelefonSeelsorge ein konkretes Problem benennen können?

Nein, du musst kein konkretes Problem benennen können, um die TelefonSeelsorge anzurufen. Es reicht zu sagen, dass es dir gerade schlecht geht. Die Beraterinnen und Berater helfen dabei, die Situation gemeinsam mit dir zu ordnen, ganz ohne Vorbereitung.

Was kann ich selbst tun, um Reizüberflutung in der Krise zu senken?

Du senkst Reizüberflutung, indem du Licht und Geräusche reduzierst, das Handy bis auf den einen wichtigen Anruf stumm schaltest und, wenn möglich, einen ruhigeren Raum aufsuchst. Langsames Ausatmen, deutlich länger als das Einatmen, wirkt zusätzlich beruhigend auf den Körper.

Ist es normal, in einer akuten Krise nicht klar denken zu können?

Ja, in einer akuten Krise ist eingeschränktes klares Denken normal, weil Anspannung und starke Gefühle die Konzentration binden. Genau deshalb hilft es, nur den nächsten kleinen Schritt zu planen, statt eine langfristige Entscheidung zu treffen.

Was mache ich, wenn ich die 116 123 einmal nicht erreiche?

Wenn die TelefonSeelsorge einmal besetzt ist, versuch es nach kurzer Zeit erneut oder wechsle auf den Chat unter online.telefonseelsorge.de. Bei akuter Gefahr wartest du nicht auf einen freien Platz, sondern wählst sofort die 112.

Quellen

  1. Definition und Anzeichen einer akuten psychischen Krise, Sofortmaßnahmen und Anlaufstellen. neurologen-und-psychiater-im-netz.org
  2. Anlaufstellen bei psychischen Krisen, nationales Gesundheitsportal. gesund.bund.de
  3. Erreichbarkeit, Kosten und Angebote der TelefonSeelsorge. telefonseelsorge.de

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