Helfer in der Krise

Wohin in der akuten Krise

Geprüft von der Redaktion

Wohin in der akuten Krise
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei akuter Lebensgefahr wählst du immer zuerst die 112, unabhängig davon, welche andere Anlaufstelle sonst infrage käme.
  • Für ein Gespräch in der Krise ist die TelefonSeelsorge unter 116 123 rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar.
  • Für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 zuständig.
  • Ein Krisendienst oder Sozialpsychiatrischer Dienst berät persönlich, schätzt die Gefährdung ein und vermittelt weiter, auch mobil vor Ort.
  • Für gesetzlich Versicherte sind fast alle diese Wege kostenfrei oder mit sehr geringer Zuzahlung verbunden.

Welche Anlaufstelle in der akuten Krise die richtige ist

Die richtige Anlaufstelle in der akuten Krise richtet sich danach, wie dringend die Situation ist und was du gerade brauchst: reden, eine medizinische Einschätzung oder sofortige Rettung. Fünf Stellen decken zusammen fast jede Situation ab: die TelefonSeelsorge zum Reden, der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117 für dringende, nicht lebensbedrohliche Fälle, der Krisendienst oder Sozialpsychiatrische Dienst für eine fachliche Einschätzung vor Ort, die psychiatrische Institutsambulanz oder Notaufnahme für die direkte fachärztliche Behandlung, und die 112 für den akuten Notfall.

Wer unsicher ist, welche Stelle passt, kann fast immer mit der TelefonSeelsorge oder dem Krisendienst beginnen. Beide ordnen die Situation gemeinsam mit dir ein und vermitteln bei Bedarf direkt an die nächste passende Stelle weiter, sodass du diese Entscheidung nicht allein treffen musst.

Wann die TelefonSeelsorge die richtige Anlaufstelle ist

Die TelefonSeelsorge ist die richtige Anlaufstelle, wenn du in erster Linie reden möchtest, egal ob die Krise gerade akut ist oder sich über längere Zeit aufgebaut hat. Sie ist unter 116 123 sowie unter 0800/1110111 und 0800/1110222 rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar, zusätzlich per Chat und Mail über online.telefonseelsorge.de. Du musst dafür weder deinen Namen nennen noch eine Diagnose haben.

Die TelefonSeelsorge ersetzt keine medizinische Behandlung und stellt keine Diagnosen. Braucht die Situation mehr als ein Gespräch, etwa eine fachärztliche Einschätzung oder eine akute Rettung, weist sie dich auf die passende nächste Stelle hin. Getragen wird das Angebot von mehr als 7.700 Ehrenamtlichen bundesweit, in Kooperation mit der Deutschen Bischofskonferenz und der Diakonie Deutschland.

Wann der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 zuständig ist

Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 ist zuständig, wenn eine gesundheitliche Beschwerde dringend, aber nicht lebensbedrohlich ist und nicht bis zum nächsten regulären Praxistermin warten kann. Das betrifft auch psychische Beschwerden, etwa eine plötzliche Verschlechterung außerhalb der Sprechzeiten deines Haus- oder Facharztes, wenn keine unmittelbare Gefahr besteht.

Der Patientenservice 116 117 ist rund um die Uhr per Telefon, über die Website 116117.de und per App erreichbar, auch an Wochenenden und Feiertagen, und der Anruf ist kostenfrei. Er vermittelt entweder in eine nahegelegene Bereitschaftspraxis oder schickt bei Bedarf einen Bereitschaftsarzt vorbei. Wichtig ist die klare Abgrenzung zur 112: Wer lebensbedrohlich gefährdet ist, ruft nicht die 116 117, sondern direkt die 112, auch wenn beide Systeme mittlerweile technisch miteinander verbunden sind.

Wann ein Krisendienst oder Sozialpsychiatrischer Dienst hilft

Ein Krisendienst oder Sozialpsychiatrischer Dienst hilft, wenn du eine fachliche Einschätzung der Situation brauchst, die über ein reines Gespräch hinausgeht, aber noch keine akute Lebensgefahr besteht. Beide sind auf psychische Krisen spezialisiert, arbeiten mit geschultem Fachpersonal und können bei Bedarf ein mobiles Team vorbeischicken.

Wie ein solcher Dienst genau heißt und wie er erreichbar ist, unterscheidet sich je nach Bundesland und Kommune. In Bayern ist der Krisendienst unter der kostenfreien Nummer 0800 655 3000 an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr erreichbar. In Berlin steht der Berliner Krisendienst an neun Standorten täglich von 16 bis 24 Uhr telefonisch und vor Ort zur Verfügung, tagsüber unter der jeweiligen Regionalnummer, nachts und am Wochenende über einen überregionalen Bereitschaftsdienst. In Regionen ohne eigenen Krisendienst übernimmt der Sozialpsychiatrische Dienst der Stadt oder des Landkreises diese Aufgabe, erreichbar über das örtliche Gesundheitsamt.

Wann eine psychiatrische Institutsambulanz oder Notaufnahme richtig ist

Eine psychiatrische Institutsambulanz oder Notaufnahme ist richtig, wenn eine direkte fachärztliche Untersuchung nötig ist, sei es geplant über die Ambulanz oder akut über die Notaufnahme einer psychiatrischen Klinik. Die psychiatrische Institutsambulanz behandelt nach Paragraf 118 des Fünften Sozialgesetzbuchs Menschen, die wegen Art, Schwere oder Dauer ihrer Erkrankung ein krankenhausnahes Versorgungsangebot brauchen, oft im Anschluss an einen Klinikaufenthalt oder wenn eine niedergelassene Praxis nicht ausreicht.

Die Notaufnahme einer psychiatrischen Klinik ist dagegen ohne Termin erreichbar und für akute Situationen gedacht, in denen sofort jemand fachärztlich hinschauen muss, die aber keinen Rettungswagen erfordern. Dorthin kannst du selbst gehen oder fahren, wenn die betroffene Person ansprechbar und einverstanden ist. Ist das nicht der Fall oder besteht akute Gefahr, ruf stattdessen die 112.

Wann du sofort die 112 wählen musst

Du musst sofort die 112 wählen, wenn akute Lebensgefahr besteht, etwa bei konkreten Suizidplänen, schwerer Selbstverletzung oder wenn eine Person andere ernsthaft gefährdet. Die 112 ist europaweit einheitlich, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar, auch aus dem Mobilfunknetz ohne Guthaben.

Der Rettungsdienst bringt die betroffene Person direkt in eine geeignete Klinik und ist auf psychiatrische Notfälle vorbereitet, auch wenn keine sichtbare körperliche Verletzung vorliegt. Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu oft die 112 wählen als einmal zu spät. Niemand wird dir vorwerfen, in einer unklaren Situation vorsichtshalber Hilfe gerufen zu haben.

KrisendienstÄrztlicherBereitschaftsdienstNotaufnahme
Wohin in der akuten Krise. Bild: KI generiert.

Alle Anlaufstellen im Überblick

Die folgende Tabelle stellt alle fünf Anlaufstellen mit Nummer, Erreichbarkeit und Zuständigkeit direkt gegenüber, damit du auf einen Blick siehst, wohin dein Anliegen gehört.

AnlaufstelleNummerErreichbarkeitZuständig für
Notruf112Rund um die Uhr, europaweitAkute Lebensgefahr, akute Selbst- oder Fremdgefährdung
TelefonSeelsorge116 123Rund um die Uhr, dazu Chat und MailReden in der Krise, kostenlos und anonym
Ärztlicher Bereitschaftsdienst116 117Rund um die Uhr, auch an FeiertagenDringende, nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten
Krisendienst, Sozialpsychiatrischer Dienstje nach RegionMeist rund um die Uhr oder zu festen ZeitenFachliche Einschätzung, Beratung, mobile Hilfe vor Ort
Psychiatrische Institutsambulanz, Notaufnahmevor OrtAmbulanz nach Termin, Notaufnahme ohne TerminDirekte fachärztliche Untersuchung und Behandlung

Was eine Anlaufstelle in der Krise kostet und wie lange du wartest

Für gesetzlich Versicherte sind die TelefonSeelsorge, der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117, Krisendienste und die 112 vollständig kostenfrei. Ein Rettungswageneinsatz löst nur dann eine geringe gesetzliche Zuzahlung aus, wenn er zu einer stationären Aufnahme führt: höchstens 10 Euro je Fahrt nach Paragraf 61 des Fünften Sozialgesetzbuchs, und bei einem anschließenden Krankenhausaufenthalt zusätzlich 10 Euro pro Tag, begrenzt auf 28 Tage im Kalenderjahr. Wer von Zuzahlungen befreit ist, zahlt auch hier nichts.

Die Wartezeit unterscheidet sich stark je nach Weg. Am Telefon bei der TelefonSeelsorge oder einem Krisendienst wartest du in der Regel nur wenige Minuten, in Spitzenzeiten manchmal länger, dann hilft ein zweiter Versuch. Der ärztliche Bereitschaftsdienst vermittelt meist innerhalb weniger Stunden einen Termin oder einen Hausbesuch. Eine psychiatrische Notaufnahme sichtet Fälle nach Dringlichkeit, sodass eine akute Gefährdung sofort behandelt wird, während weniger dringende Anliegen länger warten können. Bei einem Anruf über die 112 ist der Rettungsdienst bei einer akuten Gefährdung in der Regel innerhalb weniger Minuten vor Ort.

Die ersten Schritte, um die richtige Anlaufstelle zu finden

  1. Prüf zuerst, ob akute Lebensgefahr besteht. Wenn ja, wähl sofort die 112.
  2. Besteht keine akute Gefahr, überleg, ob du in erster Linie reden möchtest oder eine fachliche Einschätzung brauchst.
  3. Für ein Gespräch ruf die TelefonSeelsorge unter 116 123 an, für eine fachliche Einschätzung den regionalen Krisendienst oder Sozialpsychiatrischen Dienst.
  4. Ist es eine dringende, aber nicht akute Beschwerde außerhalb der Praxiszeiten, ruf den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
  5. Brauchst du eine direkte fachärztliche Untersuchung, geh oder fahr in die nächste psychiatrische Notaufnahme, begleitet von einer Vertrauensperson, wenn möglich.

Wenn du in akuter Gefahr bist oder daran denkst, dir das Leben zu nehmen, hol dir jetzt Hilfe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar, auch per Chat und Mail. In akuter Lebensgefahr wähle sofort die 112. Du musst das nicht allein durchstehen.

Häufige Fragen

Wohin wende ich mich, wenn ich nicht weiß, wie dringend meine Krise ist?

Wenn du nicht sicher bist, wie dringend deine Krise ist, ruf die TelefonSeelsorge unter 116 123 oder deinen regionalen Krisendienst an. Beide schätzen die Situation gemeinsam mit dir ein und vermitteln bei Bedarf direkt an die passende nächste Stelle weiter.

Was ist der Unterschied zwischen der 112 und der 116 117?

Die 112 ist für akute Lebensgefahr und akute Selbst- oder Fremdgefährdung zuständig und schickt einen Rettungswagen. Die 116 117 ist für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten zuständig und vermittelt in eine Bereitschaftspraxis oder einen Hausbesuch.

Kostet ein Anruf bei der TelefonSeelsorge oder beim Krisendienst etwas?

Nein, ein Anruf bei der TelefonSeelsorge unter 116 123 und bei den regionalen Krisendiensten ist für dich als Anrufer immer kostenlos, unabhängig von einer Krankenversicherung. Auch der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 und die 112 sind kostenfrei erreichbar.

Muss ich für eine psychiatrische Notaufnahme einen Termin vereinbaren?

Nein, eine psychiatrische Notaufnahme ist ohne Termin erreichbar und für akute Situationen gedacht. Eine psychiatrische Institutsambulanz dagegen arbeitet in der Regel mit vereinbarten Terminen, außer in einem akuten Notfall.

Was mache ich, wenn in meiner Region kein eigener Krisendienst existiert?

Existiert in deiner Region kein eigener Krisendienst, wendest du dich an den Sozialpsychiatrischen Dienst deiner Stadt oder deines Landkreises, den du über das örtliche Gesundheitsamt findest. Außerhalb von dessen Öffnungszeiten helfen die TelefonSeelsorge, der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117 oder im Notfall die 112.

Kann ich als Angehöriger ebenfalls bei diesen Anlaufstellen anrufen?

Ja, sowohl die TelefonSeelsorge als auch die regionalen Krisendienste beraten ausdrücklich auch Angehörige, Bezugspersonen und Fachkreise, nicht nur die betroffene Person selbst. Du musst nicht selbst in der Krise sein, um dort anzurufen.

Wie lange muss ich am Telefon bei der TelefonSeelsorge oder einem Krisendienst warten?

Bei der TelefonSeelsorge und den regionalen Krisendiensten wartest du in der Regel nur wenige Minuten, da viele Ehrenamtliche und Fachkräfte gleichzeitig im Einsatz sind. In besonders stark ausgelasteten Zeiten kann es etwas länger dauern, dann hilft es, es kurz danach erneut zu versuchen oder auf den Chat auszuweichen.

Was passiert, wenn ich die falsche Anlaufstelle anrufe?

Nichts Schlimmes. Rufst du eine Stelle an, die für deine Situation nicht ganz passend ist, vermittelt dich das Fachpersonal in aller Regel direkt an die richtige nächste Anlaufstelle weiter. Wichtig ist vor allem, überhaupt anzurufen, statt gar keine Hilfe zu suchen.

Quellen

  1. Leistungen, Erreichbarkeit und Abgrenzung zur 112 des Patientenservice 116117. kbv.de
  2. Erreichbarkeit, Kosten und Angebote der TelefonSeelsorge. telefonseelsorge.de
  3. Anlaufstellen bei psychischen Krisen, nationales Gesundheitsportal. gesund.bund.de

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