Eine Pfändung verstehen
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Pfändung braucht immer einen rechtskräftigen Titel, zum Beispiel ein Urteil oder einen Vollstreckungsbescheid. Ohne Titel darf niemand dein Geld oder deine Sachen pfänden.
- Seit dem 1. Juli 2026 sind bei Lohn und auf dem P-Konto automatisch 1.590 Euro im Monat vor einer Pfändung geschützt.
- Mit Kindern oder anderen Unterhaltspflichten steigt dieser Freibetrag um mehrere Hundert Euro je Person.
- Manche Einkünfte wie Pflegegeld und ein Teil von Weihnachts- und Urlaubsgeld sind ganz oder teilweise unpfändbar.
- Kontopfändung, Lohnpfändung und Sachpfändung greifen an unterschiedlichen Stellen an und lassen sich unterschiedlich abwehren.
- Wer den Pfändungsschutz sofort aktiviert, verliert in der Regel nicht mehr Geld, als das Gesetz vorsieht.
Was eine Pfändung ist und wie sie abläuft
Eine Pfändung ist der Zugriff eines Gläubigers auf dein Geld, deinen Lohn oder deine Sachen, um eine offene Forderung zwangsweise einzutreiben. Damit das überhaupt erlaubt ist, braucht der Gläubiger zuerst einen vollstreckbaren Titel: ein rechtskräftiges Urteil, ein notarielles Schuldanerkenntnis oder einen Vollstreckungsbescheid aus dem Mahnverfahren. Erst mit diesem Titel und einer Vollstreckungsklausel darf ein Gerichtsvollzieher tätig werden oder das Gericht einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss erlassen.
Bei Geldforderungen läuft das meist über das Amtsgericht als Vollstreckungsgericht. Es stellt einen Beschluss an deinen Arbeitgeber oder deine Bank zu, den sogenannten Drittschuldner, der von da an einen Teil deines Lohns oder Guthabens direkt an den Gläubiger auszahlen muss. Bei Sachen kommt stattdessen der Gerichtsvollzieher zu dir nach Hause oder an deinen Arbeitsplatz. Du bekommst die Pfändung in beiden Fällen schriftlich mitgeteilt, meist bevor oder sobald sie wirkt.
Wie eine Pfändung dein Konto, deinen Lohn oder deine Sachen treffen kann
Eine Pfändung setzt an drei möglichen Stellen an: dem Bankkonto, dem laufenden Einkommen oder beweglichen Sachen im Haushalt. Bei der Kontopfändung friert die Bank dein Konto bis zur Höhe der Forderung ein, sobald sie den Beschluss erhält, und Lastschriften oder Überweisungen platzen. Bei der Lohnpfändung zahlt dein Arbeitgeber den pfändbaren Teil deines Nettogehalts direkt an den Gläubiger aus und überweist dir nur den Rest. Bei der Sachpfändung sucht der Gerichtsvollzieher werthaltige, nicht lebensnotwendige Gegenstände in deiner Wohnung oder an deinem Arbeitsplatz, versteigert sie und zahlt den Erlös an den Gläubiger.
Alle drei Formen können gleichzeitig laufen, wenn ein Gläubiger mehrere Vollstreckungswege gleichzeitig einleitet. Für dich als Betroffenen ist der wichtigste Unterschied, wie du dich wehrst: Bei der Kontopfändung hilft vor allem das P-Konto, bei der Lohnpfändung die korrekte Berechnung der Pfändungsfreigrenze durch deinen Arbeitgeber, und bei der Sachpfändung die Liste der unpfändbaren Gegenstände.
Der Pfändungsfreibetrag liegt seit Juli 2026 bei 1.590 Euro
Seit dem 1. Juli 2026 bleibt ein Nettoeinkommen von 1.590 Euro im Monat vollständig vor einer Pfändung geschützt, amtlich exakt 1.587,40 Euro und für das P-Konto gesetzlich auf volle 10 Euro aufgerundet. Diese Grenze gilt bis zum 30. Juni 2027 und wird danach turnusmäßig neu festgesetzt. Grundlage ist Paragraf 850c der Zivilprozessordnung in Verbindung mit der jährlichen Bekanntmachung der Pfändungsfreigrenzen im Bundesgesetzblatt, zuletzt veröffentlicht am 26. März 2026.
Diese Zahl soll das Existenzminimum sichern: Miete, Essen, Strom und die laufenden Ausgaben eines einfachen Lebens sollen trotz Pfändung möglich bleiben. Verdienst du mehr, wird der übersteigende Betrag nach einer gestaffelten Tabelle nur teilweise gepfändet, nicht komplett. Erst ab einem bereinigten Nettoeinkommen von 4.766,99 Euro im Monat ist der darüberliegende Teil vollständig pfändbar. Angepasst wird die Tabelle nach Paragraf 850c Absatz 4 jedes Jahr zum 1. Juli entlang der Entwicklung des steuerlichen Grundfreibetrags, zuletzt um rund 2,1 Prozent.
Wie die Lohnpfändung genau berechnet wird
Bei der Lohnpfändung zählt nicht das Bruttogehalt, sondern das pfändbare Nettoeinkommen, also der Lohn nach Abzug von Steuern, Solidaritätszuschlag und Sozialversicherungsbeiträgen. Von diesem Netto bleibt zuerst der Freibetrag unangetastet. Erst was darüber liegt, wird gestaffelt herangezogen, und auch das nur zu einem Teil. Je mehr du über dem Freibetrag verdienst, desto größer wird der pfändbare Anteil, bis er bei sehr hohen Einkommen den vollen übersteigenden Betrag erreicht.
Für die Berechnung ist dein Arbeitgeber zuständig, der sich dabei an die amtliche Pfändungstabelle hält. Fehler kommen vor, gerade wenn Unterhaltspflichten nicht berücksichtigt werden. Es lohnt sich deshalb, die eigene Abrechnung mit einem Pfändungsrechner oder mithilfe der Schuldnerberatung zu prüfen. Ein zu hoch berechneter Abzug lässt sich korrigieren.
Wie sich der Freibetrag mit Unterhaltspflichten erhöht
Zahlst du gesetzlichen Unterhalt, zum Beispiel für ein Kind, steigt dein persönlicher Freibetrag deutlich über die 1.590 Euro hinaus. Für die erste unterhaltsberechtigte Person kommen 597,42 Euro dazu, für jede weitere bis zur fünften Person je 332,83 Euro. Die folgende Tabelle zeigt die Werte, die vom 1. Juli 2026 bis zum 30. Juni 2027 gelten.
| Unterhaltsberechtigte Personen | Monatlicher Freibetrag |
|---|---|
| Keine | 1.590,00 Euro |
| 1 Person | 2.187,42 Euro |
| 2 Personen | 2.520,25 Euro |
| 3 Personen | 2.853,08 Euro |
| 4 Personen | 3.185,91 Euro |
| 5 Personen oder mehr | 3.518,74 Euro |
Bei einer Kontopfändung greift diese Erhöhung nicht automatisch. Dein Arbeitgeber kennt deine Unterhaltspflichten meist ohnehin, deine Bank dagegen nicht. Für das P-Konto brauchst du dafür eine eigene Bescheinigung, mehr dazu im Ratgeber zum Pfändungsschutzkonto.
Welche Einkünfte ganz oder teilweise unpfändbar sind
Nicht jedes Einkommen wird gleich behandelt. Manche Einkünfte sind nach Paragraf 850a der Zivilprozessordnung ausdrücklich geschützt, auch über den allgemeinen Freibetrag hinaus. Weihnachtsgeld bleibt bis zur Hälfte des monatlichen Freibetrags unpfändbar, Urlaubsgeld und übliche Aufwandsentschädigungen ebenfalls, und von der Vergütung für Mehrarbeit ist die Hälfte geschützt. Diese Regeln sorgen dafür, dass gerade die zusätzlichen Zahlungen, die ein knappes Budget entlasten sollen, nicht vollständig weggepfändet werden.
Darüber hinaus gibt es Leistungen, die gar nicht oder nur eingeschränkt pfändbar sind, etwa das Pflegegeld. Sozialleistungen wie das Grundsicherungsgeld, das früher Bürgergeld hieß, sind auf dem Konto besonders geschützt. Sie fließen in den P-Konto-Freibetrag ein und lassen sich innerhalb einer kurzen Frist nach dem Eingang zusätzlich freistellen. Kindergeld ist grundsätzlich für das Kind bestimmt und über eine Bescheinigung ebenfalls schützbar. Im Zweifel klärt eine Schuldnerberatung, welche deiner Einkünfte in welchem Umfang geschützt sind.
Welche Gegenstände auch bei einer Pfändung unpfändbar bleiben
Unpfändbar bleiben nach Paragraf 811 der Zivilprozessordnung zum Beispiel Kleidung, Bett und Hausrat für einen bescheidenen Haushalt, Nahrungsmittel und Heizmaterial für einige Wochen sowie notwendige Arbeitsmittel für deinen Beruf. Auch Gegenstände, die du wegen Pflege oder Behinderung brauchst, dein Ehering und persönliche Erinnerungsstücke ohne größeren Wert zählen dazu. Diese Liste soll dir trotz Pfändung ein einfaches, würdiges Leben und deine Arbeitsfähigkeit erhalten.
Ein Auto ist nur dann unpfändbar, wenn du es nachweislich für deine Berufsausübung brauchst, etwa als Pflegekraft im Außendienst oder als Handwerker. Ein Fernseher oder ein zweiter Computer zählen dagegen meist zu den pfändbaren Gegenständen, wenn sie einen nennenswerten Wiederverkaufswert haben. Im Zweifel entscheidet der Gerichtsvollzieher vor Ort, und du kannst gegen seine Einschätzung Erinnerung beim zuständigen Amtsgericht einlegen.
Was du gegen eine unberechtigte oder zu harte Pfändung tun kannst
Gegen die Art und Weise einer Pfändung kannst du beim Vollstreckungsgericht Erinnerung einlegen, etwa wenn ein unpfändbarer Gegenstand mitgenommen wurde oder der Freibetrag falsch berechnet ist. Führt eine an sich rechtmäßige Pfändung zu einer besonderen, mit den guten Sitten nicht vereinbaren Härte, gibt es zusätzlich den Vollstreckungsschutz nach Paragraf 765a der Zivilprozessordnung. Auf Antrag kann das Gericht eine Maßnahme dann ganz oder zeitweise aussetzen, zum Beispiel bei einer schweren Erkrankung.
Wichtig ist bei allen diesen Wegen die Frist und die Begründung. Ein bloßes Abwarten hilft nie, ein gut begründeter Antrag oft. Weil die Anträge Formvorschriften haben, lohnt sich die Unterstützung durch eine Schuldnerberatung oder eine Rechtsberatung, gerade wenn es um das Existenzminimum oder um die Wohnung geht.
Die ersten Schritte, wenn eine Pfändung ins Haus flattert
- Prüfe den Pfändungsbeschluss oder den Besuch des Gerichtsvollziehers auf Aktenzeichen, Gläubiger und Forderungshöhe, bevor du irgendetwas unterschreibst.
- Wandle dein Girokonto sofort in ein P-Konto um, sobald eine Kontopfändung droht oder bereits zugestellt ist, damit der Grundfreibetrag automatisch geschützt ist.
- Hole dir bei Unterhaltspflichten oder Sozialleistungen zeitnah eine Bescheinigung, damit die Bank deinen erhöhten Freibetrag berücksichtigt.
- Prüfe deine Lohnabrechnung mit einem Pfändungsrechner, damit dein Arbeitgeber nicht zu viel abzieht.
- Kontaktiere eine anerkannte Schuldnerberatungsstelle, wenn du unsicher bist, ob die Forderung oder die Berechnung des Freibetrags überhaupt stimmt.
- Lege bei einer offensichtlich falschen oder besonders harten Pfändung Erinnerung beim Vollstreckungsgericht ein, statt einfach abzuwarten.
Geldsorgen können schwer auf die Seele drücken. Wenn dich die Lage überfordert oder du Gedanken hast, nicht mehr leben zu wollen, hol dir Hilfe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar, im Notfall die 112. Bei Schulden berät dich eine anerkannte Schuldnerberatungsstelle kostenlos.
Häufige Fragen
Was passiert, wenn ich eine Pfändung einfach ignoriere?
Wenn du eine Pfändung ignorierst, ändert sich an der Forderung nichts, nur Zinsen und Kosten laufen weiter. Reagierst du nicht auf eine Kontopfändung, bleibt dein Konto ohne P-Konto-Schutz komplett gesperrt, auch der eigentlich geschützte Grundfreibetrag. Wer die Post öffnet und aktiv wird, verliert fast immer weniger Geld als jemand, der abwartet.
Wie viel von meinem Lohn darf gepfändet werden?
Gepfändet wird nur das pfändbare Nettoeinkommen, also der Lohn nach Steuern und Sozialabgaben, und auch nur der Teil oberhalb des Freibetrags von 1.590 Euro. Dieser übersteigende Teil wird gestaffelt herangezogen, nicht komplett. Erst ab einem bereinigten Nettoeinkommen von 4.766,99 Euro im Monat ist der darüberliegende Betrag voll pfändbar. Unterhaltspflichten erhöhen den geschützten Betrag deutlich.
Darf mein Weihnachts- oder Urlaubsgeld gepfändet werden?
Nur eingeschränkt. Nach Paragraf 850a der Zivilprozessordnung bleibt Weihnachtsgeld bis zur Hälfte des monatlichen Freibetrags unpfändbar, Urlaubsgeld und übliche Aufwandsentschädigungen sind geschützt, und von der Vergütung für Mehrarbeit ist die Hälfte unpfändbar. Diese Zusatzzahlungen dürfen also nicht in voller Höhe weggepfändet werden.
Kann eine Pfändung mein ganzes Konto leerräumen?
Ohne P-Konto kann eine Kontopfändung dein Konto vollständig blockieren, auch den Teil, der eigentlich pfändungsfrei wäre. Erst die Umwandlung in ein P-Konto sorgt dafür, dass dir automatisch 1.590 Euro im Monat zur Verfügung stehen. Diese Umwandlung wirkt sogar rückwirkend, wenn du sie innerhalb eines Monats nach der Pfändung beantragst.
Wie lange dauert eine Pfändung, bis sie wieder aufgehoben wird?
Eine Pfändung endet erst, wenn die zugrunde liegende Forderung vollständig bezahlt ist, wenn der Gläubiger sie zurücknimmt oder wenn ein Gericht sie aufhebt. Bei einer Lohnpfändung kann das über Jahre laufen, wenn die Schuld hoch und dein pfändbares Einkommen niedrig ist. Eine Privatinsolvenz kann diesen Zustand nach einer festen Frist beenden, dazu berät eine Schuldnerberatungsstelle.
Darf der Gerichtsvollzieher einfach in meine Wohnung kommen?
Der Gerichtsvollzieher darf deine Wohnung nur mit deiner Zustimmung oder mit einer richterlichen Durchsuchungsanordnung betreten, nicht auf bloßen Zuruf. Er muss sich ausweisen und den Anlass seines Besuchs nennen. Ein Inkassomitarbeiter dagegen hat kein Recht, deine Wohnung zu betreten, das dürfen ausschließlich Gerichtsvollzieher mit gültigem Titel.
Was ist der Unterschied zwischen einer Pfändung und einer Insolvenz?
Eine Pfändung betrifft immer eine einzelne Forderung eines einzelnen Gläubigers, eine Insolvenz dagegen alle Schulden gleichzeitig und schützt dich am Ende sogar vor weiteren Pfändungen. In der Privatinsolvenz übernimmt ein Insolvenzverwalter dein pfändbares Vermögen und verteilt es an alle Gläubiger nach einem festen Verfahren. Nach der gesetzlichen Frist wirst du von den restlichen Schulden befreit, eine einzelne Pfändung kennt diese Befreiung nicht.
Quellen
- Pfändungsfreigrenzen ab dem 1. Juli 2026 mit aktuellem Grundfreibetrag und Erhöhungen für Unterhaltspflichten. verbraucherzentrale.de
- Gesetzestext zu den Pfändungsgrenzen für Arbeitseinkommen, Paragraf 850c ZPO. gesetze-im-internet.de
- Gesetzestext zu den ganz oder teilweise unpfändbaren Bezügen, Paragraf 850a ZPO. gesetze-im-internet.de
- Überblick über Kontopfändung, Lohnpfändung und Sachpfändung sowie erste Schutzmöglichkeiten. meine-schulden.de
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