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Die Phasen einer Trennung

Geprüft von der Redaktion

Die Phasen einer Trennung
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Psychologin Verena Kast beschreibt den Trennungsprozess in vier Phasen, die aufeinander aufbauen, aber nicht starr ablaufen.
  • Phase 1, Nicht-wahrhaben-wollen, dauert oft nur Stunden bis etwa eine Woche und schützt zunächst vor der vollen Wucht des Verlusts.
  • Phase 2, Aufbrechende Gefühle, ist die aufwühlendste Zeit mit Trauer, Wut, Schuldgefühlen und körperlichen Reaktionen.
  • Ab Phase 3, Neuorientierung, richtet sich der Blick langsam wieder auf das eigene Leben statt auf den Ex-Partner.
  • Die Reihenfolge der Phasen ist keine feste Vorschrift, viele Menschen springen zwischen ihnen hin und her oder durchleben mehrere gleichzeitig.

Das Phasenmodell nach Verena Kast

Die Schweizer Psychologin Verena Kast beschreibt vier Phasen, die Menschen nach einem einschneidenden Verlust typischerweise durchlaufen. Ursprünglich für die Trauer nach einem Todesfall entwickelt, wird das Modell seit Jahren auch auf das Ende einer Beziehung übertragen. Die vier Phasen heißen Nicht-wahrhaben-wollen, Aufbrechende Gefühle, Neuorientierung und Neues Gleichgewicht.

Das Modell beruht auf einer einfachen Beobachtung: Ein Verlust lässt sich nicht auf einen Schlag verarbeiten. Die Psyche braucht Zeit, um zunächst den Schock abzufedern, dann die aufkommenden Gefühle zuzulassen, sich anschließend neu zu orientieren und am Ende ein verändertes, aber wieder tragfähiges Leben aufzubauen.

Auch wenn Kast das Modell ursprünglich für die Trauer nach einem Todesfall entwickelt hat, gilt der Kern für jeden bedeutsamen Verlust. Eine Trennung beendet ebenfalls eine enge Bindung, auf die sich Alltag, Zukunftspläne und ein Teil der eigenen Identität eingestellt hatten. Deshalb ähneln sich die Reaktionen auf eine Trennung und auf einen Todesfall in vielen Punkten, auch wenn der Ex-Partner weiterlebt.

1Nicht-wahrhaben-wollen2Aufbrechende Gefühle3Neuorientierung4Neues Gleichgewicht
Die vier Phasen der Trennung Bild: KI generiert.

Woher das Modell kommt und wie es sich von Kübler-Ross unterscheidet

Kast entwickelte ihr Vier-Phasen-Modell Anfang der 1980er Jahre, indem sie das bekannte Modell von Elisabeth Kübler-Ross mit den Trauerarbeiten der Bindungsforscher John Bowlby und Colin Murray Parkes verband. Kübler-Ross hatte fünf Phasen beschrieben, Leugnen, Zorn, Verhandeln, Depression und Akzeptanz, allerdings aus Gesprächen mit Sterbenden. Kast richtete ihr Modell dagegen ausdrücklich an die Hinterbliebenen, also an die, die mit dem Verlust weiterleben.

Für eine Trennung ist Kasts Fassung deshalb näher an der Erfahrung der Betroffenen als das Sterbemodell. Wichtiger als die genaue Zahl der Phasen ist bei beiden Modellen dieselbe Einsicht: Trauer verläuft nicht geradlinig. Neuere Forschung bestätigt, dass Menschen zwischen den Phasen hin- und herspringen, statt sie sauber der Reihe nach abzuarbeiten. Das Modell ist damit ein Orientierungsrahmen, keine Checkliste, die man abhaken müsste.

1. Nicht-wahrhaben-wollen: die Trennung wirkt zunächst unwirklich

In der ersten Phase verleugnen viele Betroffene die Endgültigkeit der Trennung. Diese Phase dauert meist nur wenige Stunden bis etwa eine Woche. Der Schock wirkt dabei wie ein Puffer, der Zeit verschafft, um Kräfte zu sammeln, bevor die eigentlichen Gefühle durchbrechen. Manche versuchen in dieser Zeit aktiv, den Ex-Partner zurückzugewinnen, etwa indem sie besonders entgegenkommend auftreten. Typisch sind auch kleine Vermeidungsstrategien, etwa gemeinsame Fotos noch nicht zu löschen oder Nachrichten des Ex-Partners mehrfach am Tag erneut zu lesen.

2. Aufbrechende Gefühle: Trauer, Wut und Schuldgefühle wechseln sich ab

In der zweiten Phase brechen die zuvor zurückgehaltenen Gefühle durch. Trauer, Hoffnungslosigkeit, Wut und Selbstzweifel wechseln sich oft binnen Stunden ab, dazu kommen körperliche Reaktionen wie Schlafstörungen, veränderter Appetit oder Magenschmerzen. Häufig beginnt in dieser Zeit auch die Suche nach Gründen für das Scheitern der Beziehung, verbunden mit eigenen Schuldgefühlen. Gegen Ende dieser Phase verschiebt sich die anfängliche Trauer bei vielen zunehmend zu Wut auf den Ex-Partner. Diese Wut ist unangenehm, aber oft ein Fortschritt, weil sie aus der Erstarrung herausführt und wieder Energie freisetzt.

PhaseTypische DauerAnzeichen
Nicht-wahrhaben-wollenStunden bis etwa eine WocheVerleugnung, Schockstarre, Versuch der Wiederannäherung
Aufbrechende GefühleWochen bis mehrere MonateTrauer, Wut, Schuldgefühle, körperliche Beschwerden
NeuorientierungMonatenachlassende Gefühle für den Ex-Partner, wachsendes Selbstwertgefühl
Neues Gleichgewichtab etwa einem Jahrneue Zukunftsperspektive, Vertrauen in sich und andere

3. Neuorientierung: der Alltag ordnet sich langsam neu

In der dritten Phase lassen die starken Gefühle gegenüber dem Ex-Partner nach, sowohl die Verbitterung als auch die Sehnsucht. Betroffene richten die Aufmerksamkeit zunehmend auf das eigene Leben statt auf die vergangene Beziehung. In dieser Zeit entsteht langsam ein neues Selbstwertgefühl, das nicht mehr von der früheren Partnerschaft abhängt. Sichtbar wird das oft an kleinen Dingen: Der Blick bleibt seltener an gemeinsamen Erinnerungsstücken hängen, und eigene Pläne wie ein neues Hobby oder ein Ausflug mit Freunden rücken wieder in den Vordergrund.

4. Neues Gleichgewicht: ein eigenständiges Leben entsteht

Die vierte Phase ist erreicht, wenn eine neue Zukunftsperspektive entsteht und das Vertrauen in sich selbst und in andere Menschen zurückkehrt. Neue Stärken werden sichtbar, und die Bereitschaft für eine neue Partnerschaft wächst bei vielen wieder. Die Vergangenheit bleibt Teil der eigenen Geschichte, verliert aber ihre lähmende Wirkung auf den Alltag. Rückblickend lässt sich die Trennung dann einordnen, ohne dass alte Wut oder Sehnsucht sofort wieder hochkommt, wenn der Name des Ex-Partners fällt.

Wann aus einer Phase eine Blockade wird

Die Phasen sind dazu gedacht, durchlaufen zu werden, nicht dazu, in ihnen zu verharren. Problematisch wird es, wenn ein Mensch über viele Monate in der zweiten Phase der aufbrechenden Gefühle festhängt, ohne dass Trauer und Wut mit der Zeit abklingen. Fachleute sprechen dann von einer erschwerten oder anhaltenden Trauer, bei der der Verlust die Gegenwart weiterhin vollständig bestimmt und der Blick nach vorn versperrt bleibt.

Anzeichen für eine solche Blockade sind das ständige gedankliche Kreisen um den Ex-Partner, das Vermeiden aller Orte und Menschen, die an die Beziehung erinnern, oder umgekehrt das zwanghafte Festhalten an gemeinsamen Erinnerungsstücken. Auch wenn Schlaf, Arbeit und soziale Kontakte über Wochen nicht wieder in Gang kommen, ist das ein Signal, dass die Verarbeitung ins Stocken geraten ist.

Was die Bewegung zwischen den Phasen fördert, ist über die Modelle hinweg ähnlich: den Verlust aktiv betrauern statt ihn wegzuschieben, offen darüber sprechen, für Bewegung und einen festen Tagesrhythmus sorgen und die eigenen Gefühle regelmäßig aufschreiben. Bleibt der Zustand trotzdem über Monate unverändert, ist eine Beratungsstelle oder eine Psychotherapie der richtige nächste Schritt. Das ist kein Zeichen des Versagens, sondern eine Hilfe, um aus der festgefahrenen Phase wieder herauszufinden. Auch das Umfeld spielt eine Rolle: Wer bemerkt, dass eine nahestehende Person über Monate nicht aus der Trauer herausfindet, darf das behutsam ansprechen und zu fachlicher Unterstützung ermutigen, statt aus Rücksicht zu schweigen.

Die vier Phasen sind ein Orientierungsrahmen, kein fester Fahrplan. Sie können sich überschneiden, in unterschiedlicher Reihenfolge auftreten oder mehrfach wiederkehren, etwa wenn ein Jahrestag oder eine zufällige Begegnung alte Gefühle noch einmal auslöst. Manche Phasen dauern bei einer Person Wochen, bei einer anderen Monate, ohne dass das etwas über die Qualität der Verarbeitung aussagt. Manche Menschen überspringen eine Phase scheinbar ganz, andere kehren nach Jahren noch einmal kurz in die zweite Phase zurück, etwa nach dem Verlust eines gemeinsamen Haustiers oder einer erneuten Begegnung mit dem Ex-Partner.

So gehst du vor

  1. Ordne dein aktuelles Gefühl versuchsweise einer der vier Phasen zu, ohne dich auf eine feste Reihenfolge festzulegen.
  2. Erlaube widersprüchliche Gefühle gleichzeitig, etwa Wut und Sehnsucht am selben Tag.
  3. Sprich offen über die Trennung, statt sie zu verschweigen, das beschleunigt erfahrungsgemäß die Verarbeitung.
  4. Beobachte über mehrere Wochen, ob sich die Intensität deiner Gefühle langsam verändert.
  5. Hol dir Unterstützung, wenn du in der zweiten Phase über Monate feststeckst und keine Bewegung spürst.

Wenn dich der Schmerz überfordert, ist die TelefonSeelsorge rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar.

Häufige Fragen

Wer hat das Phasenmodell der Trennung entwickelt?

Das bekannteste Phasenmodell für Trennung und Trauer stammt von der Schweizer Psychologin Verena Kast. Sie entwickelte es Anfang der 1980er Jahre, indem sie das Modell von Elisabeth Kübler-Ross mit den Trauerarbeiten von John Bowlby und Colin Murray Parkes verband, und richtete es an Hinterbliebene statt an Sterbende.

Worin unterscheidet sich Kasts Modell von den fünf Phasen nach Kübler-Ross?

Kast beschreibt vier Phasen und richtet ihr Modell an Menschen, die einen Verlust überleben, während Kübler-Ross fünf Phasen aus Gesprächen mit Sterbenden ableitete. Für eine Trennung passt Kasts Fassung deshalb näher zur Erfahrung der Betroffenen. Beide betonen, dass Trauer nicht geradlinig verläuft.

Muss ich alle vier Phasen der Trennung in der genannten Reihenfolge durchlaufen?

Nein, die vier Phasen einer Trennung müssen nicht der Reihe nach ablaufen. Sie können sich überschneiden, in veränderter Reihenfolge auftreten oder mehrfach wiederkehren, ohne dass das ein Zeichen für eine gestörte Verarbeitung ist.

Wie lange dauert die Phase der aufbrechenden Gefühle nach einer Trennung?

Die Phase der aufbrechenden Gefühle dauert bei den meisten Menschen einige Wochen bis mehrere Monate. Sie gilt als die aufwühlendste der vier Phasen, weil Trauer, Wut und Schuldgefühle darin oft dicht aufeinanderfolgen.

Woran erkenne ich, dass ich die letzte Phase einer Trennung erreicht habe?

Die letzte Phase einer Trennung, das neue Gleichgewicht, zeigt sich daran, dass der Ex-Partner nicht mehr den Alltag bestimmt, eigene Zukunftspläne wieder Raum bekommen und das Vertrauen in andere Menschen langsam zurückkehrt.

Kann man die Phasen einer Trennung beschleunigen?

Die Phasen einer Trennung lassen sich nicht überspringen, ihr Verlauf aber unterstützen. Den Verlust aktiv zuzulassen, offen darüber zu sprechen, für Bewegung und einen festen Tagesrhythmus zu sorgen und die eigenen Gefühle aufzuschreiben, erleichtert erfahrungsgemäß den Übergang von einer Phase zur nächsten.

Quellen

  1. Landeskirche Hannovers: Trauerphasen nach Verena Kast landeskirche-hannovers.de
  2. Johanniter, Lacrima Trauerbegleitung: Trauerphasen nach V. Kast johanniter.de
  3. Oberberg Kliniken: Phasen der Trauer oberbergkliniken.de

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