Notunterkunft und Obdachlosenhilfe finden
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Notunterkunft für die kommende Nacht bekommst du über das Ordnungsamt, die Kältehilfe oder eine Beratungsstelle von Diakonie und Caritas.
- Es gibt gestufte Hilfen: Tagestreffs für den Tag, Notübernachtungen für die Nacht, Fachberatung für den Weg zurück in eine Wohnung.
- Im Winter fahren Kältebusse durch die Städte und bringen warme Getränke, Schlafsäcke und einen Platz zum Schlafen.
- Ärztliche Hilfe gibt es auch ohne Krankenversicherung, anonym und kostenlos, etwa bei den Maltesern oder über eine Clearingstelle.
- Angebote in deiner Nähe findest du über kaeltekarte.de, das Sozialamt oder die örtliche Diakonie und Caritas.
- Die Hilfe steht dir zu. Niemand darf dich abweisen, weil du noch nicht lange in der Stadt bist.
Wo finde ich schnell eine Notunterkunft für heute Nacht?
Eine Notunterkunft für die kommende Nacht bekommst du am schnellsten über das Ordnungsamt deiner Stadt, das dich unterbringen muss, oder über die Kältehilfe und eine Beratungsstelle von Diakonie oder Caritas. In vielen Städten gibt es ein Kältehilfe-Telefon, das dir sagt, welche Notübernachtung noch Platz hat. Bundesweit hilft die Seite kaeltekarte.de, das nächste Angebot zu finden.
Wenn du heute nicht weißt, wo du schlafen sollst, ist das ein Notfall, und für Notfälle ist das Hilfesystem gebaut. Du musst nicht erst Anträge stellen oder Nachweise sammeln. Eine Notübernachtung nimmt dich ohne Vorbedingungen auf. Der folgende Überblick zeigt dir, welche Angebote es gibt und wie du an sie herankommst, von der Übernachtung heute bis zum Weg zurück in eine eigene Wohnung.
Welche Hilfen es gibt, von der Nacht bis zur Wohnung
Die Obdachlosenhilfe ist gestuft aufgebaut. Manche Angebote sichern nur das Überleben von heute auf morgen, andere begleiten dich über Monate zurück in eine feste Wohnung. Du kannst jederzeit einsteigen, an welchem Punkt du gerade stehst, und dich weiterreichen lassen. Niemand erwartet, dass du den Weg allein kennst.
| Angebot | Was du dort bekommst | Wann es hilft |
|---|---|---|
| Tagestreff oder Wärmestube | Aufenthalt am Tag, warmes Essen, Dusche, Wäsche waschen, Beratung | tagsüber, niedrigschwellig, ohne Anmeldung |
| Notübernachtung | Schlafplatz für die Nacht, oft mit Frühstück | abends und nachts, ohne Vorbedingung |
| Straßensozialarbeit | aufsuchende Hilfe, die zu dir kommt, wenn du nicht mehr in Ämter gehst | wenn der Weg zu Ämtern zu weit ist |
| Fachberatungsstelle | Anträge, Postadresse, Vermittlung, Rückweg in eine Wohnung | für die Schritte über den Tag hinaus |
| Betreutes Wohnen | eigene Unterkunft mit Begleitung durch Sozialarbeit | als stabiler Übergang zur eigenen Wohnung |
Die Kältehilfe im Winter
Zwischen November und März gibt es zusätzliche Hilfen, weil eine Nacht im Freien bei Frost lebensgefährlich ist. Kältebusse, mancherorts Wärmebusse genannt, fahren nachts durch die Städte, suchen Menschen auf der Straße und bringen heiße Getränke, Decken und Schlafsäcke. Auf Wunsch fahren sie dich auch zu einer Notübernachtung.
In vielen Großstädten gibt es dafür ein eigenes Kältehilfe-Telefon. In Berlin etwa ist es täglich von 19 bis 23 Uhr unter 030 34 39 71 40 erreichbar und sagt dir, welche Notübernachtung noch frei ist. Für ganz Deutschland zeigt kaeltekarte.de auf einer Karte die nächstgelegenen Notschlafstellen, Wärmestuben und Essensausgaben. Wenn du jemanden auf der Straße siehst, der Hilfe braucht, kannst du den Kältebus auch für diese Person rufen.
Frauen, Familien und Jugendliche haben eigene, geschützte Angebote. Frauen können nach reinen Frauenunterkünften fragen, Jugendliche unter 18 wenden sich an die Notschlafstellen der Jugendhilfe oder das Jugendamt. Sag ausdrücklich, wer du bist und was du brauchst, dann bekommst du den passenden Platz.
Ärztliche Hilfe gibt es auch ohne Krankenversicherung
Wer keine Krankenversicherung hat, wird trotzdem behandelt. Die Malteser und andere Träger bieten in vielen Städten eine kostenlose, anonyme medizinische Versorgung für Menschen ohne Versicherung an, von der Erstuntersuchung bis zur Notfallbehandlung bei Verletzung, akuter Krankheit oder Schwangerschaft. In einigen Städten fahren Arztmobile die Orte an, an denen wohnungslose Menschen sind.
Eine Clearingstelle hilft dir außerdem dabei, wieder in eine Krankenversicherung zu kommen, und übernimmt in der Zwischenzeit die Kosten für dringende Behandlungen. Frag in einer Beratungsstelle oder bei der örtlichen Caritas nach der nächsten Anlaufstelle. Deine Gesundheit hat nicht Zeit, bis alles andere geregelt ist, und niemand muss aus Geldmangel eine Behandlung aufschieben.
Deine Rechte in der Notunterkunft
Auch in einer Notunterkunft hast du Rechte, und es hilft, sie zu kennen. Die Unterbringung muss menschenwürdig sein: ein Schlafplatz, Schutz vor Kälte, Zugang zu Toilette und Waschgelegenheit. Deine Papiere und dein Eigentum darf niemand einfach wegnehmen. Wenn eine Unterkunft in einem unzumutbaren Zustand ist, kannst du das bei der Beratungsstelle oder beim Sozialamt melden, und in vielen Fällen lässt sich ein anderer Platz finden.
Wichtig ist, dass eine Notunterkunft eine Übergangslösung bleibt und kein Dauerzustand werden sollte. Manche Menschen leben trotzdem monate- oder jahrelang dort, oft weil der Anschluss an weitere Hilfe fehlt. Genau das solltest du vermeiden. Nutze die Zeit in der Notunterkunft, um mit einer Fachberatung den nächsten Schritt zu planen. Häufig steckt hinter der Wohnungslosigkeit noch etwas anderes, etwa Schulden, eine Erkrankung oder eine Suchtgeschichte. Die Beratung kann auch diese Themen mit dir angehen, damit die Wohnungslosigkeit nicht immer wieder zurückkehrt.
Wie du dauerhaft aus der Notunterkunft herauskommst
Die Notunterkunft sichert das Überleben, aber der eigentliche Weg führt zurück in eine eigene Wohnung. Dabei helfen die Fachberatungsstellen mit konkreten Angeboten. Dazu gehört das betreute Wohnen, bei dem du eine eigene Unterkunft bekommst und eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter dich eine Zeit lang begleitet. In manchen Städten gibt es Projekte nach dem Ansatz Wohnen zuerst, die Menschen ohne lange Vorbedingungen direkt eine eigene Wohnung geben.
Für den regulären Wohnungsmarkt brauchst du einige Bausteine, die die Beratung mit dir organisiert: einen Wohnberechtigungsschein, die Zusicherung des Jobcenters für Miete und Kaution und eine ordentliche Bewerbungsmappe. Kommunale Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften sind hier die besten Anlaufpunkte, weil sie eher an verlässliche Mieter als an makellose Bonitätswerte denken. Auf diesem Weg brauchst du Geduld, aber er ist gangbar, und du gehst ihn nicht allein. Viele Menschen, die heute wieder in einer eigenen Wohnung leben, haben genau hier angefangen, in einer Notübernachtung und mit einer Beraterin an ihrer Seite. Der erste Schritt zählt, nicht das Tempo.
So findest du die Angebote in deiner Stadt
Die Angebote sind örtlich organisiert, deshalb gibt es keine einzelne bundesweite Nummer für alles. Diese Reihenfolge führt dich schnell zur richtigen Stelle vor Ort.
- Öffne kaeltekarte.de oder suche online nach Kältehilfe und dem Namen deiner Stadt.
- Ruf das Kältehilfe-Telefon oder das Ordnungsamt an und frag nach einem freien Platz für heute Nacht.
- Geh am nächsten Tag zu einem Tagestreff oder einer Fachberatungsstelle von Diakonie oder Caritas.
- Lass dir dort Post, Anträge und den weiteren Weg organisieren.
- Kläre bei gesundheitlichen Problemen die nächste medizinische Anlaufstelle für Menschen ohne Versicherung.
- Nimm Angebote der Straßensozialarbeit an, wenn dir der Weg zu den Ämtern gerade zu schwer fällt.
Bei Frost ist eine Nacht im Freien lebensgefährlich. Wenn du oder jemand anderes in akuter Gefahr ist, wähle sofort die 112. Wenn dich Sorgen und Verzweiflung überwältigen, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr, kostenlos und anonym für dich da: 0800 111 0 111 oder 116 123.
Häufige Fragen
Was kostet eine Notübernachtung für obdachlose Menschen?
Eine Notübernachtung ist in aller Regel kostenlos oder kostet nur einen kleinen, symbolischen Betrag. Niemand wird abgewiesen, weil er nicht zahlen kann. Notübernachtungen nehmen dich ohne Vorbedingungen auf, du brauchst keine Nachweise und keinen vorherigen Antrag. Für die Nacht zählt nur, dass du einen sicheren Platz bekommst.
Was ist ein Kältebus und wie erreiche ich ihn?
Ein Kältebus ist ein Fahrzeug, das zwischen November und März nachts durch die Stadt fährt und wohnungslose Menschen mit heißen Getränken, Decken und Schlafsäcken versorgt. Auf Wunsch bringt er dich zu einer Notübernachtung. Erreichbar ist er über das Kältehilfe-Telefon deiner Stadt, das du online unter Kältehilfe und dem Stadtnamen findest.
Bekomme ich ohne Krankenversicherung eine ärztliche Behandlung?
Ja, auch ohne Krankenversicherung bekommst du eine ärztliche Behandlung. Die Malteser und andere Träger behandeln in vielen Städten anonym und kostenlos, von der Erstuntersuchung bis zum Notfall. Eine Clearingstelle hilft dir zusätzlich, wieder in eine Versicherung zu kommen, und übernimmt in der Zwischenzeit die Kosten für dringende Behandlungen.
Kann mich eine Notunterkunft abweisen, weil ich neu in der Stadt bin?
Nein, eine Notunterkunft darf dich nicht abweisen, weil du noch nicht lange in der Stadt bist. Die Kommune, in der du dich tatsächlich aufhältst, muss dich unterbringen. Regeln, die eine Mindestwohnzeit verlangen, sind rechtlich unwirksam. Wird dir trotzdem ein Platz verweigert, wende dich sofort an eine Beratungsstelle.
Gibt es eigene Notunterkünfte für Frauen und Familien?
Ja, für Frauen und Familien gibt es eigene, geschützte Notunterkünfte. Frauen können ausdrücklich nach einer reinen Frauenunterkunft fragen, Familien werden zusammen untergebracht. Jugendliche unter 18 wenden sich an die Notschlafstellen der Jugendhilfe oder das Jugendamt. Sag der Beratungsstelle klar, wer du bist, damit du den passenden Platz bekommst.
Was ist der Unterschied zwischen einem Tagestreff und einer Notübernachtung?
Ein Tagestreff ist tagsüber geöffnet und bietet Aufenthalt, warmes Essen, Dusche, Wäsche und Beratung, meist ohne Anmeldung. Eine Notübernachtung dagegen ist ein Schlafplatz für die Nacht. Beide ergänzen sich: Am Tag versorgst du dich im Tagestreff und regelst das Nötige, für die Nacht sicherst du dir einen Platz in der Notübernachtung.
Quellen
- Diakonie Deutschland, Kältehilfe für obdachlose Menschen, diakonie.de
- Caritas Deutschland, Hilfe bei Wohnungsnot und medizinische Versorgung, caritas.de
- Malteser, Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung, malteser.de
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