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Pflegegrad-Höherstufung beantragen

Geprüft von der Redaktion

Symbolbild zum Thema Pflegegrad-Höherstufung beantragen
Symbolbild zu Pflegegrad-Höherstufung beantragen. KI-generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn sich der Zustand dauerhaft verschlechtert, kannst du jederzeit eine Höherstufung des Pflegegrades beantragen. Das Verfahren läuft wie der erste Antrag.
  • Der Antrag ist formlos: Ein Anruf oder ein kurzer Brief an die Pflegekasse genügt. Das Datum entscheidet, denn die höhere Leistung fließt ab dem Monat der Antragstellung.
  • Ein Gutachter kommt erneut nach Hause und bewertet nach demselben Punktesystem mit sechs Modulen, wie selbstständig du noch bist.
  • Schon ein Pflegegrad höher bedeutet oft mehrere hundert Euro mehr im Monat, beim Sprung von Grad 2 auf 3 zum Beispiel 252 Euro mehr Pflegegeld.
  • Ein Pflegetagebuch und eine ehrliche Schilderung des Alltags sind die beste Vorbereitung. Gegen eine Ablehnung kannst du innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.

Was ist eine Pflegegrad-Höherstufung?

Eine Höherstufung ist die Anhebung des Pflegegrades, wenn der Hilfebedarf eines Menschen dauerhaft gestiegen ist. Ein Pflegegrad ist keine feste Größe für immer. Er beschreibt, wie selbstständig jemand zu einem bestimmten Zeitpunkt ist, und dieser Zustand ändert sich mit der Zeit. Wenn aus Pflegegrad 2 spürbar mehr Hilfebedarf geworden ist, kann daraus Pflegegrad 3 werden, und mit ihm steigen die Leistungen der Pflegeversicherung.

Der Antrag auf Höherstufung ist kein neues, kompliziertes Verfahren, sondern derselbe Weg wie beim ersten Mal. Wer schon einmal einen Pflegegrad beantragt hat, kennt den Ablauf: formloser Antrag, Begutachtung zu Hause, Bescheid der Kasse. Der einzige Unterschied ist, dass jetzt ein bestehender Grad angehoben werden soll. Rechtsgrundlage ist wie beim Erstantrag Paragraf 18 SGB XI.

Wann solltest du eine Höherstufung beantragen?

Eine Höherstufung solltest du beantragen, sobald sich der Alltag dauerhaft verschlechtert hat und mehr Hilfe nötig ist als beim letzten Bescheid. Entscheidend ist, dass die Verschlechterung nicht nur vorübergehend ist, sondern voraussichtlich für mindestens sechs Monate anhält. Ein grippaler Infekt zählt nicht, eine fortschreitende Erkrankung schon.

Typische Anlässe sind ein Schlaganfall, ein Sturz mit bleibenden Folgen, eine fortschreitende Demenz oder das langsame Nachlassen der Kräfte über Monate. Achte auf konkrete Zeichen: Der Mensch braucht jetzt Hilfe beim Waschen oder Anziehen, wo er das früher allein schaffte. Er wird nachts unruhig, vergisst Medikamente, kann nicht mehr allein zur Toilette. Sobald sich solche Beobachtungen häufen, ist der Zeitpunkt für den Antrag gekommen. Lieber zu früh als zu spät, denn die höhere Leistung gibt es erst ab dem Monat der Antragstellung, nie rückwirkend.

Wie beantragst du die Höherstufung?

Den Antrag auf Höherstufung stellst du formlos bei der Pflegekasse, die an die Krankenkasse angeschlossen ist. Ein Anruf mit dem Satz, dass sich der Zustand verschlechtert hat und du eine Höherstufung des Pflegegrades beantragst, genügt für den Start. Danach schickt dir die Kasse die Unterlagen zu. Lass dir den Eingang des Antrags schriftlich oder per Mail bestätigen, damit das Datum später feststeht.

  1. Die Verschlechterung über ein bis zwei Wochen im Pflegetagebuch festhalten, mit konkreten Beispielen und Zeiten.
  2. Formlos bei der Pflegekasse die Höherstufung beantragen und das Datum notieren.
  3. Aktuelle Arztbriefe, den Medikamentenplan und, falls vorhanden, einen Klinik- oder Reha-Bericht bereitlegen.
  4. Den angekündigten Begutachtungstermin vorbereiten und eine Vertrauensperson dabeihaben.
  5. Den Bescheid prüfen. Bei einer Ablehnung oder einem zu niedrigen Ergebnis innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.

Der Antrag kostet nichts, und auch die erneute Begutachtung ist für dich kostenlos. Wie beim Erstantrag muss die Pflegekasse innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden. Hält sie diese Frist ohne triftigen Grund nicht ein, muss sie 70 Euro für jede angefangene Woche der Verspätung zahlen.

1Verschlechterung im Pflegetagebuch festhalten2Höherstufung formlos beantragen3neue Begutachtung zu Hause4Bescheid mit höherer Leistung
So läuft die Höherstufung Schritt für Schritt, von der ersten Beobachtung bis zum neuen Bescheid Bild: KI generiert.

Wie läuft die erneute Begutachtung ab?

Die erneute Begutachtung läuft genauso ab wie beim ersten Antrag. Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes, bei privat Versicherten von Medicproof, kündigt sich an und kommt zu dir nach Hause. Im Gespräch, das meist eine gute Stunde dauert, prüft er, wie selbstständig du im Alltag noch bist. Bewertet werden sechs Lebensbereiche, im Fachjargon Module: Mobilität, geistige Fähigkeiten, Verhalten, Selbstversorgung, der Umgang mit Krankheit und die Gestaltung des Alltags.

Aus der Bewertung ergibt sich wieder eine Punktzahl zwischen 0 und 100, und aus ihr der neue Pflegegrad. Wichtig ist, dass der Gutachter den heutigen Zustand mit dem beim letzten Mal vergleicht. Deshalb zählt jede Verschlechterung, die seither dazugekommen ist. Wie das Punktesystem und die Module genau funktionieren, ist auf der Seite Pflegegrad beantragen im Detail erklärt. Gerade bei einer Demenz sind die Module zu Denken und Verhalten oft ausschlaggebend, denn geistige und seelische Belastungen zählen ausdrücklich mit.

Wie viel mehr Geld bringt ein höherer Pflegegrad?

Jeder Schritt nach oben bedeutet spürbar mehr Geld und mehr Sachleistungen. Die folgende Tabelle zeigt das monatliche Pflegegeld und die Pflegesachleistung je Pflegegrad, gültig seit dem 1. Januar 2025 und unverändert für 2026. Schon der Sprung um einen Grad macht oft mehrere hundert Euro im Monat aus.

PflegegradPflegegeldPflegesachleistung
Pflegegrad 2347 Euro796 Euro
Pflegegrad 3599 Euro1.497 Euro
Pflegegrad 4800 Euro1.859 Euro
Pflegegrad 5990 Euro2.299 Euro

Der Sprung von Pflegegrad 2 auf 3 bringt beim Pflegegeld 252 Euro mehr im Monat, also gut 3.000 Euro im Jahr, und bei der Sachleistung sogar 701 Euro mehr. Auch die höheren Zuschüsse für die vollstationäre Pflege und die Tages- und Nachtpflege steigen mit dem Grad. Welche Leistungen sich alle mit dem Pflegegrad ändern, zeigt der Überblick über die Pflegeleistungen. Deshalb lohnt sich die Höherstufung nicht nur beim Geld, sondern auch bei den Auszeiten für die Pflegenden, die die Seite Verhinderungs- und Kurzzeitpflege beschreibt.

Wie bereitest du dich auf den Termin vor?

Die beste Vorbereitung ist ein ehrliches Bild vom wirklichen Alltag, gerade von den schlechten Tagen. Viele ältere Menschen reißen sich beim Besuch zusammen und wirken selbstständiger, als sie es sind. Das ist menschlich, führt aber zu einem zu niedrigen Ergebnis. Sag dem Gutachter, wie es an einem normalen, eher schwierigen Tag ist, und beschönige nichts.

Ein Pflegetagebuch ist dabei das wichtigste Werkzeug. Notiere über ein bis zwei Wochen, wobei geholfen werden muss, wie oft und wie lange: beim Aufstehen, beim Waschen, bei den Medikamenten, beim Essen, beim Toilettengang und nachts. Halte fest, was seit dem letzten Bescheid dazugekommen ist, denn genau diese Veränderung begründet die Höherstufung. Nimm den Medikamentenplan, aktuelle Arztbriefe und, falls vorhanden, den Reha-Bericht dazu. Eine Vertrauensperson sollte beim Termin dabei sein, weil sie Dinge sieht, die der Betroffene selbst herunterspielt. Wer unsicher ist, nutzt vorher die kostenlose Pflegeberatung nach Paragraf 7a SGB XI, die den Termin mit dir durchgeht.

Was tun, wenn die Höherstufung abgelehnt wird?

Gegen jeden Bescheid der Pflegekasse kannst du innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen, auch gegen eine abgelehnte oder zu niedrige Höherstufung. Das lohnt sich häufig, denn ein spürbarer Teil der Widersprüche führt zu einem besseren Ergebnis. Der Widerspruch muss zunächst nur die Frist wahren und formlos sein, die Begründung kannst du nachreichen. Ein kurzer Satz genügt: dass du dem Bescheid widersprichst und die Begründung folgt.

Fordere zuerst das vollständige Gutachten an, denn nur so siehst du, wo Punkte gefehlt haben. Vergleiche die Angaben mit deinem Pflegetagebuch und mit dem, was der Alltag wirklich verlangt. Oft wurde ein Bereich zu positiv bewertet. Genau das gehört in die Begründung, gestützt auf konkrete Beispiele. Bei der Formulierung helfen die Wohlfahrtsverbände und die Verbraucherzentrale kostenlos oder günstig. Führt der Widerspruch nicht zum Ziel, bleibt der Weg zum Sozialgericht, der für den Versicherten gerichtskostenfrei ist.

Kann der Pflegegrad auch herabgestuft werden?

Ja, das ist möglich, kommt aber seltener vor. Verbessert sich der Zustand deutlich, etwa nach einer erfolgreichen Reha, kann die Pflegekasse eine Wiederholungsbegutachtung veranlassen und den Pflegegrad herabsetzen. Bei stabilen oder fortschreitenden Erkrankungen, bei denen keine Besserung zu erwarten ist, verzichten die Kassen meist darauf, und der Gutachter vermerkt im Bericht, ob überhaupt eine erneute Begutachtung sinnvoll ist.

Diese Möglichkeit sollte dich nicht davon abhalten, eine berechtigte Höherstufung zu beantragen. Wenn der Hilfebedarf wirklich gestiegen ist, wird er es auch bei der Begutachtung sein. Und selbst wenn eine Verbesserung eintritt, ist das ein gutes Zeichen für die Gesundheit, nicht in erster Linie ein finanzieller Verlust. Wichtig ist nur, dass die Angaben immer ehrlich und nachvollziehbar sind, in beide Richtungen.

Wie geht es nach der Höherstufung weiter?

Mit dem höheren Pflegegrad steigen nicht nur das Pflegegeld und die Sachleistung, sondern auch die anderen Ansprüche. Der höhere Grad kann bedeuten, dass jetzt mehr für einen Pflegedienst zur Verfügung steht, dass sich die Tagespflege ausweiten lässt oder dass eine 24-Stunden-Betreuung besser gegenfinanziert werden kann. Es lohnt sich, nach dem neuen Bescheid die gesamte Versorgung neu zu ordnen und die eigenen Töpfe voll auszuschöpfen.

Am besten nutzt du dafür erneut die kostenlose Pflegeberatung, die einen aktualisierten Versorgungsplan aufstellt. Denk auch an die pflegenden Angehörigen: Mit einem höheren Grad steigen oft die Belastung und damit der Bedarf an Entlastung. Welche Rechte und Auszeiten der pflegenden Person zustehen, steht auf der Seite Entlastung für pflegende Angehörige, und wie du die häusliche Versorgung insgesamt neu aufstellst, zeigt die Seite Pflege zu Hause organisieren. Bei einer fortschreitenden Demenz hilft der ruhige Umgang, den die Seite Demenz-Diagnose beschreibt.

Häufige Fragen

Wie beantrage ich eine Höherstufung des Pflegegrades?

Eine Höherstufung beantragst du formlos bei deiner Pflegekasse, telefonisch, per Brief oder online. Ein Satz genügt, dass sich der Zustand verschlechtert hat und du eine Höherstufung wünschst. Danach kommt ein Gutachter erneut nach Hause. Lass dir den Eingang des Antrags bestätigen, denn die höhere Leistung fließt ab dem Monat der Antragstellung.

Bekomme ich die höhere Leistung rückwirkend?

Nein, die höhere Leistung gibt es ab dem Monat, in dem der Antrag auf Höherstufung bei der Pflegekasse eingeht, nicht für die Zeit davor. Deshalb solltest du den Antrag stellen, sobald sich der Hilfebedarf dauerhaft erhöht hat, und nicht warten, bis das Verfahren abgeschlossen ist. Jeder Monat Verzögerung kostet bares Geld.

Wie lange dauert eine Höherstufung?

Die Pflegekasse muss auch bei der Höherstufung innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Antragseingang einen Bescheid erteilen. Hält sie diese Frist ohne triftigen Grund nicht ein, muss sie dir 70 Euro für jede angefangene Woche der Verspätung zahlen. In dringenden Fällen, etwa direkt nach einem Krankenhausaufenthalt, gelten kürzere Fristen.

Kann der Pflegegrad bei der neuen Begutachtung auch gesenkt werden?

Ja, verbessert sich der Zustand deutlich, etwa nach einer erfolgreichen Reha, kann der Pflegegrad herabgestuft werden. Das kommt aber seltener vor, und bei fortschreitenden Erkrankungen verzichten die Kassen meist darauf. Wenn dein Hilfebedarf wirklich gestiegen ist, wird das auch die Begutachtung zeigen. Wichtig ist, dass die Angaben ehrlich und nachvollziehbar sind.

Was bringt ein höherer Pflegegrad an Geld?

Jeder Schritt nach oben bringt mehr Geld. Der Sprung von Pflegegrad 2 auf 3 erhöht das Pflegegeld um 252 Euro auf 599 Euro im Monat und die Sachleistung um 701 Euro auf 1.497 Euro. Auch die Zuschüsse für Tagespflege, Kurzzeitpflege und die vollstationäre Pflege steigen mit dem Grad. Das summiert sich schnell auf mehrere Tausend Euro im Jahr.

Wie bereite ich mich auf den Begutachtungstermin bei der Höherstufung vor?

Am besten führst du ein bis zwei Wochen ein Pflegetagebuch, in dem du festhältst, wobei geholfen werden muss und was seit dem letzten Bescheid dazugekommen ist. Schildere den Alltag ehrlich, gerade die schlechten Tage, und lass eine Vertrauensperson beim Termin dabei sein. Halte Arztbriefe, den Medikamentenplan und einen möglichen Reha-Bericht bereit.

Muss ich für die Höherstufung etwas bezahlen?

Nein, die Höherstufung kostet nichts. Sowohl der Antrag als auch die erneute Begutachtung durch den Medizinischen Dienst oder Medicproof sind für dich kostenlos. Auch die Pflegeberatung nach Paragraf 7a SGB XI, die dich auf den Termin vorbereitet, ist gebührenfrei. Es entstehen keine Kosten, egal wie das Verfahren ausgeht.

Quellen

  1. Medizinischer Dienst Bund, Pflegebegutachtung und Pflegegrade medizinischerdienst.de
  2. Verbraucherzentrale, Pflegegrad und Widerspruch verbraucherzentrale.de
  3. Bundesministerium für Gesundheit, Pflegegrade und Leistungen bundesgesundheitsministerium.de

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