Helfer in der Krise

Mit chronischen Schmerzen leben

Geprüft von der Redaktion

Mit chronischen Schmerzen leben
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schmerz gilt als chronisch, wenn er länger als drei bis sechs Monate anhält oder immer wiederkehrt, oft auch dann noch, wenn die ursprüngliche Ursache längst abgeheilt ist.
  • Schmerz, Schonhaltung und Rückzug verstärken sich gegenseitig und bilden einen Teufelskreis, der die Beschwerden über die Zeit verschlimmert.
  • Bewegung hilft bei den meisten chronischen Schmerzen mehr als Schonung, auch wenn das zunächst gegen das eigene Gefühl geht.
  • Multimodale Schmerztherapie behandelt Körper und Psyche gemeinsam und gilt bei schweren chronischen Schmerzen als wirksamste Behandlungsform.
  • Schmerzambulanzen und Selbsthilfegruppen der Deutschen Schmerzliga bieten fachliche und menschliche Unterstützung, wenn Hausarzt oder Facharztpraxis allein nicht mehr weiterhelfen.

Wie wird chronischer Schmerz zu einer eigenen Krankheit?

Chronischer Schmerz wird zu einer eigenen Krankheit, weil sich das Nervensystem bei anhaltenden Schmerzreizen dauerhaft verändert und Schmerzsignale irgendwann auch ohne körperliche Ursache weiterschickt. Mediziner sprechen dann von einem Schmerzgedächtnis: Nervenzellen im Rückenmark und im Gehirn reagieren zunehmend empfindlicher, sodass schon leichte Reize oder gar keine mehr ausreichen, um Schmerz auszulösen. Anders als beim akuten Schmerz, der als Warnsignal vor einer Verletzung schützt, hat der chronische Schmerz diese Funktion verloren. Er dauert an, obwohl das Gewebe längst verheilt ist oder obwohl sich gar keine eindeutige körperliche Ursache mehr finden lässt. Die Deutsche Schmerzgesellschaft fasst das so zusammen: Als chronisch gilt heute jeder Schmerz, dessen Dauer über das Ausmaß einer erkennbaren akuten Ursache hinaus nicht mehr nachvollziehbar ist, unabhängig von einer festen Zeitgrenze.

Das betrifft mehr Menschen als vermutet: Bei Rückenschmerzen etwa findet sich bei über 85 von 100 Fällen keine eindeutige körperliche Ursache, ohne dass die Schmerzen deshalb weniger real oder weniger behandlungsbedürftig wären. Wer diesen Zusammenhang versteht, verliert oft die Angst vor einer angeblich übersehenen schweren Erkrankung und kann sich stattdessen auf die Behandlung konzentrieren, die tatsächlich hilft. Fachleute unterscheiden zusätzlich nach der Entstehung: Nozizeptiver Schmerz entsteht durch die Reizung von Schmerzfühlern in Haut, Muskeln oder Gelenken, etwa bei Arthrose. Neuropathischer Schmerz entsteht durch eine geschädigte Nervenbahn selbst, etwa nach einem Bandscheibenvorfall oder bei diabetischer Nervenschädigung. Treten beide Formen gemeinsam auf, sprechen Fachleute von Mixed Pain, häufig zu erkennen an einer Mischung aus dumpfem Dauerschmerz und einschießenden, blitzartigen Schmerzattacken.

Wie häufig sind chronische Schmerzen, und was kosten sie?

Chronische Schmerzen zählen zu den häufigsten und zugleich am längsten unterschätzten Gesundheitsproblemen in Deutschland. Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft vergehen bei mehr als der Hälfte der Betroffenen über zwei Jahre, bis eine wirksame Schmerzbehandlung beginnt, und nur etwa jeder Zehnte wird jemals an eine spezialisierte Schmerzeinrichtung überwiesen. Diese Verzögerung ist keine Randnotiz: Je länger sich das Schmerzgedächtnis ungestört festigen kann, desto schwerer lässt sich der Kreislauf später wieder durchbrechen.

Auch wirtschaftlich hinterlässt chronischer Schmerz deutliche Spuren. Die Deutsche Schmerzgesellschaft beziffert die jährlichen Folgekosten in Deutschland auf rund 38 Milliarden Euro. Etwa 10 Milliarden Euro davon entfallen auf unmittelbare Behandlungskosten, der größere Teil entsteht durch Krankschreibungen, Arbeitsausfall und vorzeitige Berentung. Hinter diesen Zahlen steht eine zusätzliche Belastung, die keine Statistik erfasst: Weil bei vielen Betroffenen keine sichtbare körperliche Ursache erkennbar ist, reagiert das soziale Umfeld nicht selten mit Unverständnis, etwa mit Sätzen wie "Der simuliert doch nur" oder "Das ist doch reine Einbildung". Solche Reaktionen verstärken den Rückzug zusätzlich, den der Teufelskreis ohnehin schon in Gang setzt.

Der Teufelskreis aus Schmerz, Schonung und Rückzug

Der Teufelskreis chronischer Schmerzen entsteht, weil Schmerz, Schonverhalten und sozialer Rückzug sich gegenseitig verstärken, statt sich mit der Zeit von selbst aufzulösen. Wer Schmerzen hat, schont sich zunächst verständlicherweise und vermeidet Bewegungen, die wehtun. Diese Schonung führt jedoch zu Muskelabbau, Verspannung und einer schlechteren Durchblutung, wodurch neue Schmerzen entstehen. Gleichzeitig wächst mit jeder vermiedenen Aktivität die Angst vor Bewegung, was Fachleute als Bewegungsangst oder Kinesiophobie bezeichnen. Aus dieser Angst folgt noch mehr Rückzug, aus dem Rückzug oft Hoffnungslosigkeit und eine gedrückte Stimmung, und diese wiederum verstärken die Schmerzwahrnehmung selbst.

Ein verwandter Mechanismus läuft über die Muskulatur direkt: Anhaltender Stress aktiviert eine Art innere Alarmanlage, die Muskeln automatisch anspannt. Hält dieser Zustand über Wochen an, verhärten sich Muskeln und umliegendes Gewebe dauerhaft, wodurch ein eigenständiger Weichteilschmerz entsteht. Dieser Schmerz verstärkt wiederum die Muskelverspannung, sodass ein zweiter, rein körperlicher Teufelskreis parallel zum psychischen entsteht, beide befeuern sich gegenseitig.

Je länger dieser Kreislauf andauert, desto mehr rückt der Schmerz in den Mittelpunkt des Lebens. Berufliche Leistungsfähigkeit sinkt, und Betroffene ziehen sich zunehmend von Freunden und Familie zurück, weil Aktivitäten mit anderen schwerer planbar werden. Der Ausweg liegt nicht darin, den Schmerz zu ignorieren, sondern darin, den Kreislauf an mehreren Stellen gleichzeitig zu durchbrechen: durch vorsichtige, aber regelmäßige Bewegung, durch den Abbau der Bewegungsangst und durch das bewusste Aufrechterhalten sozialer Kontakte.

SchmerzAnspannungund SchonungWenigerAktivitätMehr Schmerz
Der Teufelskreis chronischer Schmerzen. Bild: KI generiert.

Warum Angst und gedrückte Stimmung den Schmerz verstärken

Angst und gedrückte Stimmung verstärken den Schmerz, weil Aufmerksamkeit, innere Einstellung und Gefühlslage die Art und Weise verändern, wie das Gehirn Schmerzsignale verarbeitet. Dieses Zusammenspiel beschreibt das bio-psycho-soziale Schmerzmodell: Chronischer Schmerz entsteht fast immer aus einer Kombination körperlicher, psychischer und sozialer Faktoren, nicht aus einer einzigen Ursache. Richtet sich die Aufmerksamkeit angstvoll auf den Körper, etwa aus Sorge vor einer ernsten Erkrankung, nimmt die erlebte Schmerzstärke messbar zu, selbst wenn sich am körperlichen Befund nichts verändert hat.

Depressive Verstimmungen entwickeln sich bei chronischem Schmerz häufig als Folge, nicht als Ursache: Ausbleibender Behandlungserfolg, sozialer Rückzug und das Gefühl, dem eigenen Körper nicht mehr zu vertrauen, führen bei vielen Betroffenen zu einer sogenannten reaktiven Depression als Begleiterkrankung der Chronifizierung. Das ist wichtig zu wissen, weil es die Reihenfolge richtigstellt: Nicht eine seelische Schwäche erzeugt den Schmerz, sondern der andauernde Schmerz erzeugt häufig die seelische Belastung. Genau deshalb gehört die psychologische Behandlung von Anfang an in die Schmerztherapie, nicht erst als letzter Ausweg, wenn nichts anderes mehr geholfen hat.

Was multimodale Schmerztherapie leistet

Multimodale Schmerztherapie leistet die gleichzeitige, aufeinander abgestimmte Behandlung von Körper und Psyche und gilt bei schweren chronischen Schmerzen als wirksamste verfügbare Therapieform. Ein Team aus Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Pflegekräften und Sozialarbeitern behandelt dabei nach einem gemeinsamen Plan, statt dass jede Fachrichtung für sich allein arbeitet. Grundlage ist die Erkenntnis, dass chronischer Schmerz fast immer körperliche, psychische und soziale Anteile hat und deshalb auch auf allen drei Ebenen gleichzeitig behandelt werden muss.

Empfohlen wird diese Behandlung, wenn Schmerzen trotz fachärztlicher Behandlung nicht nachlassen, sich ausbreiten oder Alltag, Arbeitsfähigkeit und soziales Leben deutlich einschränken. Ein Programm dauert meist ein bis vier Wochen und findet tages- oder vollstationär in spezialisierten Kliniken statt, mit Bewegungstherapie, Schulungen und Entspannungsverfahren in kleinen Gruppen sowie ergänzenden Einzelgesprächen. Ein wichtiger Baustein ist die kognitive Verhaltenstherapie: Sie kann chronische Kreuzschmerzen zwar nicht zum Verschwinden bringen, aber bei etwa 1 bis 2 von 10 Behandelten eine spürbare Besserung bewirken, die auch Monate nach Therapieende noch anhält. Über 20 Studien belegen diesen Effekt.

Welche Rolle Medikamente in der Schmerzbehandlung spielen

Medikamente spielen in der Schmerzbehandlung vor allem eine unterstützende Rolle, sie sind Teil eines Gesamtplans und selten allein die Lösung. Die Behandlung folgt üblicherweise einem Stufenschema: Zunächst kommen nicht-opioide Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol zum Einsatz, bei stärkeren Schmerzen ergänzt um schwächere und danach stärkere Opioide, immer abgewogen gegen Nebenwirkungen und Abhängigkeitsrisiko. Bei neuropathischem Schmerz kommen zusätzlich Wirkstoffgruppen zum Einsatz, die ursprünglich gegen Epilepsie oder Depression entwickelt wurden, weil sie gezielt in die Schmerzweiterleitung der Nerven eingreifen.

Bei chronischen, nicht durch Krebs verursachten Schmerzen raten Fachgesellschaften inzwischen zu besonderer Zurückhaltung bei einer dauerhaften Opioidbehandlung, weil der Nutzen nach einigen Wochen oft nachlässt, während sich Toleranz und Abhängigkeit aufbauen können. Eine regelmäßige Überprüfung, ob ein Medikament noch wirkt und ob die Dosis noch angemessen ist, gehört deshalb zu jeder guten Schmerztherapie dazu, ebenso wie das Ausschöpfen nicht-medikamentöser Verfahren, bevor die Dosis weiter erhöht wird.

Häufige Irrtümer über chronische Schmerzen

Der schädlichste Irrtum lautet, ein Schmerz ohne sichtbaren Befund sei eingebildet. Genau das Gegenteil ist der Fall: Gerade weil sich bei den meisten chronischen Rückenschmerzen keine eindeutige Ursache findet, ist der Schmerz real, nur eben nicht mehr allein durch Röntgenbild oder Kernspin erklärbar. Ein zweiter Irrtum lautet, Ruhe sei bei Schmerzen immer die beste Medizin. Wie der Teufelskreis zeigt, verschlimmert dauerhafte Schonung die meisten chronischen Schmerzen eher, statt sie zu lindern. Ein dritter Irrtum lautet, Schmerzmittel seien die einzig sinnvolle Behandlung. Medikamente können akute Phasen überbrücken, ersetzen aber bei chronischem Schmerz weder Bewegung noch psychologische Unterstützung, weil sie an den Mechanismen, die den Schmerz aufrechterhalten, kaum etwas ändern.

Ein vierter, seltener angesprochener Irrtum betrifft Röntgen- und MRT-Bilder selbst: Auffällige Befunde wie Bandscheibenveränderungen kommen auch bei völlig beschwerdefreien Menschen häufig vor und sind deshalb kein zuverlässiger Beweis dafür, dass ein bestimmter Bereich tatsächlich die Schmerzquelle ist. Ein Bildbefund allein rechtfertigt daher selten eine Operation, wenn sich die Beschwerden nicht eindeutig damit erklären lassen.

Was Betroffene selbst gegen chronische Schmerzen tun können

Betroffene können selbst am meisten erreichen, wenn sie trotz der Schmerzen in Bewegung bleiben, statt sich dauerhaft zu schonen. Das klingt zunächst gegen die eigene Erfahrung, ist aber gut belegt: Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen, die regelmäßig trainieren, bekommen innerhalb eines Jahres bei etwa 30 von 100 erneut Schmerzen, ohne Training sind es etwa 50 von 100. Geeignet sind vor allem Stabilisationsübungen, Kraft- und Haltungstraining sowie Yoga oder Pilates, in einem Tempo, das nicht selbst wieder zu Schmerzspitzen führt.

Daneben helfen Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung, ein fester Tagesrhythmus mit ausreichend Schlaf und das bewusste Pflegen sozialer Kontakte, auch an Tagen mit stärkeren Beschwerden. Ein Schmerztagebuch, in dem Intensität, Auslöser und hilfreiche Maßnahmen notiert werden, macht Muster sichtbar, die im Gespräch mit Ärzten oder Therapeuten wichtige Hinweise liefern. Wer merkt, dass die Angst vor Bewegung oder die Stimmung selbst zum Hauptproblem werden, sollte das offen ansprechen, denn genau dafür ist die psychologische Schmerzbehandlung da. Auch das eigene Wortwahl beim Sprechen über den Schmerz spielt eine Rolle: Wer jeden Tag sagt "mein Rücken ist im Eimer", verstärkt damit die eigene Angst vor Bewegung eher, als eine Formulierung wie "mein Rücken meldet sich heute wieder, ich bleibe trotzdem aktiv".

Anlaufstellen bei chronischen Schmerzen im Überblick

Wer nicht weiß, an wen man sich bei anhaltenden Schmerzen wenden soll, findet die wichtigsten Anlaufstellen und ihre Aufgaben in der folgenden Übersicht.

AnlaufstelleWas sie bietet
HausarztpraxisErste Abklärung, überweist bei Bedarf an Schmerzmediziner oder Schmerzambulanz
SchmerzambulanzFachärztliche Diagnostik und Behandlung bei anhaltenden oder komplexen Schmerzen
Klinik für multimodale SchmerztherapieEin bis vier Wochen dauerndes Programm aus Bewegung, Schulung und Psychotherapie
Schmerzpsychotherapeutische PraxisKognitive Verhaltenstherapie gegen Bewegungsangst, Grübeln und depressive Stimmung
Reha-Klinik mit Schwerpunkt Orthopädie oder SchmerzMehrwöchige Anschlussbehandlung mit Bewegungs- und Trainingstherapie
BetriebsarztBerät zu leidensgerechten Arbeitsplatzanpassungen und stufenweiser Wiedereingliederung
Selbsthilfegruppe der Deutschen SchmerzligaAustausch mit anderen Betroffenen, über 100 regionale Gruppen bundesweit

Die ersten Schritte bei chronischen Schmerzen

  1. Lass die Schmerzursache ärztlich abklären, auch wenn du vermutest, dass keine eindeutige körperliche Ursache mehr zu finden ist, und frag gezielt nach Warnzeichen, die eine sofortige Abklärung nötig machen.
  2. Bleib in Bewegung, so gut es geht, und steigere die Belastung in kleinen, gut verträglichen Schritten statt in großen Sprüngen, notfalls mit Anleitung durch Physiotherapie.
  3. Führe einige Wochen ein Schmerztagebuch, um Muster bei Auslösern, Tageszeiten und hilfreichen Maßnahmen zu erkennen, und bring es zum nächsten Arzttermin mit.
  4. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt gezielt an, ob eine multimodale Schmerztherapie, eine Reha-Maßnahme oder eine schmerzpsychotherapeutische Behandlung für dich infrage kommt.
  5. Suche über die Deutsche Schmerzliga oder eine örtliche Selbsthilfe-Kontaktstelle nach einer Schmerz-Selbsthilfegruppe in deiner Nähe, statt die Belastung allein zu tragen.

Eine Krankheit kann schwer auf die Seele drücken. Wenn dich die Lage überfordert oder du Gedanken hast, nicht mehr leben zu wollen, hol dir Hilfe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar, im Notfall die 112. Bei medizinischen Fragen hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Häufige Fragen

Ab wann gelten Schmerzen als chronisch?

Schmerzen gelten in der Regel als chronisch, wenn sie länger als drei bis sechs Monate anhalten oder immer wiederkehren, oft auch dann noch, wenn die ursprüngliche Verletzung oder Erkrankung längst verheilt ist. Ab diesem Zeitpunkt hat der Schmerz seine Warnfunktion meist verloren und braucht eine eigene Behandlung.

Sind chronische Schmerzen eingebildet, wenn keine körperliche Ursache gefunden wird?

Nein, chronische Schmerzen ohne eindeutigen körperlichen Befund sind nicht eingebildet, sondern entstehen durch reale Veränderungen im Nervensystem, das sogenannte Schmerzgedächtnis. Über 85 von 100 Rückenschmerzfällen haben keine eindeutige körperliche Ursache, ohne dass die Schmerzen dadurch weniger real wären.

Warum dauert es oft so lange, bis chronische Schmerzen richtig behandelt werden?

Bei mehr als der Hälfte der Menschen mit chronischen Schmerzen vergehen nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft mehr als zwei Jahre bis zu einer wirksamen Behandlung, unter anderem weil die Schmerzursache zunächst rein körperlich gesucht wird und nur wenige Betroffene an spezialisierte Schmerzeinrichtungen überwiesen werden.

Warum hilft Bewegung bei chronischen Schmerzen, obwohl sie zunächst wehtut?

Bewegung hilft bei chronischen Schmerzen, weil Schonung zu Muskelabbau, Verspannung und dadurch zu neuen Schmerzen führt, während gezieltes Training die Muskulatur stärkt und die Schmerzwahrnehmung über die Zeit senkt. Der anfängliche Widerstand lohnt sich: Mit regelmäßigem Training treten bei chronischen Kreuzschmerzen erneute Beschwerden binnen eines Jahres bei etwa 30 von 100 Personen auf, ohne Training bei etwa 50 von 100.

Was ist multimodale Schmerztherapie?

Multimodale Schmerztherapie ist die gleichzeitige, aufeinander abgestimmte Behandlung chronischer Schmerzen durch ein Team aus Medizin, Psychologie, Physiotherapie und weiteren Berufsgruppen. Sie dauert meist ein bis vier Wochen, findet tages- oder vollstationär statt und gilt bei schweren chronischen Schmerzen als wirksamste Behandlungsform.

Wie finde ich eine Schmerzambulanz oder eine Klinik für multimodale Schmerztherapie?

Eine Schmerzambulanz oder eine Klinik für multimodale Schmerztherapie findest du über die Überweisung deiner Hausarztpraxis oder über das Einrichtungsverzeichnis der Deutschen Schmerzgesellschaft, das qualifizierte Anbieter in ganz Deutschland auflistet.

Bringt eine Selbsthilfegruppe bei chronischen Schmerzen wirklich etwas?

Ja, eine Selbsthilfegruppe bei chronischen Schmerzen hilft vielen Betroffenen spürbar, weil der Austausch mit Menschen in ähnlicher Lage das Gefühl der Isolation mindert und praktische Bewältigungsstrategien vermittelt. Die Deutsche Schmerzliga koordiniert bundesweit über 100 solcher Gruppen zu verschiedenen Schmerzbildern.

Quellen

  1. Gesundheitsinformation.de, IQWiG: Multimodale Schmerztherapie und kognitive Verhaltenstherapie bei chronischen Rückenschmerzen. gesundheitsinformation.de
  2. Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. (dgss.org): Chronische Schmerzen, Schmerz und Psyche, sowie interdisziplinär-multimodale Schmerztherapie. Verlinkt auf die technisch erreichbare Schwesterseite derselben Fachgesellschaft. schmerzgesellschaft.de
  3. Patienten-Information.de, ÄZQ und AWMF: Dauerhafte Rücken-Schmerzen in Leichter Sprache. patienten-information.de

Verwandte Ratgeber aus Krankheit

Weitere Artikel zum selben Themenbereich, die dir hier weiterhelfen können.